Opel Insignia von Bitter: Fahrbericht

Bitter Insignia 2.8 Turbo 4x4 Bitter Insignia 2.8 Turbo 4x4

Opel Insignia von Bitter: Fahrbericht

— 02.07.2010

Der Kohlenpott-Maserati

Dieser Mann gibt nicht auf: Erich Bitter hat mal wieder ein Auto gebaut. Kein V8-Coupé wie früher, sondern einen Opel Insignia für Genießer. Erste Ausfahrt mit dem Bitter Insignia.

Der Kleine ist nicht mehr zu halten. Elektrisiert lässt der Fünfjährige sein Spielzeug liegen, stürmt auf die Meerbruchstraße und ruft nach seinem großen Bruder: "Guck maa', ein Maserati!" Dieses Auto ist hier in Essen-Katernberg so exotisch wie ein Diamantenfund in der Zeche Zollverein. Riesiges Haifischmaul, stechender Blick, muskulöse Körperform – in der Tat sieht die weiße Limousine aus wie ein Quattroporte nach dem Heißwaschgang. Doch der auffällige Viertürer kommt nicht aus Italien, sondern aus der näheren Umgebung – und ist die neueste Kreation von Erich Bitter, dem Automaniac aus Ennepetal am Rande des Reviers. 76 Jahre ist er inzwischen alt. Weise? Ja. Leise? Kaum. Denn Bitter will es noch mal wissen, hat sich einen Opel Insignia 2.8 Turbo besorgt und den Allradler liebevoll zur Sportlimousine umgebaut.

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Herrliche Landschaften: tabakbraunes Leder, grauer Alcantara-Himmel, edle Holzapplikationen.

"Ich hasse Plastik", sagt er zur Begrüßung und geht auf den AUTO BILD-Dauertest-Insignia zu, mit dem wir angereist sind. Dann klopft er mit den Fingerknöcheln auf die Kunststoff-Chromleiste am Heck. "Das muss alles weg. Zu opelig." Klare Ansage. Und wer das Volumenmodell gegen den Bitter Insignia tauscht, spürt sofort, was er meint: tabakbraune Lederlandschaft, grauer Alcantara-Himmel, edle Holzapplikationen. Herrlich, statt in der Rüsselsheimer Großserien-Routine schwelgt der Bitter-Besitzer im Oberklasse- Luxus. "53 Teile habe ich im Innenraum modifiziert", erklärt Bitter. Die Innenausstattung stammt von einer Mülheimer Firma, die Karosserie- Teile liefert: Brabus-Tochter Startech aus Bottrop. Ein echter Kohlenpott-Maserati also, dieser Edel-Opel. Und damit das ideale Reiseauto für eine Tour entlang der Ruhr: Start in Duisburg, Ziel Dortmund. Einmal durchs Revier von West nach Ost, mit Stopps in Essen und Bochum.

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Komfort wird groß geschrieben: Trotz 20-Zoll-Rädern und Tieferlegung federt die Limousine zivilisiert.

Die Region feiert sich als Kulturhauptstadt 2010 – mit Vollsperrung der BAB 40 als Höhepunkt: Am 18. Juli 2010 wird die Piste zur Kultur- und Feierstrecke. Heute jedoch rollt der Verkehr auf dem sonst chronisch verstopften Ruhrschnellweg. Mit 140 km/h summt Bitters Insignia über die linke Spur. "Fühlt sich doch an wie im Bentley", sagt Erich Bitter. Ganz unrecht hat er da nicht. Weder Wind- noch Motorgeräusche dringen ins noble Interieur. Die Opel-Technik hat er nicht angerührt. Unter der modifizierten Karosserie schnurrt ein V6 mit 260 PS und liefert seine Kraft an alle vier Räder. Bei der Abstimmung legte Bitter Wert auf Komfort. Gut so: Trotz 20-Zoll-Rädern und Tieferlegung federt die Limousine noch zivilisiert. Bitters Beau sieht sportlich aus, nervt aber nicht mit übertriebener Härte. Dass Bitter so nah an der Serie blieb, ist kein Zufall, sondern Kalkül: Jede Opel-Werkstatt kann den Bitter warten. Das war schon beim mondänen CD-Coupé der 70er-Jahre so.

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"Tolles Auto", lobt Imbisswirt Raimund Ostendorp bei der Pause vorm Bochumer "Profi Grill". Früher hat er im Sternerestaurant gekocht, bevor ihn sein persönlicher Strukturwandel zurückführte an den heimischen Herd, ins durch und durch bürgerliche Geschäft. Manchmal zu bürgerlich: Ein Passant murmelt was von Katalog-Tuning und will wissen, wo's die Teile gibt. Bitter wird sauer. Nicht jeder versteht, was er mit seinen Autos will. Klar, gern würde der leidenschaftliche Techniker wieder ein eigenes Auto bauen. Bis in die 80er gehörten seine legendären CD- und SC-Coupés mit Opel-V8 und -Reihensechszylindern zur Sportwagen-Elite. Immer wieder hat es der Marathon-Mann mit spektakulären Modellen versucht, zuletzt mit dem Vero auf Basis des Holden Calais. "Aber das ist heute einfach nicht mehr drin", sagt Bitter. Die unsichere Teileversorgung bei US- oder Australien-Modellen schreckt ab. Anderes als der Insignia bleibt ihm da nicht übrig. "Leider gibt es ja keinen Diplomat und keinen Senator mehr", bedauert er. Nicht nur er.

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Feste Bestellungen hat Erich Bitter noch nicht. Jetzt will er die Rüsselsheimer Chefs ins Boot holen.

Wie konnte die Marke mit dem Blitz nur so tief sinken? Vielleicht so: Vorm Opel-Werk Bochum verladen Gewerkschafter gelbe Spruchbänder in ihre Autos. "Wir fahren nach Berlin. Für Staatshilfe demonstrieren", sagt einer und fährt los. Im Honda Accord. Auweia. Es kann halt nicht jeder so viel Mut und Tatendrang haben wie Erich Bitter. Und erst recht nicht seinen Optimismus: 65.000 Euro verlangt er für den veredelten Insignia – und zielt damit auf eine Kundschaft, die einen BMW 5er zu gewöhnlich findet. Aber gibt es diese Leute wirklich? Möglicherweise. Im Pott. Ob in Duisburg oder Dortmund – wo der weiße Exot auftaucht, erntet er bewundernde Blicke. Doch feste Bestellungen hat Bitter noch nicht. Damit der Testwagen kein Unikat bleibt, hofft er, zunächst 50 bis 60 Exemplare als Vorführwagen an Opel-Händler auszuliefern. Außerdem will er die Rüsselsheimer Chefs ins Boot holen. Und wenn die nicht einsteigen? "Dann war es der letzte Bitter", sagt er. Und das wäre wirklich bitter.

Technische Daten: V6, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 2792 cm3 • Leistung 191 kW (260 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 350 Nm bei 1900/min • Allradantrieb • Sechsganggetriebe • Länge/Breite/Höhe 4830/1856/1498 mm • Reifen 245/35 R 20 • Räder 8,5 x 20 • 0–100 km/h in 6,9 Sekunden • Spitze 250 km/h • Verbrauch EU-Mix 10,9 Liter Super • CO2 256 g/km • Preis: circa 65.000 Euro.

Autor: Jörg Maltzan

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