Opel Corsa A (1983-1993)

Opel Corsa A Opel Corsa A

Opel Corsa A (1983-1993)

— 25.02.2002

Kein schlechter Anfang

Nachzügler haben es schwer. Opels Corsa nicht: Er kam spät und startete furios durch. Hält er die Frühform bis ins hohe Alter?

Karosserie und Antrieb

Er kam spät, aber anscheinend noch rechtzeitig: Als Opel 1982 mit dem "A"-Corsa ins Kleinwagen-Geschäft einstieg, waren VW (Polo seit 75) und Ford (Fiesta seit 76) dort schon lange feste Größen. Dennoch wurde der Späteinsteiger ein großer Erfolg. Schon nach drei Jahren waren 600.000 Stück produziert. Lob gab es damals vor allem für den Unterbodenschutz und die Hohlraumversiegelung. Aber 15 Jahre nach Markteinführung zeigt sich, was die damalige Rostvorsorge wirklich wert ist.

Korrosionsfreiheit darf heute niemand mehr ernsthaft von Opels A-Klasse erwarten. Die TÜV-Prüfer schicken im Schnitt jeden sechsten Kandidaten zurück in die Werkstatt, weil es nicht mehr ohne Schweißgerät geht. Wer also eine längere Beziehung mit dem deutschstämmigen Spanier (gebaut in Zaragoza) plant, sollte unbedingt ein nach dem 90er Facelift produziertes Exemplar wählen. Die sind deutlich haltbarer, wenn auch durchaus nicht immun – wie unser rostroter Testkandidat von 1992 zeigt.

Die robusten Vierzylinder laufen mit einem bißchen Zuwendung locker zehnmal um die Erde. Wird jedoch bei der Wartung geschlampt, kann ein übergesprungener Zahnriemen das Motorleben beenden. Denn der Gummiriemen muß sehr präzise gespannt werden. Wenn sich Prüfer nur mit einem Regenschirm unter den Corsa wagen, liegt es an der ausgeprägten Undichtigkeit von Motor und Getriebe. Das Öl quetscht sich an lahmen oder eingelaufenen Dichtringen von Kurbelwelle, Antriebsflanschen und Schaltgestänge vorbei. Die Reparaturen sind nicht billig und je nach Verschleißgrad mehr oder weniger dauerhaft.

Leider typisch für den alten Corsa: undichte Wasserpumpe und Störungen am Steuergerät der elektronischen Zündung. Doch Ehre, wem Ehre gebührt: Opels Corsa war 1985 der erste deutsche Kleinwagen, der mit einem geregelten Katalysator ausgerüstet war und schon damals die ab Oktober 90 europaweit geltenden Abgasnormen erfüllte.

Innenraum und Fahrwerk

Hier sind Beschwerden fehl am Platz, denn der Corsa war stets nur für schmale Hemden zugeschnitten. Kurios und irritierend: Lenkrad und Pedale sind versetzt zum Sitz angeordnet. Doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ganz oben auf der Checkliste: die Scheibenwischer. Haben die Arme viel Spiel, ist das Gestänge ausgeleiert und kann im nächsten Dauerregen aushaken. Außerdem untersuchen: das Lenkradschloß. Rastet es bei abgezogenem Schlüssel nicht vorschriftsmäßig ein, gibt es ebenfalls beim TÜV Ärger.

Erstaunlich übrigens, wie unhandlich sich so ein kleines Auto gebärden kann. Die Lenkung ersetzt das Hanteltraining, die straffe Federung eine Massage. Indes: Selten (oder fast nie) sind Lenkung und Radaufhängungen des Corsa A zu bemängeln. Eine absolut solide Konstruktion. Auch Bremstrommeln und Bremsscheiben verdienen Lob für ihre Haltbarkeit, während die Bremsleitungen weit überdurchschnittlich stark rosten. Außerdem fallen die schief ziehenden Bremsen negativ auf.

Über ein zu geringes Angebot an gebrauchten Corsa A wird sich niemand beschweren können, die rege Nachfrage verhindert allerdings Dumpingpreise. Das trifft besonders auf das letzte Modelljahr mit verbesserter Rostvorsorge zu. Wer sich für den pausbäckigen Spanier interessiert, sollte vor allem die ehemaligen Einsatzbedingungen hinterfragen – Stadtautos mit wenig Kilometern sind selten besser als Langstreckenwagen. Außerdem beachten: Der Corsa war der beliebteste Re-Import. Solche Exemplare – erkennbar am Stempel im Fahrzeugbrief – werden auch gebraucht billiger verkauft.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/82 Produktionsstart in Spanien 3/83 Einführung in Deutschland als Schräg- und Stufenheck (TR); Motoren mit 45, 55 und 70 PS 4/85 als erster deutscher Kleinwagen mit fünf Türen 9/85 geregelter Katalysator im 1.3i-Motor mit 60 PS 2/87 Facelift (fünf statt drei Kühlerlamellen) 5/88 Sportversion GSi mit 100 PS 8/90 Modellpflege: Opel-Signet auf der Stirnfläche, Kühlergrill kleiner 3/93 Modellablösung durch Corsa B.

Schwachstellen • Ölverlust an Motor und Getriebe • Rost an Bremsleitungen, Türen, Klappen, Kotflügeln, Bodenblechen, Auspuffanlage • Zahnriemen-Zuverlässigkeit wartungsabhängig • Bremse verschlissen, zieht schief • Kabelstecker lose und korrodiert • Zündsteuergerät ausgefallen • Thermoschalter im Kühlkreislauf durch Kurzstrecke festgegammelt • Zündkabel durchgeschlagen • Gestänge der Scheibenwischer ausgeleiert

Reparaturkosten Gebrauchte Ersatzteile gibt es reichlich. Zum Glück, denn Reparaturen sind fast so teuer wie beim größeren Bruder Kadett. Gegen den unbarmherzigen Rostfraß ist aber meist kein Kraut gewachsen.

Fazit und Urteil

Fazit Wer bei der Damenwelt erst mal einen Stein im Brett hat, der darf sich einiges erlauben. So wie der 1993 abgelöste Corsa A, der auch heute noch zu den beliebtesten Minis zählt – allen Problemen mit Rost, Ölverlust und zickigen Zündungen zum Trotz. Selbst wenn die schwere Lenkung das Fitneß-Studio spart, scheint der dürftige Komfort das weibliche Geschlecht nicht zu stören – von so viel Ergebenheit kann man(n) nur träumen.

AUTO BILD-Urteil: Bedingt empfehlenswert

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