Opel Fuel Cell-Marathon (15)

Opel Fuel Cell-Marathon, 15. Etappe Opel Fuel Cell-Marathon, 15. Etappe

Opel Fuel Cell-Marathon, 15. Etappe

— 07.06.2004

Von Barcelona nach Madrid

Quer durch Europa. Mit dem Antrieb der Zukunft. Am Steuer des HydroGen3: Reporter von AUTO BILD. Und erneut ein Leser. Hier das Tagebuch.

Etappe 15, von Barcelona (E) ...

Neun Uhr morgens, über Barcelona hängt dichter Nebel. Der Zafira ist kaum zu erkennen, aber sein Summen schallt schon einige Zeit über den Hotelparkplatz. Scheinbar ziellos dreht er Runde um Runde. Am Steuer: AUTO BILD-Leser Michael Zingler, der zweite Glückspilz unseres Gewinnspiels um eine Etappe im Brennstoffzellenauto.

Mit kleinen Fahrübungen versucht er unter Aufsicht von GM-Ingenieur Tomas Dehne, seine Lockerheit wiederzufinden. Die war dem 47-Jährigen nämlich kurzfristig abhanden gekommen, als er den Preis des Prototypen hörte: "800.000 Euro - wenn ich da mal bloß keine Delle reinfahre." Doch der Start gelingt ohne Blessuren. Direkt oberhalb der Formel-Eins-Rennstrecke, wo Schumi acht Wochen zuvor – mal wieder - den großen Preis von Spanien einsackte. Als wir die riesigen Tribünenblöcke passieren, meinen wir, das Motorengeheul und den Zuschauerjubel noch nachhallen zu hören. Uns allen juckt der Gas-, nein besser: der Wasserstoff-Fuß. Einfach mal kurz einbiegen und eine erste Rundenzeit auf Wasserstoff in den Asphalt brennen - das wärs doch, bevors die Schumis dieser Welt tun.

Ob die wirklich eines Tages mit Brennstoffzellen über die Curbs räubern? Gut möglich, betrachtet man den blauweißen Proto-Zafira. Zuverlässiger als die heutigen Boliden ist er ja. Jedenfalls würde die Formel-Eins dann zum Wassersport und Schumi dank Regenreifen wahrscheinlich noch öfter auf dem Treppchen stehen.

Schluss mit Träumen. Kurz nachdem wir auf die A2 in Richtung Nordwesten einfädeln, beginnt die Michael-Zingler-Show. Denn auf der graden, gut ausgebauten Strecke ist das rund 170 Zentimeter große Unterhaltungstalent aus Berlin-Pankow vollends zu seiner unerschütterlichen Unterhaltsamkeit zurückgelangt. Zunächst wärmt er sich mit einer anderthalbstündigen Kurzversion seines bewegten Lebens auf: Ob Rettungsschwimmer oder Schiffbauer, Vorsitzender eines Burgenvereins oder Museumsleiter - schnell wird klar: Am Steuer sitzt ein Tausendsassa.

Und auch, dass sein Gewinn eigentlich kein Zufall war: "Rund 30 Preisausschreiben mache ich im Monat schon mit." Keine Frage, da wird Losglück zur höheren Wahrscheinlichkeit: Eine Reise nach Mexiko und sogar ein Renault Twingo waren schon dabei. Als Zingler die Anekdoten aus seinem Nebenjob als Reiseleiter ausgräbt, kommt der Tankstopp dazwischen. Leider.

Für die Restbesatzung aber wertvolle Minuten, die zahlreichen Informationen zu verarbeiten. Und alle sind sich einig: Diese ist eine der lustigsten Etappen – den quirligen Schnauzbart mit der runden Brille muss man einfach gern haben. Derweil haben dessen sonnigen Geschichten sogar die dunklen Wolken vertrieben: Weit und breit azurblauer Himmel, flirrend liegt die Hitze über der staubigen Ebene von Aragon. Gut für Fotos mit Wüstenoptik ...

Stage 15, from Barcelona (E) ...

