Opel Calibra (1990-1997)

Opel Calibra (1990-1997) Opel Calibra (1990-1997)

Opel Calibra (1990-1997)

— 25.02.2002

Darauf fliegen die Kids

Der Calibra kommt ins gesetzte Alter. Doch sein Sportgeist macht ihn zum Hit: Forever young

Rostprobleme in jungen Jahren

Sein oder nicht sein, die Frage stellt sich nicht nur Prinz Hamlet. Auch Autoliebhaber kommen beim Opel Calibra zunehmend ins Grübeln, ob so einer das Zeug zum Klassiker hat. Schon vor zwei Jahren empfahl AUTO BILD (Heft 19/97) das Coupé auf Vectra-Basis. Das hat die Fangemeinde nur vergrößert, die mittlerweile im Internet Calibra-Leckerbissen präsentiert (www.opelclub.de). Kein Wunder, dass selbst für eins der frühen 90er Modelle mehr als 10000 Mark fällig sind. Denn trotz einiger Schwächen gilt das Coupé als Hingucker, auf den nicht nur junge Trendsetter fliegen, sondern auch gesetzte Charaktere abfahren. Keine Spur vom Manta-Erben, die Rede war eher schon vom schöneren BMW-Coupé.

Die schicke Schale sitzt auch heute noch perfekt, nur darunter blühen manchmal unangenehme Überraschungen. Meist heißen sie Rost. Im AUTO BILD-Dauertest (Heft 41/92) entlarvte das Endoskop nach nur zwei Jahren die ersten Spuren in Schwellern und Längsträgern. Selbst unser garagengepflegtes Testmodell von 1996 zeigte bereits Gammel an tragenden Teilen. Prüfung der Schweller? Fehlanzeige: Von außen durch die Plastikverkleidungen ist dieser Check praktisch unmöglich.

Korrosion an der Auspuffanlage ist zwar ärgerlich, aber bei diesem Verschleißteil kaum zu ändern. Ärger gibt es da schon eher bei den angegriffenen Kühlmittelleitungen der Klimaanlage und den Bremsleitungen. Untypisch, denn Letztere gelten beim TÜV als standfest. Dafür patzen in den Hauptuntersuchungen öfter die schnell verschlissenen Bremsscheiben (beim 100.000-Kilometer-Dauertest zweimal gewechselt), wenn die Calibra-Fahrer zu viel Sportgeist beweisen. Noch schlimmer ist die Handbremse. Selten benutzt, rostet sie häufig fest und verweigert die angemessene Wirkung.

Motoren und Technik

Doch wer will mit so einem Sportcoupé schon stillstehen. Erst beim Fahren kommt Spaß ins Spiel. Muss es aber der Turbo mit 204 PS sein? Nein, denn die Kraft des Allradlers kann sogar die Reifen kosten (Heft 37/92), wie unser Nürburgring-Test bewies. Zwei Liter Hubraum gibt es auch in den anderen Vierzylindern mit 115, 136 oder 150 Pferdestärken. Dabei muss der kleinste Vierer nicht automatisch der schlechteste sein. Schließlich rennt auch er über die 200-km/h-Grenze hinweg und begnügt sich mit zehn Litern (Kauftipp Heft 30/92).

Einzige Alternative zu den Zwolitern ist der V6 mit 2,5 Liter Hubraum und 170 PS. Kein Vergleich zu den raubeinigen und lärmenden 16V-Triebwerken, die zudem öfter mit gerissenen Zahnriemen von sich reden machten. Und wenn der Turbo mit Pfeifgeräuschen ins Spiel kommt, kann es gleich noch mal so teuer werden. Bei allen Maschinen moniert der TÜV mäßigen bis heftigen Ölverlust an Ölwanne, Kopf- und Ventildeckeldichtung.

Soll oder muss noch etwas zu den Wasserpumpen gesagt werden? Jeder achte AUTO BILD-Calibra-Fahrer hatte hier Ärger, der offenbar zu Opel gehört wie der Blitz ins Emblem. So viel Funkenschlag wünscht sich dafür mancher lieber bei der Elektrik, die, gelinde gesagt, als zickig gilt. Entladene Batterien und defekte Lichtmaschinen sind die versteckte Seite des Problems. Offenkundiger sind da schon streikende Zentralverriegelungen oder Fensterheber, verschmorte Sicherungen der Rückfahrscheinwerfer und blinkende ABS-Anzeigen (wegen Korrosion an den Radsensoren).

