Opel Combo Tour gegen Citroën Berlingo

Opel Combo Tour gegen Citroën Berlingo Opel Combo Tour gegen Citroën Berlingo

Opel Combo Tour gegen Citroën Berlingo

— 13.12.2002

Autos nicht nur für den Weihnachtsmann

Zuwachs bei den Vielzweckautos: Mit dem Combo Tour greift Opel den Citroën Berlingo an.

Fröhlich französisch oder deftig deutsch?

Bald ist Bescherung. Aber wohin mit den Geschenken? Citroën und Opel bieten neue Lösungen, die nicht nur Weihnachtsmänner begeistern. Berlingo und Combo wurden pünktlich zum Fest grunderneuert. Knecht Ruprecht hat die Qual der Wahl – fröhlich französisch oder deftig deutsch?

Bei Opel verwandelt sich der Handwerksgehilfe in einen vollwertigen Pkw. Der Combo in Tour-Ausstattung ist ein Fünfsitzer mit zwei Schiebetüren und großem Stauraum. Bis zur A-Säule macht er auf Corsa. Dahinter folgen ein Hochdach und zwei große Schiebetüren.

Zugegeben, seine Optik ist gewöhnungsbedürftig. Dafür sammelt er beim Innenraum viele Pluspunkte: Platzangebot und Komfort auf den Rücksitzen sind besser als beim Citroën.

Citroën setzt auf mehr Sicherheit

Der Berlingo Tonic gefällt sich eher in der Rolle des Schönlings. Seine bullige Front mit Klarglasscheinwerfern trägt er neuerdings SUV-artig vor sich her. Das sieht gut aus, ist aber dem Fußgängerschutz nicht zuträglich. Dafür reisen wenigstens die Insassen sicherer als im Vorgängermodell. Neben dem verbesserten Crashverhalten sind jetzt Seitenairbags serienmäßig.

Im Vergleich zum Combo besteigt der Weihnachtsmann den Berlingo-Fond wie einen Schornstein: durch ein enges, kantiges Loch. Hoher Boden und das knappe Knickmaß machen bequemes Reisen für große Personen schwierig. Zumal Klapptabletts an den Rücksitzlehnen die Beinfreiheit einschränken.

Sicherlich eine gut gemeinte Idee, aber keiner wird auf den glatten Kunststoffflächen etwas abstellen. Liegen dort etwa ein paar Stücke Spekulatius, fällt das Gebäck in der nächsten Kurve auf den Boden und krümelt die beiden Ablagefächer voll. Die sind ideal als Versteck für festlich verpackten Schmuck.

Stauräume in Hülle und Fülle

Natürlich lässt sich dort auch prima Spielzeug unterbringen. Überhaupt begeistert der Berlingo mit vielen Ablagemöglichkeiten. Ob in den Türen, unterm Dach oder Beifahrersitz, ob im Gepäckraum oder auf dem Armaturenbrett: Im Citroën gibt es Stauräume in Hülle und Fülle.

Praktisch ist auch die Modubox im Kofferraum. Sie ist nichts anderes als ein moderner Hackenporsche aus Kunststoff – ein Rollwägelchen für Christbaumschmuck und Festtagsbraten. Denn ordentlich was wegstecken kann der Berlingo – wenn es sein muss, bis zu 525 Kilo. Mit diesem Platzangebot kann der Weihnachtsmann neben schweren Geschenken sogar eine sperrige Tanne transportieren. Nur sollte er dann vorsichtig unterwegs sein.

Voll beladen haben nicht nur die 75 Rentiere unter der Haube ihre Mühe, den Wagen zügig nach vorn zu ziehen, denn bei starken Lenkbewegungen gleicht der Berlingo eher einer Schaukel als einem Schlitten – das Ladeabteil drängt nach außen. Hat der Kutscher jetzt die Zügel nicht stramm in der Hand, landet die Fuhre im Wald, und die Bescherung fällt aus.

Combo – agiler Geschenke-Express

Mit derartigen Sorgen muss sich der Lenker des Opel weniger plagen. Straffere Sitze, spritzigerer Motor und direktere Lenkung machen aus dem Combo einen agilen Geschenke-Express für eilige Weihnachtsmänner. Die doppelte Hecktür lässt sich spielend öffnen und schließen. Allerdings behindert sie durch den breiten Mittelsteg die Sicht nach hinten. Eine asymmetrische Variante wäre besser.

Und auch über die Ergonomie im Innenraum darf sich Opel noch Gedanken machen. Die Öffnung des großen Staufachs unter dem Dach – ideal für Landkarten und Notizbücher – liegt zu weit hinten; ein Griff hinein ist während der Fahrt unmöglich. Außerdem verkrampft der rechte Arm beim Betätigen der E-Fenster. Immerhin bietet der Combo einen Einklemmschutz. In dieser Wagenklasse gehört das unbedingt auf den Wunschzettel.

Citroën hat ihn leider ignoriert. Die Berlingo-Fenster fahren unaufhaltsam nach oben. Den Weihnachtsmann stört das nicht. Zarte Kinderhände um so mehr. Denn überwiegend dienen die zivilisierten Kastenwagen als "Schule, Fußballklub – und bring mich mal zu meinem Freund-Gefährte". Typische Mami-Autos im Kurzstreckeneinsatz also.

Technische Daten im Überblick

Komforteigenschaften sind da eher zweitrangig. Der Berlingo federt harmonischer über Querfugen und Schlaglöcher. Im Innenraum herrscht trotzdem keine stille Nacht: Es rappelt und knistert. Die Heckklappe des Testwagens erzeugte ein nerviges Schnarren selbst auf harmlosen Unebenheiten und beim Zuschlagen. Überhaupt summieren sich einige negative Kleinigkeiten beim Citroën: Das Heizungsgebläse ist laut, die Außenspiegel klein und der Kofferraumboden rutschig. Dennoch sind Berlingo wie Combo gute Alternativen zum Van oder klassischen Kombi. Sie eignen sich nicht nur für Geschenke. Sie sind selbst welche.

Kosten und Ausstattungen

Citroën verkauft seinen Berlingo als limitiertes und gut ausgestattetes Sondermodell Tonic und wirbt mit einem Preisvorteil von 2500 Euro gegenüber einem vergleichbaren Serienmodell. Auch der Combo Tour bietet eine umfangreiche Ausstattung. Eine Klimaanlage kostet bei ihm aber leider Aufpreis (1096 Euro).

Fazit und Wertung

Fazit Weder Berlingo noch Combo bekommen eine Rute. Beides sind brave Familientypen und folgen dem gleichen Konzept, nur ihre Ausprägung ist anders. Klar, der Franzose ist das gemütlichere, praktischere und hübschere Auto (nicht umsonst ist es mit 15.000 Stück pro Jahr der meistverkaufte Citroën in Deutschland), aber qualitativ ist der Berlingo das schlechtere und engere Modell. Sein Motto: Ihr Kinderlein kommet. Für sie reicht der Platz auf den Rücksitzen allemal. Erwachsene reisen dort aber beengt. Im Opel dagegen trällert der Fahrer "O du fröhliche ...", denn der Combo bringt mehr Spaß. Sein Motor ist agiler, die Fahreigenschaften dynamischer. Wer auch mal drei oder vier Erwachsene befördert, ist mit dem Opel besser beraten. Er bietet deutlich mehr Sitzkomfort, und der Laderaum hat trotzdem genug Platz.

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