Opel-Chef Reilly im Interview

Opel-Chef Nick Reilly im Interview Opel-Chef Nick Reilly im Interview

Opel-Chef Nick Reilly im Interview

— 16.04.2010

"Man wird von Opel hören!"

Nick Reilly, Opel-Chef und Präsident von GM Europe, über Fehler der Vergangenheit, den neuen Kleinwagen unterhalb des Corsa und die Chancen für eine Langzeitgarantie.

AUTO BILD: Sie haben sich in den vergangenen Wochen sehr positiv über Opel geäußert und sprachen von hervorragenden Produkten, tollen Mitarbeitern und generell einer großartigen Marke. Aber wenn alles so super ist – warum hat Opel dann überhaupt Probleme? Nick Reilly: Das größte Problem war bisher unsere Kostenstruktur, wir haben nicht schnell genug auf den gestiegenen Kostendruck reagiert. Auf der anderen Seite haben wir nicht genug Geld verdient, um so umfassend in die Produkte zu investieren, wie wir das gerne getan hätten. Das war besonders zu dem Zeitpunkt schwierig, als der Markt zusammenbrach. Zudem hatten wir zuletzt in Deutschland ein Problem mit dem Image von Opel.

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Raus aus den Negativ-Schlagzeilen, rein in die Produktoffensive - das wünscht sich Opel-Chef Reilly.

Was genau ist das Problem mit dem Image?
In den vergangenen Monaten waren die Schlagzeilen dominiert von den Verkaufsverhandlungen und darüber, dass die Regierung irritiert war – und zwar nicht nur über die abschließende Entscheidung von GM an sich, sondern auch über die Art und Weise, wie sie kommuniziert worden war. Dazu kamen die finanziellen Probleme unserer Muttergesellschaft. Wir haben da viele Schlagzeilen bekommen, auf die wir gerne verzichtet hätten. Wir kommen Sie aus der Nummer jetzt wieder raus? Über unsere Produkte. In den nächsten zwei Jahren werden wir mit hohem Druck neue Autos auf den Markt bringen, die es bisher noch nicht in unserer Produktpalette gibt. Auf der Konzernseite bin ich sehr zuversichtlich, dass unsere Verhandlungen mit den Arbeitnehmern und den Regierungen über die Sanierung erfolgreich sein werden. Damit liegt der Schwerpunkt wieder stärker auf unseren Produkten.

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Eines dieser neuen Produkte soll der Kleinstwagen unterhalb des Corsa sein. Ein Segment, in dem man nur sehr schwer Geld verdient. Warum sollten Sie das schaffen? Weil ich auch in der Vergangenheit schon mit Kleinwagen Geld verdient habe! Wir haben im globalen Wettbewerb gelernt, wie man Kleinwagen gestaltet, baut und verkauft. Die gesamte Kostenkette von der Entwicklung bis zum Vertrieb muss sich ändern, damit man auch mit einem kleineren Auto Gewinn erzielen kann. Nicht alle Wettbewerber im Markt haben diese Erfahrung. Dennoch: Was macht Sie so zuversichtlich, dass sich der Kleinstwagen rechnet? Es gibt ein Segment relativ wohlhabender und oftmals junger Menschen, für die die schiere Größe eines Autos nichts mehr über seinen Wert als Statussymbol aussagt. Sie wollen ein gut aussehendes Auto, aber sie sind auch an Technologie- und Umweltthemen wie CO2-Ausstoß oder Features wie zum Beispiel einem iPod-Anschluss interessiert. Dieses Segment hat großes Potential – und darin gibt es nicht besonders viele erfolgreiche Wettbewerber. Deshalb arbeiten wir intensiv an diesem Projekt.

"Preis wie beim Corsa"

Was wird es kosten? Das kann ich noch nicht verraten. Aber sprechen wir eher über einen Audi-A1-Gegner so um 16 .000 Euro – oder über eine Klasse darunter? Noch einmal, ich werde ihnen nicht keine Einzelheiten nennen. Aber der Preis wird der Positionierung der Marke Opel im Vergleich zu Herstellern wie Audi, BMW, Fiat und anderen entsprechen. Eine wichtige Frage ist: Wird er teurer oder günstiger als ein Corsa? Momentan ist es noch viel zu früh für eine Preisdiskussion. Was ich sagen kann: Er wird nicht günstiger sein als der günstigste Corsa und nicht teurer als der teuerste. Sprechen wir über einen Viersitzer? Im Moment planen wir einen Viersitzer, es könnte aber auch ein Fünfsitzer werden. Basiert es auf einem Auto, das es im Konzern bereits gibt? Wir wollen das Fahrzeug ja bereits 2012/2013 auf den Markt bringen. Daran lässt sich vielleicht erahnen, dass wir nicht mit einem weißen Blatt Papier angefangen haben. Eines steht aber auf jeden Fall fest: Das Auto wird in Deutschland entwickelt und in Europa produziert werden.

