Opel: GM erwartet Milliardenverlust

— 01.11.2012

GM geht Sanierung von Opel an

General Motors kündigt 2012 für Opel einen Verlust von bis zu 1,8 Mrd. Dollar an. Ein Restrukturierungsprogramm wird noch in diesem Jahr erwartet.

(REU) Nach dem Rivalen Ford zieht auch die Opel-Mutter GM im verlustreichen Europageschäft die Notbremse. Der US-Konzern kündigte am 31. Oktober 2012 für das laufende Jahr einen Betriebsverlust zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Dollar im Europageschäft mit den Marken Opel und Vauxhall an. Wie andere Massenhersteller gerät auch GM wegen der Absatzkrise in den Schuldenstaaten zunehmend unter Druck. Die exakte Höhe des Verlusts hänge von den Restrukturierungskosten für Opel im vierten Quartal ab, sagte Konzernchef Dan Akerson. Im nächsten Jahr werde das Ergebnis in Europa etwas besser ausfallen. Die Gewinnschwelle werde allerdings erst Mitte des Jahrzehnts angepeilt.

GM bekennt sich zu Opel: Opel ist unverkäuflich

Das deutet Experten zufolge daraufhin, dass GM die seit Monaten erwartete Sanierung von Opel im Schlussquartal 2012 angehen will. "Das klingt danach, dass GM noch vor dem Jahreswechsel die erwarteten Einschnitte bei Opel vornehmen will", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Der Betriebsrat erwartet bis Mitte Dezember eine Einigung mit der Geschäftsleitung über ein Sparpaket. "Wir wollen die Leute mit einer klaren Botschaft in die Weihnachtsferien gehen lassen", sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug der Nachrichtenagentur Reuters. GM-Finanzchef Dan Ammann betonte: "Wir haben immer noch eine Menge Arbeit vor uns, vor allem in Europa."

GM: In zwölf Jahren in Europa 16 Mrd. Dollar verbrannt

Im dritten Quartal weitete GM den Verlust im Europageschäft auf fast eine halbe Milliarde Dollar aus nach knapp 300 Millionen vor Jahresfrist. In den vergangenen zwölf Jahren hat GM in Europa etwa 16 Milliarden Dollar verbrannt. Die Konzernmutter konnte dies zuletzt jedoch wegen besserer Geschäfte in anderen Regionen wettmachen. Der operative Gewinn kletterte im Herbstquartal auf 2,3 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatten 2,2 Milliarden zu Buche gestanden. Der Konzernumsatz stieg auf 37,6 (Vorjahreszeitraum: 35,7) Milliarden Dollar. Weltweit lieferte GM im Zeitraum Juli bis September 2,3 Millionen Fahrzeuge aus, 100.000 mehr als vor Jahresfrist. Damit ist Europa weiter der Schandfleck in einer ansonsten blütenreinen Quartalsbilanz des amerikanischen Konzerns, der mit Toyota und Volkswagen um die Weltmarktführung ringt. Die Eigner dringen schon seit längerem auf Sanierungserfolge im Europageschäft. Nach monatelangen Gesprächen hatten sich Geschäftsleitung und Gewerkschaft erst vergangene Woche auf einen Fahrplan für die Schlussphase der Verhandlungen geeinigt.

Opel-Werk Bochum: 2016 droht das Aus

Als besonders gefährdet gilt das Opel-Werk in Bochum, wenn dort Ende 2016 die Produktion des Familienwagens Zafira ausläuft. Die Gewerkschaft pocht auf den Erhalt auch dieses Werks und will in den Verhandlungen eine Beschäftigungsgarantie für alle vier Standorte in Deutschland über 2016 hinaus durchsetzen. Dass dabei zumindest Veränderungen in Bochum erwartet werden, deutet sich bereits an: Für das auf der Kippe stehende Werk im Ruhrgebiet sollen zusammen mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung Perspektiven entwickelt werden. Opel hat bereits Spekulationen zurückgewiesen, dass dadurch Vorentscheidungen für die Zukunft des Standorts getroffen würden. Der Betriebsratsvorsitzende des Werks, Rainer Einenkel, erklärte, die für Bochum gegründete Arbeitsgruppe aus Vertretern des Unternehmens, der Arbeitnehmer, der Politik und weiteren Führungskräften aus der Region solle das Werk "entwickeln und nicht abwickeln".

Opel-Werk Bochum: Perspektive gesucht

Opel macht die Absatzmisere in Südeuropa besonders schwer zu schaffen, weil die Marke mit dem Blitz bedingt durch die globale GM-Strategie keinen Ausgleich durch Verkäufe in andere Regionen schaffen kann. Die GM-Tochter kann die Produktion nach Expertenschätzungen deshalb nur etwa zu zwei Dritteln auslasten, wodurch die Kosten das Unternehmen zu erdrücken drohen. Opel stemmt sich mit neuen Modellen wie dem kleinen Geländewagen Mokka, dem Stadtwagen Adam und dem Cabriolet Cascada gegen den Abwärtstrend. Zugleich soll die Fertigung gestrafft und durch einen gemeinsamen Einkauf mit Peugeot die Kosten gesenkt werden. Die ersten Erfolge dieser Zusammenarbeit werden allerdings erst in einigen Jahren erwartet. Kurzfristig sollen Einsparungen bei der Belegschaft helfen. Darauf weist auch hin, dass Opel offenbar Vorbereitungen für einen größeren Personalabbau trifft. Aus einem vom Betriebsrat unlängst veröffentlichten Themenkatalog für die Verhandlungen mit dem Vorstand geht hervor, dass über Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen gesprochen wird.

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