Opel Meriva 1.8 16V Enjoy

Test Opel Meriva 1.8 16V Enjoy Test Opel Meriva 1.8 16V Enjoy

Opel Meriva 1.8 16V Enjoy

— 08.05.2003

Das Ei des Kolumbus

Vier Meter Kurzware, doch Platz wie ein Van. Kann das klappen? Der Meriva soll eine Klasse tiefer den Erfolg des Zafira wiederholen.

Das Geheimnis der Variabilität

Christoph Kolumbus war sauer – stocksauer. Gerade hatte er Amerika entdeckt, doch die hohen Herren daheim in Spanien taten so, als sei das Ganze ein Kinderspiel gewesen. Eine Bagatelle. Empört forderte der Entdecker die Nörgler auf, ein Ei auf eine seiner beiden Spitzen zu stellen. Niemandem gelang es. Daraufhin knallte Kolumbus das Ei mit Macht auf den Tisch. Zwar zerbrach die Schale, aber es blieb stehen. Genial einfach – einfach genial.

Auch Autobauer suchen stets nach dem Ei des Kolumbus. Nach Zafira bei den Kompakt-Vans glaubt Opel es nun auch in der Kleinwagenklasse gefunden zu haben. Mit dem Meriva, der ab sofort beim Händler steht. Basis für den Meriva ist der Corsa – trotz verlängerten Radstands (2,63 statt 2,49 Meter) und nunmehr 4,04 Meter Gesamtlänge. Sein Vorbild jedoch ist der Zafira. Genauer gesagt dessen Raum- und Sitzkonzept.

FlexSpace nennen es die Rüsselsheimer. Gemeint sind damit die wandelbaren Rücksitze, die in mindestens genauso viele Positionen gesetzt werden können wie einst die Segel an der Kolumbus-Galeone "Santa Maria". So lassen sich die beiden äußeren Rücksitze vor- und zurückschieben. Dazu können sie nach innen gerückt werden. Dadurch wird der Meriva zwar zum Viersitzer, aber zu einem recht geräumigen, in dem sich auch Erwachsene auf langen Strecken wohl fühlen. Die klassische Anordnung mit drei Plätzen hinten sollte nur Kindern zugemutet werden.

In Sekunden zum Mini-Transporter

Außerdem lassen sich die Lehnen der Rücksitze in ihrer Neigung verstellen. Von steil aufrecht (gibt zusätzlich Stauraum im Heck) bis hin zu kuschelig schräg. So herrlich zum Dösen oder Entspannen. Komfort, der Kolumbus natürlich ebenso fremd war wie Rücksitze, die sich umklappen und komplett im Boden versenken lassen. Zafira-Fahrer kennen und schätzen das Prinzip, erspart es ihnen doch den Ausbau der Sitze und die Suche nach einem trockenen Lagerplatz.

Auch beim Meriva sind alle Umbauten mit wenigen, leichten Handgriffen durchführbar. In Sekunden verwandeln sie den Meriva auch in einen Mini-Transporter. Mit ebener Ladefläche und enorm viel Laderaum (350 bis 1410 Liter). Statt Holzplanken und Messing zieren das Innere des Meriva Alu-Dekor – und leider reichlich harter Kunststoff. Stoffe und Bezüge wirken robust und strapazierfähig.

Für ein Auto mit Transportaufgaben und häufig kleinen Fahrgästen an Bord ist übertriebener Luxus auch gar nicht nötig. Doch etwas solider als unser Vorserienwagen, bei dem Verkleidungen klapperten und Plastikabdeckungen an den Sitzen defekt waren, sollte der Meriva später doch bitte sein. Dafür sind die Sitze wohl das Beste, auf dem man zurzeit in dieser Klasse Platz nehmen kann. Straffe Polster, gute Seitenführung – das passt.

Überdurchschnittliche Federung

Der Motor leider weniger. Trotz seiner 125 PS geht der 1800er alles andere als stürmisch zu Werke. Er fühlt sich an, als stecke er in einer Flaute. Große Wellen schlägt er dafür beim Tanken. 8,7 Liter sind in der Kleinwagenklasse eindeutig zu viel. Hier geben sparsame Diesel den Ton an. Dazu fallen bei unserem Testwagen der hohe Lärmpegel, eine hakelige Schaltung und ein recht langer Bremsweg auf.

Dabei kann es Opel doch besser: Komfort. Lenkung und Fahrverhalten überzeugen. Der Meriva besitzt die Hinterachse des Zafira, liegt ohne größere Seitenneigung satt auf der Straße. Beim plötzlichen Ausweichen reagiert er ohne Tücke. Die direkte Lenkung unterstützt dabei das gute Handling. Die Federung rangiert über Klassendurchschnitt – unbeladen wie auch bei voller Zuladung (460 Kilo).

Und auch die Preise klingen zunächst vertrauenserweckend. Der Einstieg mit 87 PS kostet 13.995 Euro. Aber dann geht es los ... Für unseren Testwagen mit Enjoy-Ausstattung verlangt Opel schon 16.370 Euro. Da sind weder ESP, Kopf-Airbags vorn, Radio, elektrische Außenspiegel noch Klimaanlage drin. Gar nicht zu reden vom DVD-Unterhaltungssystem für die zweite Reihe. Das allein kostet 1990 Euro. Oder 1440 Euro das Radio mit Navi-System. So kann ein Meriva leicht auf über 20.000 Euro getrieben werden. Man muss nicht Christoph Kolumbus heißen, um zu entdecken, dass es dafür schon locker einen Zafira gibt.

Kosten und Ausstattungen

Wer will, kann den Meriva ausstatten wie einen großen Van. Gegen Aufpreis gibt's Xenon-Licht, Klimaanlage, Radio mit Navigationssystem und ein DVD-System für die zweite Reihe. Damit kommt der Mini aber auch preislich aufs Niveau der Großen.

Technische Daten und Testwerte

Von der Papierform wirkt der Meriva sportlicher, als er tatsächlich ist. Die 125 PS haben mit dem schweren Van gut zu tun. Der Motor wird bei hohen Drehzahlen ab 4000 Touren laut.

Fazit und Wertung

Fazit Wie Kolumbus begab sich Opel mit dem Zafira auf eine Reise ins Ungewisse. Das Ergebnis kennen wir alle: Kolumbus entdeckte die Neue Welt, der Zafira machte wegen seines brillanten Raum und Variabilitätskonzepts Furore. Fast eins zu eins hat Opel es nun auf den Meriva übertragen. Damit haben die Rüsselsheimer den ersten echten Van in der Kleinwagenklasse geschaffen. Das verdient Anerkennung. Ebenso die Stärken im Fahrverhalten und Fahrkomfort. Wenn Opel nun die Schwächen (Bremse, Verbrauch, Fahrgeräusche, Schaltung) rasch ausmerzt, haben sie tatsächlich das Ei des Kolumbus in der Kleinwagenklasse entdeckt.

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