"Wir werden im Innenraum Maßstäbe setzen"

Wie wird es angetrieben werden? Bei dem Auto bietet sich eine Elektroversion geradezu an. Bei rein elektrischen Antrieben wird es umso einfacher, je kleiner das Auto ist, weil man nicht so eine riesige Batterie wie bei größeren Autos mit höherer Reichweite braucht. Vielleicht kommt der Elektroantrieb nicht am Anfang – aber so schnell wie möglich. Ist das Design schon verabschiedet? So gut wie, in den nächsten sechs bis acht Wochen wird es stehen. Das Fahrzeug wird sehr hochwertig gestaltet sein. Kommt zuerst ein Dreitürer und anschließend ein Fünftürer wie beim Audi A1? Ja. Aber ich habe Ihnen schon viel zu viele Geheimnisse verraten.  Kann man in dem Auto hinten auch als Erwachsener sitzen? In der Tat. Wir glauben, dass wir bei im Innenraum Maßstäbe setzen werden. Und wie viel kleiner als ein Corsa wird es sein? Es wird sicher kürzer sein als ein Corsa. Wird das Auto ein Start-Stopp-System bekommen? Ja, wird es. Start-Stopp kommt zur Markteinführung oder kurz danach. Kommen sowohl Drei- als auch Vierzylindermotoren? Langfristig auf jeden Fall, wobei wir im Moment bei Vierzylindern noch besser aufgestellt sind. Sie gehen nicht auf Zweizylinder? Das ist nicht geplant.

"Hätte gern ein Auto oberhalb des Insignia"

Reilly: Ein Kleinstwagen mit E-Antrieb wird kommen, Cabrio und Coupé sind Pflicht in der Produktpalette.

In Deutschland haben emotionale Autos wie der Calibra großen Erfolg gehabt. Viele Fans fragen nach einer Neuauflage. Gibt es eine Chance für so ein Auto?
Während der Krise lag unsere Priorität auf Kernprodukten wie Astra, Insignia oder Meriva. Wir brauchen aber auf jeden Fall weiterhin ein Cabrio und wieder ein Coupé in der Produktpalette. Planen Sie ein Auto in der Oberklasse? Ich hätte sicher gern ein Auto oberhalb des Insignia. Wir glauben aber, dass andere Segmente wie das Elektroauto erstmal eine höhere Priorität haben. Wenn wir uns wirtschaftlich erholt haben, können wir über weitere Produkte nachdenken.

Wann kommen die ersten Elektroautos auf den Markt? Wir werden den Ampera ab Mitte/Ende 2011 vermarkten. Wird das Auto in Europa produziert? Die Entwicklung findet zwar in Deutschland statt, aber die ersten Modelle werden in den USA hergestellt werden. Eine Produktion in Europa wollen wir danach so schnell wie möglich aufbauen.  Lohnt sich das denn für so ein Randgruppen-Auto wie den Ampera? Da muss ich Ihnen widersprechen. Wir registrieren ein großes Interesse von  Flottenbetreibern und Regierungen, die besonders von der verlängerten Reichweite begeistert sind. Die Kosten werden weiter sinken, und viele Regierungen haben auch schon steuerliche Förderungen beschlossen. Es gibt sogar schon eine komplette Stadt außerhalb Europas, die dieses Auto kaufen will. Dort soll ein Haus zusammen mit diesem Auto verkauft werden. Wir reden da über 6000 Fahrzeuge! Fordern Sie auch von der deutschen Regierung Kaufanreize für E-Autos? Viele andere Länder machen das bereits. Gerade Deutschland sollte ein besonderes Interesse daran haben, seine Autoindustrie wettbewerbsfähig zu halten.

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Opel-Chef Reilly nahm sich mehr als eine Stunde Zeit, in der großen AUTO BILD-Konferenz Rede und Antwort zu stehen.

Apropos Subventionen: Warum sind sie so zuversichtlich, dass Sie für die Opel-Sanierung Staatshilfen bekommen? Und was machen Sie, wenn das nicht klappen sollte?
Erstens denke ich schon, dass wir Unterstützung vom Staat erhalten werden, da auch viele alle andere Unternehmen auf der ganzen Welt Hilfe bekommen haben und die EU zum Beispiel genau zu diesem Zweck Hilfsprogramme eingerichtet hat. Im vergangenen Jahr wurden der Automobilindustrie in Europa so 8,7 Milliarden Euros zur Verfügung gestellt – kein Cent davon ging an Opel. Und davon abgesehen: Wir wollen ja kein Geld vom Staat, sondern von den Banken. Was wir dafür brauchen, sind staatliche Bürgschaften. Wie können Sie garantieren, dass das Geld nicht bei GM in den USA versickert? Unsere Systeme sind transparent, und wir haben der Regierung angeboten, umfassende Einsicht in unser Zahlenwerk zu nehmen. Außerdem hat unser Mutterkonzern gerade angekündigt, sich mit 1,9 Milliarden Euro an der Sanierung zu beteiligen. Warum sollte GM einerseits Geld aus den USA nach Europa transferieren, um es auf der anderen Seite wieder zurückzuholen?

Auch die Arbeitnehmer sollen sich an der Sanierung beteiligen. Wie weit sind die Verhandlungen? Wir haben sehr viele Fortschritte erzielt, aber das Puzzle ist noch nicht ganz fertig. Zum Beispiel geht es noch darum, wie eventuelle Beiträge der Mitarbeiter abgesichert werden können. Wir haben immer noch den Werbespruch "Opel, der Zuverlässige" vor Augen. Müssen Sie da nicht wieder hin, zum Beispiel durch eine Siebenjahres-Garantie? Wir brauchen in der Tat eine erfolgreiche Markeninitiative. Langfristgarantien sind eine von mehreren Möglichkeiten. Erfahrungsgemäß zahlt sich solch eine Maßnahme aber eher für kleinere, unbekanntere Hersteller aus. Wir haben noch eine Menge weiterer Ideen – ich will aber noch nicht zu viel versprechen. Auf jeden Fall wird man von Opel hören.

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