Opel Senator B (1987-1993)

Opel Senator (1987-1993) Opel Senator (1987-1993)

Opel Senator B (1987-1993)

— 25.02.2002

Die verkannte Größe

Ohne Image fuhr Opels Senator B der Konkurrenz hinterher. Zu Unrecht: Das Flaggschiff bietet auch im Alter gute Qualität günstig.

Marktlage und Erfahrungen

Nie war Luxus auf Rädern billiger als heute, denn Gebrauchte der oberen Mittelklasse werden derzeit geradezu verschleudert. Das drückt die Kurse, vor allem bei so unbeliebten Typen wie dem alten Flaggschiff Senator B. Der Opel mit dem Waffelgrill im Gesicht litt zeitlebens unter seiner Abstammung. Als Ableger des ersten Omega verkaufte er sich neu wie gebraucht nur schleppend. Unverständlich, denn die Chefklasse aus Rüsselsheim ist eine völlig verkannte Größe – und deshalb im Preis-Leistungs-Verhältnis ein absoluter Geheimtip.

Trotzdem heißt es auf der Hut sein, auch wenn der Gebrauchtpreis sich kaum von dem eines gleich alten Golf unterscheidet – denn der Unterhalt kann schnell das ganze Budget aufzehren. Bestes Beispiel ist unser Fotokandidat vom Oktober 91: erst 95.000 Kilometer auf der Uhr, satter Sechszylinder, Automatik, Digitalcockpit, innen und außen eine Augenweide. Auf den ersten Blick ein gepflegter Ersthänder vom älteren Herrn.

Doch auf der Autobahn hatte Opi offenbar den Tiger im Tank: Stoßfänger und Scheinwerfer sehen aus wie gesandstrahlt, selbst an der Bodengruppe finden sich Steinschlagspuren von vorausfahrenden Fahrzeugen. Auch die Reifen geben über das Vorleben Auskunft: Sägezähne an den äußeren Profilreihen deuten auf hohes Tempo in Autobahnkurven. Allerdings ist es schwierig, hier eindeutige Schlüsse zu ziehen, da die ganze Senator-/Omega-Baureihe zu ungleichmäßigem Abrieb der Pneus neigt.

Motor und Technik

Die selbe Ungleichmäßigkeit gilt auch für den Ölverlust. Doch da glänzt der Senator, den wir uns vornahmen: Der Reihensechszylinder unseres Kandidaten präsentiert sich pottdicht, nicht mal hinter der Riemenscheibe sitzt Ölnebel. Dafür zeigt das Automatikgetriebe eine ungewöhnlich schwere Leckage, nach zwei Kilometern Probefahrt zieht sich bereits ein öliges Rinnsal vom Kardanflansch hinunter.

Der Check auf der Hebebühne offenbart zudem einen komplett verrosteten Auspuff, der zumindest ab den zwei Katalysatoren (Funktion prüfen!) erneuert werden müßte. Bei einer Doppelrohranlage kein billiges Vergnügen – da ist ein satter Tausender fällig. Aber andere, Senator-typische Schwachstellen zeigen sich dafür in bester Verfassung. Die Lenkzwischenhebel etwa, deren Lagerung bei höheren Laufleistungen oft ausgeleiert ist, oder das Differential, das in unserem Testwagen ohne Singsang arbeitet. Auch der Dreiliter-Reihensechszylinder, Standardmotor der Baureihe, macht einen guten Eindruck. Keinerlei Nebengeräusche lassen an der Mechanik zweifeln, und selbst die Senator-Wasserpumpe hält dicht – kein Wunder, denn sie wurde frisch erneuert.

Eigentlich hat der Senator ein gutes Herz, das in der Urform mit seinen sechs Zylindern schon im Commodore seinen Dienst tat. Eigentlich. Doch die letzte Mastkur auf 204 PS war des Guten zuviel. Die überreizten 24-Ventiler neigen zu Rissen in der Zylinderkopfdichtung. Und wenn dann noch die unterdimensionierte Kurbelwelle vor so viel Power kapituliert, übersteigt die Reparatur auf jeden Fall den Zeitwert. Die schwächeren Dreiliter haben in jedem Fall die längere Lebenserwartung. Noch kleiner muß aber nicht besser bedeuten. Besitzer der 2,6-Liter-Modelle melden vereinzelt Schäden an Stößeln und Nockenwelle.

Keine Frage: Ein Senator aus Opas pfleglicher Ersthand ist ein Topkauf. Da aber oft schon Zweitbesitzer die Maschine geprügelt haben, empfiehlt sich ein gründlicher Motorcheck beim Fachmann. Sonst wird Opas Opel nicht nur bei Nässe schnell zur Heckschleuder fürs Konto.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/87 Neueinführung der Stufenhecklimousine mit Sechszylinder-Reihenmotor (3,0 l/156 PS) auf Omega-Basis • 1/88 Leistungsgesteigerter 3,0-Liter-Motor mit 177 PS • 8/88 Modellpflege: Wurzelholzblenden an Instrumenten und Türen; Sechszylinder mit 24 Ventilen (204 PS) • 10/89 Modellpflege: Heckspoiler, dunkel eingefärbte Rückleuchten, tiefer gelegtes Fahrwerk • 8/90 2,6-Liter-Motor mit 150 PS ersetzt 3,0-Liter mit 156 PS • 12/92 Produktionsende der 2,6-Liter-Versionen • 7/93 Modellreihe eingestellt; kein Nachfolger für den großen Opel.

Schwachstellen Bremsscheiben laufen ein oder verziehen sich und rubbeln – typischer Verschleiß beim schnellen 1,5-Tonner • Scheinwerferreflektoren rosten, weil mit der Zeit Feuchtigkeit eindringt • Leckagen besonders an Motor, Getriebe und Differential • Wasserpumpen sind auch beim Senator das alte Opel-Leiden – wie jeder sechste Auto Bild-Lesertester bestätigt • Schiebedach mit Tücken, denn die Elektrik macht, was sie will – bei Sonne nicht auf und bei Regen nicht zu • Armaturentafel und Zentralverriegelung • Ansaugkrümmer mit Undichtigkeiten führen zu Motorruckeln und Leistungsverlust beim 24V.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Opel Senator 24V CD, 150kW/204 PS, Baujahr 1991. Auch wenn der Senator nicht nach Chefklasse aussieht - die Preise lassen keine Zweifel aufkommen.

Fazit und Urteil

Fazit Bei diesem Senator haben wir es mit einem typischen Blender zu tun. Der niedrige Kilometerstand von 95.000 wiegt Interessenten in Sicherheit, dabei werden das Erneuern der Auspuffanlage und das Abdichten der Automatik etwa 3000 Mark verschlingen. Auch wenn die Gebrauchtwagen-Garantie anteilig Reparaturkosten übernimmt, ist das Auto zum angebotenen Preis zu teuer.

Eine Ausnahme, denn sonst gilt: In der Senator-Klasse gibt es am meisten Auto fürs Geld. Rost ist kein Thema, die Automatik arbeitet sanft und agil mit dem soliden 177-PS-Motor, dazu gibt es üppigen Komfort. Typische Schwachstellen sind Ölverlust, defekte Wasserpumpen und verschlissene Bremsscheiben. Ärgerlich sind die schlechte Verarbeitung, klappernde Armaturen und Ausfälle der Zentralverriegelung. Ansonsten lupenreine Chefklasse – nur ohne Image.

AUTO BILD-Urteil: Empfehlenswert

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