Zu den typischen Alterserscheinungen zählen auch ausgeblichene Polster und klapprige Hutablagen. Die rahmenlosen Seitenscheiben waren jedoch schon immer etwas flatterig und sind nicht ganz unschuldig an der Windgeräuschentwicklung. Ohne Kritik: die Sportsitze vorn, der familientauglich geschnittene Fond, der mit 300 Litern akzeptable Kofferraum (allerdings mit hoher Ladekante). Als Sportcoupé ist der Calibra straff, aber nicht übertrieben hart ausgelegt. Er liegt brav in der Kurve und mahnt junge Heißsporne mit sanftem Untersteuern, vom Gas zu gehen. Satte 20000 Mark und mehr wollen Händler für die letzten Modelle, meist mehr als der Listenpreis. Trotz stabiler Kurse ist der Calibra ein attraktives Einsteiger-Auto, mit akzeptablen Unterhaltskosten bei 115 PS. Aber weil es sich immer stärker zum Klassiker entwickelt, hat es auch schon alte Freunde.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 8/90 Neueinführung des Sportcoupés in Keilform auf Vectra-Basis. Motoren mit G-Kat: 2.0i (115 PS) und 2.0i 16V (150 PS). ABS serienmäßig. Allrad-Version 4x4. Grundpreis ab 34850 Mark • 3/92 Topmodell 2.0i turbo (204 PS) ab 50100 Mark • 10/92 Sondermodell "Color Selection I" mit Sportgetriebe • 8/93 Doppel-Airbag serienmäßig. Neuer Motor: 2.5i V6 (170 PS) • 3/94 Motorvariante 2.0i 16V mit 136 PS • 11/94 Wegfahrsperre serienmäßig • 1/97 "Last Edition" (Klima, Leder) - letztes von 15 Sondermodellen • 6/97 Produktionsende.

Schwachstellen Auspuff im Rostangriff - der TÜV registriert überdurchschnittlich oft kaputte Schalldämpfer ab dem siebten Lebensjahr. • Bremsscheiben sind ebenfalls oft stark verschlissen, was an forscher Fahrweise liegen kann. Mehr Ärger haben TÜV und AUTO BILD-Lesertester mit der Handbremse, die auch bei jungen Modellen festgammelt. • Ölverlust an Motor und Getriebe sind so typisch wie beim Vectra A. Auch Kopf- und Ventildeckeldichtung werden mit der Zeit anfällig. • Elektrik ärgert Calibra-Fahrer: Pannen gibt es mit Zentralverriegelung, Fensterhebern, Lichtmaschine, Batterie und ABS-Anzeige. • Wasserpumpe ist die Opel-Krankheit - kein anderes Ersatzteil wurde von AUTO BILD-Lesertestern häufiger als Pannenursache genannt.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Opel Calibra 2.0i 16V, 100 kW, Bj. 1995. Zivile Preise, weil das meiste vom Vectra A abstammt. Nur Karosserieteile und die lackierten Stoßfänger (vorn 1400 Mark!) gehen ins Geld.

Fazit und Urteil

Fazit "Im Calibra steckt die Großserientechnik vom Vectra A. Das macht Reparaturen zwar günstig, doch leider treten auch die gleichen Schwächen auf. Vor allem und immer wieder - die Wasserpumpe hält nie lange. Typisch sind ebenso lecke Dichtungen an Zylinderkopf und Ölwanne. Bei der Elektrik streiken vor allem Lichtmaschine und Batterie gerne mal. Dagegen sind schnell verblichene Sitzbezüge nur ein Schönheitsfehler. Der bessere Motor ist natürlich der Sechszylinder mit mehr Laufkultur als der raue 150-PS-16V. Generell sind die kleinen Vierzylinder bis 136 PS schon sportlich. Der große Bruder mit 204 PS liefert zwar richtig Dampf, doch der Turbo ist anfällig - und teuer." Kfz-Meister Thomas Knaak, Hamburg

AUTO BILD-Urteil: empfehlenswert.

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