By Henrik Fels Nine o'clock in the morning. Thick fog shrouds Barcelona. You can hardly make out the Zafira, only its humming sound has been reverberating across the hotel car-park for a while. The way it goes round and round in circles looks somewhat aimless. AUTOBILD reader Michael Zingler, the other lucky devil to win our competition for a leg in the fuel cell van, sits at the steering wheel. Supervised by GM engineer Tomas Dehne he tries to relax again with a few driving exercises.

The 47-year-old tensed up for a short while, when he learned how much the prototype costs, "800,000 euros! I hope I don't put a dent in it!"

He can relax. The leg starts without any blemishes. Directly above the Formula One race track, where Schumi eight weeks ago – again – pocketed the Spanish Grand Prix. As we're passing the giant grandstands, we are imagining reverberations of howling engines and exuberant crowds. Our accelerator – correction – our hydrogen foot twitches excitedly. Quickly turn onto the racecourse, and imprint the first lap time of a hydrogen van on the tarmac – what a great idea! Before the Schumis of this world have a go.

I wonder, whether they will really tear around the bends in a fuel cell car one day. Quite possibly, if you look at the blue-white Zafira prototype. The van IS definitely more reliable than today's racing cars. Anyway, Formula One would then become an aquatic sports event and thanks to his wet tyres, Schumi would be on top of the rostrum even more often.

Back to reality! Shortly after we have joined the northwest-bound A2 motorway, the Michael Zingler show begins. On the straight, well improved route, the 1 metre 70 tall entertainment talent from Berlin-Pankow has resumed his unflappable entertaining ability. Initially, he warms up with a 90 minute short version of his turbulent life. He has worked as lifeguard, ship-builder, was chairman of a castle association and museum director and that's not all. We soon realize that our driver is a jack-of-all-trades.

It also emerges that it was hardly left to chance that he won the trip in the Zafira. "I take part in around 30 competitions a month", he admits. Small wonder, that the luck of the draw becomes more probable. Once, he won a trip to Mexico and even a Renault Twingo. Just as Zingler begins to spin his yarns about his job as a tour guide we have to fill up. What a shame!

At least the rest of the team has a few valuable minutes to digest all this new information. We all agree – this is one of the most entertaining legs. You can't fail to like the effervescent chap with the walrus moustache and the round specs. His sunny tales have even chased away the dark clouds. Deep-blue sky wherever you look! The heat shimmers across the dusty plains of Aragon – perfect for snapshots with a desert feeling about them.

Etappe 15, ... nach Madrid (E)

Wir verlassen die Autobahn und legen die letzten 50 Kilometer des Tages auf einer abgelegenen Landstraße zurück - Spanien von seiner kärgsten Seite: wenig Dörfer, kaum Vegetation. Links und rechts der Straße liegen verdörrte Tierkadaver und verrostete Autowracks. Immer wieder müssen wir in der sengenden Hitze anhalten und warten. Bis unsere drei Kameramänner sich in Position gebracht haben – Bild für Bild, Blitz für Blitz schwitzen wir auf Saragossa zu.

Am nächsten Morgen bricht das Blitzlicht-Gewitter aber erst so richtig los. Denn mit einem gewaltigen Medienrummel startet der Ministerpräsident von Aragon, einer der 16 spanischen Provinzen (unseren Bundesländern vergleichbar), auf den 310 Kilometer langen Tagesabschnitt nach Madrid. Für uns bedeutet das: Platz nehmen im Begleitfahrzeug. Die Menge der Journalisten und Zuschauer führt uns deutlich vor Augen: Das Thema Brennstoffzelle ist längst keine Science-Fiction mehr.

Wasser marsch, der Präsident legt los. Überraschend flott. Aus den geplanten zwei Kilometern werden am Ende 20 – samt filmreifer Verfolgungsjagd: Zehn Leute in drei Fahrzeugen folgen dem rasenden Politiker. Alle in größter Sorge: die Leibwächter um ihren Provinzpräsidenten, die GM-Techniker wegen ihres millionenteuren Forschungsobjektes. Und wir fürchten uns bald um unsere heile Haut. Denn das Rollkommando schießt im Meterabstand durch den dichten Berufsverkehr Saragossas. Es quietscht, es hupt und es grenzt schließlich an ein Wunder, dass nicht mal eine Schramme entsteht.

