Opel Frontera A (1992-1998)

Gebrauchtwagen Opel Frontera A Gebrauchtwagen Opel Frontera A

Opel Frontera A (1992-1998)

— 25.07.2002

Der deutsche Patient

Eigentlich ist der Frontera A ein englischer Patient, denn er wurde in England gebaut und hat zahlreiche Krankheiten. Doch da er bei uns als Opel verkauft wurde, gilt er hierzulande als deutsches Auto. Das ändert aber nichts an seinen Problemen.

Nichts als Leckagen

"Der Herr schütze uns vor Schnee und Wind - und Autos, die aus England sind." Dieser von deutschen Mechanikern hämisch grinsend vorgetragene Spruch hält sich seit Jahrzehnten. Ob berechtigt oder nicht, Tatsache ist, dass der Opel Frontera trotz seines urdeutschen Markennamens im britischen Luton nahe London gebaut wird. Unbestreitbar ist auch, dass diesen ersten Geländewagen von Opel Defekte heimsuchen, die zumindest in den vergangenen Jahrzehnten typisch für englische Autos waren.

Schwerwiegende mechanische Schäden sind selten, dafür verärgert der von 1992 bis 1998 produzierte Frontera A seine Besitzer über die Maßen häufig mit ölleckenden Aggregaten und wassertriefenden Kühlern sowie Kurzschlüssen in der Elektrik und Regenwasser im Innenraum. Insbesondere die Ölleckagen sind erstaunlich, denn die Briten produzieren die Motoren ja nicht selbst. Opel lieferte aus Deutschland den 2.0i, den 2.4i und den 2.3-Turbodiesel; der spätere 2.8-TDI-Diesel kam von Isuzu aus Japan, den zuletzt eingebauten 2.5-TDS-Diesel schickte der italienische Motorenhersteller VM aus Italien nach England.

Das Erstaunliche: Werden die gleichen Motoren anderswo auf der Welt eingebaut, sind Flüssigkeitsverluste wesentlich seltener. Trotzdem gibt es öldichte Frontera, auch wenn satte 42 Prozent der an dieser Fragenbogenaktion teilnehmenden Leser Ölverluste an allen Aggregaten monierten. Deshalb gilt es beim Gebrauchtkauf eines Frontera, den Stellplatz des Vorbesitzers genau auf verräterische Ölflecke zu untersuchen.

Die Kühlwasserverluste (26 Prozent) betreffen sämtliche Versionen. Nach ausgiebiger Probefahrt prüfe man deshalb, ob grünlich schimmernde Kühlflüssigkeit an Kühler oder Wasserpumpe austritt. Zu allem Überfluss kämpfen die Frontera-Besitzer häufig auch noch mit eindringendem Regenwasser. An Scheibendichtungen und Hecktüre vorbei gelangt die Feuchtigkeit ins Innere. Auch die Dichtungen der Glasdächer lassen Wasser durch.

Motor und Karosserie

Es gibt aber auch Positives über den Frontera A zu berichten: Wichtige und teure Aggregate wie Motor, Getriebe, Allradantrieb und Achsen halten meist problemlos über 200.000 Kilometer. Bei den Motoren gilt dies allerdings nur für die Benziner, deren einziges Problem die recht kurzlebige Lambdasonde ist. Deshalb sollte man beim Gebrauchtkauf auf eine frische AU-Plakette bestehen.

Die Turbodiesel halten - wie heutzutage fast schon üblich - deutlich weniger lang und sind überdies wesentlich empfindlicher gegenüber schneller Autobahnfahrt. Der bis 1995 verwendete 2,3-Liter-Turbodiesel, dessen Grundkonstruktion noch auf den seligen Opel Rekord D zurückgeht, braucht meist nach rund 120.000 Kilometer eine aufwändige Zylinderkopfüberholung. Weniger berechenbar ist der von Isuzu stammende 2,8-Liter-Turbodiesel mit Direkteinspritzung: Er hält mal 250.000, mal nicht einmal 100.000 Kilometer, weitgehend unabhängig von Fahrweise und Wartungsgewohnheiten. Auch der zuletzt verwendete 2,5-Liter-Turbodiesel mit elektronischer Wirbelkammereinspritzung bietet keinen Ausweg aus der Dieselmisere: Der Italo-Motor reagiert vor allem auf flottes Autobahntempo zuweilen mit teuren Zylinderkopfschäden, die häufig zwischen 80.000 und 120.000 Kilometer auftreten. Darüber hinaus gibt auch der Turbolader gern im Rahmen dieser Laufleistung seinen Geist auf.

Unzufrieden sind die Frontera-A-Besitzer mit der Rostvorsorge. Unglaubliche 89 Prozent haben bereits Roststellen an Türen, Hauben, Kotflügeln, Radläufen oder Bodenblechen entdecken müssen; oft bereits bei gerade einmal fünf Jahre alten Exemplaren. Noch schneller rostet nur noch das minderwertig lackierte Original-Opel-Zubehör, etwa der von 81 Prozent der Teilnehmer gekaufte Frontschutzbügel. Hier klagen praktisch sämtliche Besitzer über erhebliche Rostaufbrüche, teilweise sogar über Risse. Da passt es gut ins Bild, dass auch die Auspuffanlage nur eine geringe Lebensdauer hat. Nicht nur Korrosion setzt ihr zu, auch Vibrationsrisse kommen immer wieder vor. Gut, dass die Abgasanlage so billig ist.

