Opel-Krise

Opel-Krise

— 13.01.2005

Streit um Abfindungen

Opel verweigere bestimmten Mitarbeitern die Abfindung, kritisiert ein Mitglied des Bochumer Betriebsrats. Außerdem sei die Summe zu niedrig.

Bei Opel droht ein handfester Streit zwischen Betriebsrat und Management, aber auch zwischen einzelnen Vertretern der Belegschaft. "Altgediente Beschäftigte mit hohen Abfindungsansprüchen, die sich für ein freiwilliges Ausscheiden interessiert haben, sind von der Personalabteilung in Bochum vertröstet worden", sagte Lothar Marquardt, Leiter der Personalkommission im Betriebsrat des Bochumer Opel-Werks.

Die Spitze der Arbeitnehmervertretung ist nach Informationen der Zeitung DIE WELT äußerst ungehalten über das Vorpreschen des Betriebsratsmitglieds Marquardt. Dem Vernehmen nach soll es am Mittwoch (12. Januar) zu einer heftigen Aussprache im Bochumer Betriebsrat gekommen sein. Dabei sei Marquardt klargemacht worden, daß die Weitergabe interner Informationen in diesem Fall unangemessen sei. Nach Angaben Marquardts wird bestimmten Freiwilligen, die das Abfindungsangebot des Arbeitgebers annehmen wollten, die Freigabe verweigert. "Die Nerven liegen blank", sagte Marquardt.

Die durchschnittliche Abfindungshöhe sei mit 60.000 bis 70.000 Euro für die Bochumer Beschäftigten zu niedrig angesetzt worden. Der durchschnittliche Bedarf liege höher. General-Motors-Vizepräsident Carl-Peter Forster müsse bei der US-Mutter in Detroit mehr Geld lockermachen. Forster hingegen beharrt darauf, daß die eingeplante Summe von einer Milliarde Euro ausreichen wird. "Es gibt keinen festen Rechtsanspruch auf diese Abfindungen", sagte ein Opel-Sprecher am Stammsitz in Rüsselsheim. Er räumte allerdings ein, daß es tatsächlich Fälle gebe, in denen Mitarbeitern die Freigabe "aus betrieblichen Gründen", etwa weil es sich um Software-Spezialisten handele, verwehrt werde.

In den deutschen Opel-Werken sollen 6500 Beschäftigte freiwillig ausscheiden, davon 2900 in Bochum. Weitere 3000 Stellen sollen durch Gemeinschaftsunternehmen oder Auslagerungen von Betriebsteilen wegfallen. Die Frist für die Unterzeichnung der Abfindungsverträge endet am 31. Januar 2005. Bislang habe es zwar mehrere tausend Beratungsgespräche gegeben, nach Angaben von Opel wurden aber nur wenige hundert Verträge unterzeichnet. In Bochum sollen 200 Beschäftigte Abfindungsverträge unterschrieben haben. Ob die Frist insgesamt eingehalten werden kann, ist daher fraglich. Allerdings wird es nach den Worten des Opel-Sprechers nicht sofort zu betriebsbedingten Kündigungen kommen: "Bevor es soweit ist, gibt es intern zahlreiche weitere Instrumentarien, die es auszuschöpfen gilt."

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