Opel-Chef Stracke zurückgetreten

Opel-Chef Stracke zurückgetreten

— 12.07.2012

Opel-Chef nimmt seinen Hut

Karl-Friedrich Stracke ist von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. GM-Vize Stephen Girsky übernimmt kommissarisch.

(dpa) Opel wechselt zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren den Chef aus. Überraschend trat Karl-Friedrich Stracke von dem Posten zurück, den er erst im April 2011 übernommen hatte. Die Geschäfte der Opel-Mutter General Motors (GM) in Europa mit den Hauptmarken Opel/Vauxhall soll kommissarisch der GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky führen, wie die Adam Opel AG am am 13. Juli 2012 in Rüsselsheim mitteilte.

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GM-Vize Stephen Girsky wird die GM-Geschäfte in Europa kommissarisch leiten.

Die Suche nach einem Nachfolger für Stracke habe bereits begonnen. "Der Opel-Aufsichtsrat wird in Kürze einberufen, um einen kommissarischen Opel-Vorstandsvorsitzenden zu benennen", erklärte der Autobauer. Mit einer Entscheidung ist dem Vernehmen nach in wenigen Tagen zu rechnen. Girsky ist der fünfte Manager innerhalb der vergangenen zehn Jahre, der Opel führt. Die "Allgemeine Zeitung Mainz" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichteten in ihren Online-Ausgaben, Opel-Strategievorstand Thomas Sedran würden die besten Chancen auf die Nachfolge eingeräumt.

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Hat laut Medienberichten gute Chancen auf den Chefposten: Opel-Strategievorstand Thomas Sedran.

Der aus Nordhessen stammende Ingenieur Stracke war am 11. April 2011 als Nachfolger von Nick Reilly an die Spitze von Opel gerückt, um den defizitären Autobauer zurück in die Gewinnzone zu führen. Dieses Ziel wurde klar verfehlt. Zudem leidet der Autobauer besonders stark unter der Krise im Euroraum: Der Absatz sank zuletzt kräftig.

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Gründe für den Chefwechsel nannte das Unternehmen nicht. Stracke (56), der auch den Posten als Präsident von GM Europe abgab, werde Sonderaufgaben für den Autokonzern übernehmen. Worum es dabei genau geht, blieb offen. Stracke soll künftig direkt an GM-Chef Dan Akerson berichten. Stracke war erst im Januar 2012 zum Präsidenten des GM-Europageschäfts ernannt worden.

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Opel ist nach Ansicht von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an sämtliche Verträge und Zusagen gebunden. Stracke habe ihm im Mai 2012 zugesichert, dass der Traditionsstandort Rüsselsheim in seiner jetzigen Form erhalten bleibe, erklärte der CDU-Politiker in Wiesbaden. Außerdem habe Stracke zugesagt, dass die Produktion des Opel Astra in Rüsselsheim bis Ende 2014 sicher sei.

Die Chronologie der Opel-Krise

2001

Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten „Restrukturierungsprogramm Olympia“ die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.

Die Chronologie der Opel-Krise 1 von 13
Die nordrhein-westfälische Landesregierung, die derzeit mit dem Autobauer über die Zukunft des Bochumer Opel-Werkes verhandelt, reagierte irritiert. "Was Opel am Dringendsten braucht, ist Vertrauen. Solche überraschenden Personalwechsel tragen nicht dazu bei", sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) der "Rheinischen Post" (13. Juli 2012). Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel wertete den Weggang Strackes als "alarmierendes Signal für Opel in Hessen und Europa". Die Stadt Rüsselsheim zeigte sich von dem Rücktritt überrascht.

Kommissarischer Lenker: Stephen Girsky im Porträt

"Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt", ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Mit Girskys Benennung zum Präsidenten von GM Europe zeige der Autoriese aus Detroit, "dass das Europageschäft ein Eckpfeiler des Konzerns ist". Es gelte nun, den Sanierungskurs bei Opel "im gegenseitigen Vertrauen fortzusetzen", erklärte Schäfer-Klug.

Die Opel-Werke im Überblick

Deutschland: Bochum

In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.

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Ende Juni 2012 hatte der seit Jahren ums Überleben kämpfende Traditionshersteller mit seinen deutschen Werken in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern erneut ein Sanierungskonzept vorgelegt. Von Werksschließungen oder Stellenabbau ist darin keine Rede mehr. Stattdessen sollen teure Überkapazität abgebaut werden, indem Modelle wie der kleine SUV Mokka, der Antara oder der Agila nicht mehr in Korea, sondern in Europa vom Band rollen. Der Plan greift zudem bereits angekündigte Investitionen in die Produktpalette von Opel/Vauxhall auf. Geplant sind zum Beispiel 23 neue Modelle in den kommenden vier Jahren. Unter anderem soll ab 2013 der Kleinstwagen Adam bei den Händlern zu haben sein. Am Tag vor Strackes Rückzug veröffentlichte die BILD-Zeitung ein Interview mit dem Manager. Stracke räumte darin ein, Opel müsse "noch viel tun, um wettbewerbsfähiger zu werden". Die Konzernmutter GM sei "zu Recht ungeduldig mit uns".

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