Vorschau: Retten diese Modelle Opel?

Opel-Chef Stracke zurückgetreten

Opel-Chef nimmt seinen Hut

Karl-Friedrich Stracke ist von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. GM-Vize Stephen Girsky übernimmt kommissarisch.
(dpa) Opel wechselt zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren den Chef aus. Überraschend trat Karl-Friedrich Stracke von dem Posten zurück, den er erst im April 2011 übernommen hatte. Die Geschäfte der Opel-Mutter General Motors (GM) in Europa mit den Hauptmarken Opel/Vauxhall soll kommissarisch der GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky führen, wie die Adam Opel AG am am 13. Juli 2012 in Rüsselsheim mitteilte.

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GM-Vize Stephen Girsky wird die GM-Geschäfte in Europa kommissarisch leiten.

Die Suche nach einem Nachfolger für Stracke habe bereits begonnen. "Der Opel-Aufsichtsrat wird in Kürze einberufen, um einen kommissarischen Opel-Vorstandsvorsitzenden zu benennen", erklärte der Autobauer. Mit einer Entscheidung ist dem Vernehmen nach in wenigen Tagen zu rechnen. Girsky ist der fünfte Manager innerhalb der vergangenen zehn Jahre, der Opel führt. Die "Allgemeine Zeitung Mainz" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichteten in ihren Online-Ausgaben, Opel-Strategievorstand Thomas Sedran würden die besten Chancen auf die Nachfolge eingeräumt.

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Hat laut Medienberichten gute Chancen auf den Chefposten: Opel-Strategievorstand Thomas Sedran.

Der aus Nordhessen stammende Ingenieur Stracke war am 11. April 2011 als Nachfolger von Nick Reilly an die Spitze von Opel gerückt, um den defizitären Autobauer zurück in die Gewinnzone zu führen. Dieses Ziel wurde klar verfehlt. Zudem leidet der Autobauer besonders stark unter der Krise im Euroraum: Der Absatz sank zuletzt kräftig.

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Gründe für den Chefwechsel nannte das Unternehmen nicht. Stracke (56), der auch den Posten als Präsident von GM Europe abgab, werde Sonderaufgaben für den Autokonzern übernehmen. Worum es dabei genau geht, blieb offen. Stracke soll künftig direkt an GM-Chef Dan Akerson berichten. Stracke war erst im Januar 2012 zum Präsidenten des GM-Europageschäfts ernannt worden.

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Opel ist nach Ansicht von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an sämtliche Verträge und Zusagen gebunden. Stracke habe ihm im Mai 2012 zugesichert, dass der Traditionsstandort Rüsselsheim in seiner jetzigen Form erhalten bleibe, erklärte der CDU-Politiker in Wiesbaden. Außerdem habe Stracke zugesagt, dass die Produktion des Opel Astra in Rüsselsheim bis Ende 2014 sicher sei.

Die Chronologie der Opel-Krise

2001

Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten „Restrukturierungsprogramm Olympia“ die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.

2004

GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht – davon bis zu 10.000 in Deutschland.

2005

Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen „Zukunftsvertrag“, der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.

2008

Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.

2009

Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.

2010

Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48 000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.

2011

Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.

16. Februar 2012

General Motors gibt in seinem Europageschäft - das in erster Linie aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall besteht - für 2011 operativ 747 Millionen Dollar (573 Mio Euro) Verlust bekannt. Dagegen fuhr GM unterm Strich 7,6 Milliarden Dollar Gewinn ein.

3. Mai 2012

Opel kommt einfach nicht vom Fleck. Im ersten Quartal liegt der Verlust von GM in Europa operativ bei 256 Millionen Dollar oder umgerechnet 195 Millionen Euro.

17. Mai 2012

Opel gibt bekannt, dass das Stammwerk Rüsselsheim die Produktion des mit Abstand wichtigsten Modells Astra verliert. Das Modell soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gebaut werden.

13. Juni 2012

Gnadenfrist für die Opelaner in Bochum, aber keine Rettung: Das Werk in Bochum soll zumindest so lange erhalten bleiben, bis die aktuelle Zafira-Fertigung dort Ende 2016 ausläuft, teilen die Adam Opel AG, der Betriebsrat und die IG Metall mit.

28. Juni 2012

Der Opel-Aufsichtsrat billigt einen entschärften Sanierungsplan. Teure Überkapazität soll abgebaut werden, indem Modelle wie der kleine SUV Mokka, der Antara oder der Agila nicht mehr in Korea, sondern in Europa vom Band rollen. Zudem soll in die Produktpalette von Opel/Vauxhall investiert werden. Geplant sind zum Beispiel 23 neue Modelle in den kommenden vier Jahren. Unter anderem soll ab 2013 der Kleinstwagen Adam bei den Händlern zu haben sein.

12. Juli 2012

Zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren wechselt GM bei Opel den Chef aus. Überraschend tritt Karl-Friedrich Stracke zurück. Die Geschäfte soll kommissarisch der GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky führen.
Die nordrhein-westfälische Landesregierung, die derzeit mit dem Autobauer über die Zukunft des Bochumer Opel-Werkes verhandelt, reagierte irritiert. "Was Opel am Dringendsten braucht, ist Vertrauen. Solche überraschenden Personalwechsel tragen nicht dazu bei", sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) der "Rheinischen Post" (13. Juli 2012). Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel wertete den Weggang Strackes als "alarmierendes Signal für Opel in Hessen und Europa". Die Stadt Rüsselsheim zeigte sich von dem Rücktritt überrascht.

Kommissarischer Lenker: Stephen Girsky im Porträt

"Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt", ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Mit Girskys Benennung zum Präsidenten von GM Europe zeige der Autoriese aus Detroit, "dass das Europageschäft ein Eckpfeiler des Konzerns ist". Es gelte nun, den Sanierungskurs bei Opel "im gegenseitigen Vertrauen fortzusetzen", erklärte Schäfer-Klug.

Die Opel-Werke im Überblick

Deutschland: Bochum

In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.

Deutschland: Eisenach

In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.

Deutschland: Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.

Deutschland: Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Polen: Gleiwitz

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.

Spanien: Saragossa

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.

England: Ellesmere Port

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.

England: Luton

In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Weitere Standorte

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthard (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture ...

Weitere Standorte

... in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.
Ende Juni 2012 hatte der seit Jahren ums Überleben kämpfende Traditionshersteller mit seinen deutschen Werken in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern erneut ein Sanierungskonzept vorgelegt. Von Werksschließungen oder Stellenabbau ist darin keine Rede mehr. Stattdessen sollen teure Überkapazität abgebaut werden, indem Modelle wie der kleine SUV Mokka, der Antara oder der Agila nicht mehr in Korea, sondern in Europa vom Band rollen. Der Plan greift zudem bereits angekündigte Investitionen in die Produktpalette von Opel/Vauxhall auf. Geplant sind zum Beispiel 23 neue Modelle in den kommenden vier Jahren. Unter anderem soll ab 2013 der Kleinstwagen Adam bei den Händlern zu haben sein. Am Tag vor Strackes Rückzug veröffentlichte die BILD-Zeitung ein Interview mit dem Manager. Stracke räumte darin ein, Opel müsse "noch viel tun, um wettbewerbsfähiger zu werden". Die Konzernmutter GM sei "zu Recht ungeduldig mit uns".

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