Opel Calibra Turbo 4x4

Opel Calibra Turbo 4x4

— 09.06.2009

Ein Opel für die linke Spur

245 km/h in einem Großserien-Opel – und Allrad ist auch an Bord. Warum hat den Calibra Turbo 4x4 eigentlich keiner mehr auf der Rechnung? So was fehlt uns heute – Calibra B, wo bist du?

Als eine blutjunge Steffi Graf auf der IAA vor 20 Jahren den Calibra enthüllte, war alles klar: Da ist er, der Manta C, nach klassischer Machart geplant und gebaut. Schicke Schale über solider Technik, 2+2 Sitzplätze, anständig motorisiert und volksnah ausgepreist. Ein Coupé, wie es von Opel erwartet wurde. Heute stehen wir dem Calibra ein wenig unentschlossen gegenüber – auch wenn ihn die Alt-Opel-Fraktion längst in den Kreis der schützenswerten Modelle aufgenommen hat. Ja doch: Er kam, als bei Opel das Ende der Zuverlässigkeit anbrach. Husch, husch und billige Materialien hinterließen auch beim Calibra erste Spuren. Außerdem klang der Name immer nach Herrendeo vom Discounter. Andererseits: Der Calibra entstand zu einer Zeit, als Opel sich was traute.

Als Manta-Erbe blieb der Calibra ohne Nachfolger

Verschwenderisch: quer eingebauter Zweilitermotor mit Vierventil-Zylinderkopf.

Den Volks-Sportler gab es in vielen Spielarten, nicht nur als Turbo, sondern auch als gediegenen V6. So ging er als letztes erfolgreiches Opel-Coupé in die Geschichte ein. Seine Fans warten noch immer auf Ersatz – schon deshalb kann man ihn mögen. Wem das trotz allem schwerfällt, der sollte sich einen der äußerlich unauffälligen Calibra Turbo 4x4 anschauen: Was harmlos nach Zweiliter-Ecotec und 115 PS aussieht, ist ein Understatement-Sportwagen – ungewöhnlich beim dynamischen Aushängeschild einer nicht immer dezent auftretenden Marke. Aber hier ging Opel subtil vor, gedeckte Farben waren erste Wahl. Ein kleines Turbo-Schildchen klebt am Heck, je ein "4x4" an den Türen. Sonst ist der Top-Calibra nur am Doppelrohr-Auspuff und an den 16-Zöllern zu erkennen, in denen die Bremse des dicken Senator B steckt. 204 PS müssen eingefangen werden, die Spitze von 245 km/h und die Beschleunigung von weniger als sieben Sekunden bezeichnete Opels oberster Entwickler Fritz Indra als eher untertrieben.

So ein Calibra B fehlt uns heute

Der starke Calibra ist im guten wie im schlechten Sinne ein typischer Opel seiner Zeit.

Besonders gut gehende Calibra knacken die 250er-Grenze. Ein neu entwickeltes Sechsganggetriebe von Getrag war ab Werk an Bord, den Allradantrieb mit Visco-Kupplung gab es schon vorher in Vectra A und Normal-Calibra. Leider entpuppte sich das Verteilergetriebe als Sollbruchstelle des Calibra Turbo 4x4, der später als Organspender für wilde Tuning-Mutationen herhalten musste. Neben der Form aus der Feder des Opel-GT-Designers Erhard Schnell war der Motor das stärkste Calibra-Argument. Aus dem 16V-Zweiliter mit 150 PS war ein Hightech-Turboaggregat mit Ladeluftkühlung und Ladedruckregelung geworden. Als erster Hersteller pflanzte Opel den Lader in den Auspuffkrümmer, das sparte Gewicht und plättete das traditionelle Turboloch. Mit Kassettenradio, Alurädern und ABS war der Calibra Turbo 4x4 auch noch prächtig ausgestattet. Blitz am Bug, aber nicht nach rechts müssen, wenn von hinten ein Porsche kommt – so was fehlt uns heute. Calibra B, wo bist du?
Technische Daten Opel Calibra Turbo 4x4
Motor Dohc-Vierzylinder, Reihe
Hubraum 1998 cm³
Leistung 204 PS bei 5600 U/min
max. Drehmoment 280 Nm bei 2400 U/min
Getriebe 6-Gang-Schalt
Antrieb Allrad mit variabler Drehmomentverteilung durch Visco-Zwischendifferenzial
Länge/Breite/Höhe 4492/1688/1320 mm
Leergewicht 1375 kg
Reifen 205/50 ZR 16
Bremsen Scheibenbremsen rundum
Aufhängung Einzelrad an Querlenkern vorn, an Schräglenkern hinten
Spitze 245 km/h
0–100 km/h in 6,8 s
Verbrauch: 8,9 l S/100 km
Neupreis 1992 49.800 Mark