Technik und Qualität

Zu den Baugruppen, die selbst beim Frontera A unproblematisch und langlebig sind, gehören bei allen Versionen die Differenziale und die Lenkung. Dagegen sollte man Lichtmaschinen und Wasserpumpen mit mehr als 100.000 Kilometer Laufleistung misstrauen. Die verstärkten Anlasser der Dieselmodelle halten länger als die der Benziner, die meist nach 100.000 Kilometer überholungsreif sind.

Für 79 Prozent der Fragebogeneinsender ist der Frontera A der erste Geländewagen. 32 Prozent sind treue Opel-Kunden und fuhren zuvor schon einen Opel-Pkw, meist einen Omega, seltener einen Astra. Auch unter den Zweitwagen finden sich überdurchschnittlich viele Autos mit dem Blitz: 49 Prozent der Frontera-Fahrer besitzen noch ein zweites Auto, davon stammt über ein Viertel aus dem Hause Opel, meist Corsa und Astra. Gute Noten erhalten die Opel-Werkstätten von den Frontera-Besitzern. 70 Prozent sind zufrieden mit deren Arbeitsleistung. Der Preis für eine große Inspektion liegt nach Leserangaben durchschnittlich bei 380 Euro. Das muss man heutzutage als günstig einstufen.

Die Kritik am Frontera selbst hält sich in Grenzen. Bei sämtlichen Versionen wird die etwas zähe Leistungsentfaltung der Motoren (16 Prozent) moniert. Im Mittelpunkt der Kritik stehen jedoch mit deutlichem Vorsprung die Probleme mit der Zuverlässigkeit (34 Prozent) und die mangelhafte Rostvorsorge (41 Prozent). Im Ergebnis überrascht die schlechte Wiederkaufsquote des Frontera A nicht. Lediglich 28 Prozent der Einsender können sich vorstellen, noch einmal diesen Typ zu nehmen. Immerhin 41 Prozent hoffen jedoch auf den Fortschritt beim Nachfolger Frontera B und wollen diesen wählen. So bleiben satte 31 Prozent, die der Marke Opel verloren gehen. Unter ihnen ist kein eindeutig bevorzugter Fahrzeugtyp auszumachen. Das Interesse verteilt sich einigermaßen gleich auf Mercedes M-Klasse, Jeep Grand Cherokee, Hyundai Terracan, Toyota LandCruiser 90 und Nissan X-Trail.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1992 Modelleinführung des Frontera als Zweitürer (Länge 4,19 m) mit 2,0-Liter-Benziner (115 PS) und als Viertürer (Länge 4,69 m) mit 2.4-Benziner (125 PS) oder 2.3-Turbodiesel (100 PS); alles 4-Zylinder 1995 2.2-Benziner (136 PS) statt 2.4i, 2.8-Turbodiesel mit Direkteinspr. (113 PS) statt 2.3 TD, ABS-Bremsen, Schraubenfedern an der Hinterachse statt Blattfedern, 16- statt 15-Zoll-Felgen, neue Hecktür (Viertürer) mit links angeschlagenem Unterteil (statt unten) 1996 Neuer Innenraum mit zwei Airbags, 2.5 TDS mit Wirbelkammereinspritzung (115 PS) statt 2.8 TDI 1998 Ablösung durch den Frontera B

Schwachstellen • Die innen belüfteten vorderen Bremsscheiben halten beim Frontera je nach Fahrweise zwischen 80.000 und 120.000 km, sind aber sehr teuer • vor Rost ist der Frontera mäßig geschützt. 89 Prozent der Leser beklagen leichte Rostspuren, neun Prozent erhebliche. Der Auspuff korrodiert oft schon nach 3 Jahren • undichte Wasserkühler und Wasserpumpen • ausgefallene Lambdasonden (Benziner) • streikende Vorglüheinrichtungen (Diesel) und Lichtmaschinen • verendete Turbolader (2.5 TDS) • Undichtigkeiten sind sehr häufig; 42 Prozent der Leser beklagen Ölverluste an den Aggregaten, 26 Prozent Kühlmittelverluste; dazu 23 Prozent Wassereinbrüche • die Zuverlässigkeit des Frontera lässt zu wünschen übrig. Die Benziner haben seltener Startprobleme (fünf Prozent), aber mehr Pannen (24 Prozent), die Turbodiesel streiken häufiger beim Start (19 Prozent), dafür seltener unterwegs (13 Prozent).

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Opel Frontera Sport 2.0i, Baujahr 1996. Karosserieteile und mechanische Austauschteile sind günstig, teuer sind das von Isuzu stammende Getriebe und die vorderen Bremsscheiben.

Fazit und Technik

Fazit Wirklich empfehlenswert ist der bis 1998 gebaute Frontera A nicht, obwohl die günstigen Gebrauchtpreise locken. Aber die Pannenquote ist einfach viel zu hoch. Dazu kommt der Ärger mit häufigen Öl- und Wasserverlusten, die aufwändige Reparaturen erfordern. Schade, denn die sonstigen Unterhaltskosten bewegen sich auf akzeptablem Niveau.

Technik • Allradantrieb: zuschaltbarer Allradantrieb (manuelle oder automatische Freilaufnaben); Geländeuntersetzung • Aufbau: Leiterrahmen, aufgeschraubte Karosserie aus Stahlblech • Verbrauch: 2.0i und 2.2 16V: 12 l Super/100 km; 2.4: 13 l Super/100 km; 2.3 TD und 2.8 TDI: 10,5 l Diesel/100 km; 2.5 TDS: 11 l Diesel/100 km • Höchstgeschwindigkeit: Benziner: 157 km/h; 2.3 TD+2.8 TDI/2.5 TDS: 147/154 km/h

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