Als wir auf dem Standstreifen der Autobahn nach Madrid endlich wieder ans Steuer des Zafira dürfen, stellt sich das Missverständnis heraus: Der Ministerpräsident dachte, den GM-Leuten eine Gefallen zu tun, fuhr trotz eigenen Termindrucks brav weiter. Und der begleitende Techniker wollte seinerseits nicht unhöflich sein – beide ließen einander machen. Rund dreißig Minuten lang, über zwanzig Kilometer. Erst ein Anruf von außen beendete den Zauber.

Der Rest des Tages verläuft gemächlicher. Dafür zeigt sich die Natur in eindrucksvoller Karl-May-Optik: Wie eine Achterbahn kurvt die Autobahn durch schroffe, felsige Berggruppen mit sanft ansteigenden, grün bewachsenen Flanken. Dazwischen kleine Grasebenen. Auf der hügeligen Strecke merken wir deutlich, dass dem Brennstoffzellen-Antrieb die Motorbremse fehlt. Nimmt man bergab den Fuß vom Gas, beschleunigt das Fahrzeug deutlich. Zunächst ungewohnt, doch schnell finden wir sogar Spaß daran. Ein Gefühl wie beim Seifenkisten-Rennen.

Stage 15, ... to Madrid (E)

Consequently, we leave the motorway and cover the remaining 50 kilometres of the day on a remote country road. This is Spain at her most barren, just the odd village here and there and hardly any vegetation. We discover scorched carcasses and rusting car wrecks to the left and right of the road. Time and again we stop in the blazing heat and wait until our three cameramen have taken up position. Shot by shot, flash by flash, we make our hot and sticky way to Saragossa.

The next morning, we are greeted by a real flashlight orgy! The minister president of Aragon, which is one of the 16 Spanish provinces (similar to our federal states), is accompanied by a large media crowd. He starts off the 310 kilometre stretch to Madrid. What that means for us is to take our seats in the accompanying car. The crowd of journalists and spectators makes us aware of one thing: Fuel cell technology is no longer a matter for science fiction enthusiasts.

The water is pumping; the president takes off – surprisingly fast. Two kilometres had been set aside for him; he covers 20 – complete with a hot pursuit just like in the movies. Ten people in three cars pursue the racing politician who has everybody worried – his bodyguards, who fear for his life, the GM engineers, who fear for their hideously expensive research object and us, who fear that we won't escape unscathed. With just a metre between cars, the cavalcade unceremoniously dashes through Saragossa's rush hour traffic. Screeching brakes, deafening horns all round until – eventually and miraculously – we stop with not even a scratch!

It is only once we are allowed to climb back in the Zafira on the hard shoulder of the motorway to Madrid, that we learn it was all a misunderstanding. The minister president thought he was doing the GM team a favour and continued his trip in spite of other pressing appointments. And the accompanying engineer didn't want to be impolite and left the politician to it. For around thirty minutes, for more than twenty kilometres – only then an outside call ended the spectacle.

The rest of the day is more relaxing. To make up for it, nature presents itself with impressing Wild West countryside. Like a roller-coaster, the road bends through jugged, rocky groups of mountains and softly undulating, green slopes with grass plains in between. On the hilly route we clearly realize that the fuel cell van has no engine brake. If you drive downhill and take the foot off the accelerator, the van speeds up considerably. Initially, this is unfamiliar, but soon we are enjoying the feeling. It's like being in a soap-box derby.

An hour later we reach Madrid. For the time being, this is the end of our adventure with the future. However, the fuel cell Zafira will remain in the family – at least until tomorrow when Sergio Veiga of AUTO FOCO, the Portuguese AUTOBILD sister magazine will drive to Lisbon, the final leg of this marathon.

Autor: Henrik Fels

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