Historie

Der Calibra wird auf der IAA 1989 vorgestellt und kommt im Juni 1990 in den Handel. Im Gegensatz zum Vorgänger Manta B verfügt der Aerodynamik-Weltmeister Calibra (cW-Wert 0,26) über quer eingebaute Vierzylinder-Motoren (115 bis 204 PS) und Frontantrieb. Das bisherige Topmodell Calibra 4x4 wird 1992 vom Calibra Turbo 4x4 abgelöst. 1996 endet die Produktion des Turbo 4x4, 1997 läuft die Calibra-Baureihe ersatzlos aus. Gesamtstückzahl: 238.647 (inkl. 12.677 Turbo 4x4).

Plus/Minus

Der starke Calibra ist im guten wie im schlechten Sinne ein typischer Opel seiner Zeit. Aufgrund der konstruktiven Nähe zum populären Vectra A ist die Versorgung mit Ersatzteilen kein Problem, allerdings hat das Coupé auch vielerlei Schwächen von der Limousine übernommen – nachlässige Detailverarbeitung, Rost und unansehnlich alternde Materialien im Innenraum gehören dazu. Als exotischer High-End-Technologieträger innerhalb der Calibra-Baureihe bietet ein gehegter Turbo 4x4 heute jedoch viel Leistung und geballte Ingenieurkunst für wenig Geld. Dem gegenüber stehen ein schmales Angebot und die labile Allradtechnik.

Ersatzteile

Die Ersatzteilsituation für den Opel Calibra lässt im Grunde genommen keine Wünsche offen. Vertragshändler, Zubehörhandel und Internet sind bestens sortiert, dank des Opel-Baukastens passen viele Technikteile auch von anderen Modellen. Selten und teuer sind hingegen die modellspezifischen Turbo- und Allrad-Teile. Ein Verteilergetriebe, die ultimative Schwachstelle des Vierradantriebs, kostet neu rund 6000 Euro.

Marktlage

Ja, es gibt noch reichlich Calibra Turbo 4x4. Nein, original sind keine zehn Prozent der angebotenen Fahrzeuge, selbst wenn sie auf den ersten Blick so aussehen. Denn kaum ein Calibra blieb unfrisiert – Chiptuning, Innenraum-Umbauten und Fahrwerkänderungen sind fast immer dabei. Taucht doch einmal ein unbehandelter Turbo 4x4 auf, steht er dennoch eine Weile. Die Klassiker-Klientel hat den Ober-Calibra noch nicht auf der Rechnung. Deshalb kosten auch sehr gute Stücke kaum mehr als 6000 Euro.

Empfehlung

Selbst ein hochgezüchteter Calibra Turbo 4x4 trägt die Gene des Volkssportlers in sich. Anspruchsvolle Technik und viel Leistung paaren sich mit einem geringen Neid-Faktor und reisetauglichen Platzverhältnissen. Da ist der Helden-Status programmiert. Lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen, länger suchen und den optimalen Wagen mit wenig Vorbesitzern kaufen. Dann fahren, genießen und abwarten – billiger wird dieser Typ nicht.

Autor: Jan-Henrik Muche

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