Opel Astra-Produktion

Opel Astra-Produktion

Abzug aus Rüsselsheim

Konzernmutter GM reißt bei Opel das Ruder herum: Ab 2015 soll der Astra nur noch im Ausland vom Band laufen. Die Rüsselsheimer Opelaner warnen vor einer Fehlentscheidung.
(dpa) Der Betriebsrat von Opel fürchtet herbe Einschnitte im Stammwerk Rüsselsheim. Um die Kosten zu drücken, will das Unternehmen den Astra künftig komplett im Ausland bauen. Bislang wird das absatzstärkste Modell des defizitären Herstellers auch in Rüsselsheim gefertigt. Die Arbeitnehmervertreter warnen vor einer "verheerenden Fehlentscheidung", während die Adam Opel AG  in der angedachten Verlagerung der Astra-Fertigung ins günstigere Ausland einen wichtigen Schritt aus der Verlustzone sieht. Der Betriebsrat bemüht sich vorerst um eine Lösung am Verhandlungstisch. "Die Arbeitnehmerseite hat vorgeschlagen, die Investitionen für die Produktion der nächsten Astra-Generation zu übernehmen, wenn sie nach Rüsselsheim kommt", erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am 7. Mai 2012 aus Gewerkschaftskreisen.

Neuzulassungen Opel Astra (Deutschland)
Der Verkauf des Opel Astra ist rückläufig: Im April 2012 wurden in Deutschland 6198 Opel Astra zugelassen. Im Vergleich mit dem Vorjahresmonat (6801) entspricht das einem Minus von 8,9 Prozent. Noch größer fiel der Neuzulassungsrückgang für den Opel Astra im Zeitraum Januar bis April aus. In den ersten vier Monaten 2011 waren es noch 27.815 Astra, ein Jahr später 24.035 – das sind 13,6 Prozent weniger.
Quelle: KBA
Um die vom Management geplante Verlagerung der Rüsselsheimer Astra-Fertigung von 2015 an nach Ellesmere Port in England und Gliwice in Polen zu verhindern, würden die Beschäftigten auf Lohnbestandteile in Höhe von etwa 35 Millionen Euro verzichten. Zudem könne die Effizienz erhöht werden, um die nötigen Investitionen "gegenzufinanzieren". Die Adam Opel AG bestätigte aktuelle Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über Produktionsstandorte für die nächste Generation des Astra. Geplant seien Investitionen von mehr als 300 Millionen Euro und die Umstellung auf Dreischichtbetrieb. "Die bevorstehende Entscheidung zum Astra ist Teil eines umfassenden Plans, das Geschäft von Opel/Vauxhall in Europa profitabel und nachhaltig in die Zukunft zu führen", teilte das Unternehmen mit. Vor allem in Polen ist die Fertigung günstiger als in Rüsselsheim. Hier sollen 2012 knapp 70.000 Opel Astra vom Band laufen sowie etwa 150.000 Insignia.

Die Opel-Werke im Überblick

Deutschland: Bochum

In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.

Deutschland: Eisenach

In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.

Deutschland: Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.

Deutschland: Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Polen: Gleiwitz

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.

Spanien: Saragossa

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.

England: Ellesmere Port

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.

England: Luton

In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Weitere Standorte

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthard (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture ...

Weitere Standorte

... in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.
Werden die Pläne umgesetzt, würde im Stammwerk nur noch der Opel Insignia gefertigt. Das sei auf Dauer nicht tragbar, wird in Gewerkschaftskreisen gewarnt: "Wegen der Unterauslastung würde damit der modernste Standort extrem teuer und somit ins Aus getrieben." Denkbar sei aber auch, etwa den Zafira statt in Bochum in Rüsselsheim zu bauen – das Werk im Ruhrgebiet steht schon lange auf der Streichliste des Managements.

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