Opel-Produktion in Bochum beendet

Opel: Autoproduktion in Bochum beendet

— 05.12.2014

Letzter Opel aus Bochum

Eine Ära ist zu Ende: Im Bochumer Opel-Werk lief nach 52 Jahren Produktion das letzte Auto vom Band. Für die Stadt und 3000 Mitarbeiter ein bitterer Tag.

(dpa) Nach 52 Jahren im Ruhrgebiet hat der Autobauer Opel die Produktion in seinem Bochumer Werk wegen Überkapazitäten beendet. Am frühen Freitagmorgen (5. Dezember 2014) gegen 00.30 Uhr lief der letzte Wagen, ein dunkelgrauer Zafira-Familienvan, vom Band, wie Opel-Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. "Das Herz von Opel hat aufgehört zu schlagen", sagte ein Beschäftigter.

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Zwei Wagen vom letzten Produktionstag würden sozialen Einrichtungen in Bochum gespendet, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der letzte Opel aus Bochum geht an einen Käufer, dessen Namen nicht genannt wird. Das Unternehmen werde sich würdig von den Mitarbeitern verabschieden, sagte ein Sprecher. Am Montag (8.12.) ist noch einmal eine Betriebsversammlung im Werk geplant. Schon an diesem Samstag (6.12.) gibt es eine Jubilarfeier für langjährige Beschäftigte. Jeder Opelaner soll außerdem eine Erinnerung an die Zeit bei Opel erhalten.

Werk "vor die Hunde gehen lassen"

Am Werkstor gab es nach der letzten Produktionsschicht aber auch herbe Kritik von Beschäftigten: Opel habe das Werk "vor die Hunde gehen lassen" und zuletzt nicht einmal mehr das Dach repariert, so dass es hereinregnete, sagte ein Mitarbeiter. Das Werk sei geopfert worden. Nach der Entscheidung zur Werksschließung in Bochum hatte Opel in jüngster Zeit Millioneninvestitionen in die verbleibenden Standorte angekündigt. Die Produktion des Zafira wird von Bochum nach Rüsselsheim verlagert. Opel will bis 2016 wieder in die Schwarzen Zahlen kommen. Rund 3000 Beschäftigte in Bochum stehen nun vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Die meisten von ihnen wechseln für maximal zwei Jahre in eine Transfergesellschaft. Auf dem riesigen Werksgelände bleibt nur ein Ersatzteillager des Autokonzerns mit insgesamt 700 Beschäftigten. Das Land Nordrhein-Westfalen will dort in den nächsten Jahren neue Gewerbebetriebe ansiedeln. Die Entwicklungsgesellschaft "Bochum Perspektive 2022" rechnet dafür zunächst mit rund 50 Millionen Euro Aufwand – verteilt über acht Jahre. Für die Region ist der Opel-Rückzug ein schwerer Schlag. Die Entscheidung sei "sehr bitter" für die direkt Betroffenen und die Stadt, hatte die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) vor kurzem gesagt. Der in der Stadt aufgewachsene Musiker Herbert Grönemeyer will seine Solidarität mit einem Konzert zeigen. "Es gibt konkrete Überlegungen, ein Konzert für die Bochumer Opelaner zu spielen oder sie alle einzuladen", sagte der 58 Jahre alte Sänger der Deutschen Presse-Agentur bei einer Musikveranstaltung in Bochum. "Es geht jetzt darum, ihnen Mut zu machen."

Hälfte der Beschäftigten wohnt in Bochum

Bochum leidet mit aktuell 9,4 Prozent Arbeitslosenquote unter überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit. Rund die Hälfte der Opel-Beschäftigten wohnt in Bochum selbst. Deshalb ist mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Bochum hatte in der Vergangenheit bereits andere schwere Schläge zu verkraften wie den Rückzug des Handyherstellers Nokia mit 2300 Beschäftigten im Jahr 2008.

Opel Karl (2015): Vorstellung

Opel Karl (2015) Opel Karl (2015) Opel Karl (2015)
Mit der Werksschließung von Opel endet ein einstiges Vorzeigeprojekt des Strukturwandels an der Ruhr. Das Werk war auf früherem Bergbaugrund errichtet worden, als im Revier das Zechensterben begann. Es beschäftigte nach der Eröffnung 1962 sofort rund 10.000 Menschen - viele davon ehemalige Kumpel. Für die jetzt ausscheidenden Mitarbeiter gibt es neben der Transfergesellschaft Abfindungen. Insgesamt kostet die Schließung des Werkes das Unternehmen nach unterschiedlichen Rechnungen von Gewerkschaft und Betriebsrat zwischen 550 und 700 Millionen Euro.

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