Opel Signum

Opel Signum

— 05.05.2003

Was bin ich?

Limousine oder Kombi? Rsselsheim lsst seine Kunden raten. Nur eines ist sicher: Der Signum steht fr den neuen Aufbruch bei Opel.

Signum: Kombi oder Limousine?

"Alles, was ein Maybach kann, kann der Signum auch", schwrmte Opel-Chef Carl-Peter Forster in kleiner Runde. Die Aussage steht fr das neue Rsselsheimer Selbstbewusstsein. Kein Lampenfieber also vor der Signum-Frage: "Was bin ich fr ein Auto?" Die Zuschauer, Pardon, die Opel-Kufer spielen das Rateteam. Und schauen erst mal fragend aufs Heck: Gehen wir recht in der Annahme, dass der Signum eine Limousine ist? Oder vielleicht doch ein Kombi?

Denn wie man ihn dreht und wendet, aus jeder Perspektive sieht der neue Opel anders aus. Von vorn eindeutig schlanker Vectra, von schrg vorn wirkt er schon trutziger. Bei der Seitenansicht wird klar, warum: Es fehlt das dritte Fenster. Und von hinten signalisiert er einladend: Ich bin auch ein guter Gepcktrger. Wie auch immer: Der Signum zeigt eigenen Stil. Was die Opelaner, wiederum ganz unbescheiden, bereits von der "Signum Class" schwrmen lsst. Denn irgendeine Schlagzeilen-Schublade muss sich ja heute fr jedes Produkt finden lassen. Doch Achtung, Rsselsheim: So was entscheidet der Markt und nicht die Marketing-Abteilung.

Schauen wir den Signum also technisch nchtern an: In der Lnge bertrifft er seinen Komponenten-Lieferanten Vectra nur um 40 Millimeter, kommt also auf 4636 mm. Dafr entfernten sich die beiden Achsen um immerhin 130 Millimeter voneinander, der Radstand liegt bei stolzen 2830 mm. Das ist fast Mercedes-E-Klasse-Niveau (2855 mm). Oder, um im Hause zu bleiben: zehn Zentimeter mehr als beim Omega, der stattliche 4,90 Meter lang ist.

V6 klingt wie ein Sdeuroper

Lnge luft, wie jeder Segler wei. Das gilt natrlich auch fr den Signum. Unbeirrbar liegt er am Wind. Wer Backbord oder Steuerbord ausbrechen will, die elektrohydraulische Servolenkung sorgt fr bestechende Przision. Der Signum bekommt ab November fr 1350 Euro sogar die Kurven ausgeleuchtet: Das von Hella entwickelte Adaptive Forward Lightning (AFL) leuchtet in die eingeschlagene Fahrtrichtung, strahlt an Kreuzungen seitwrts und stellt bei konstanter Geradeausfahrt ab 120 km/h das Abblendlicht etwas hher ein, was die Fernsicht auf der Autobahn verbessert.

Im Signum-Inneren ist's erst mal vorbei mit den Neuerungen. Der Fahrer blickt auf eine Kunststoff-Landschaft, bei der Zweckmigkeit vor eleganter Anmutung geht. Auch im strksten Modell, dem 3.2 V6 mit Fnfgangautomatik, wirkt sie nicht wirklich nobel. Dafr entschdigt aber die Leistung von 155 kW/211 PS. Der V6-Motor luft keineswegs zu sanft, vermittelt eher unaufdringliche Sportlichkeit: Jeden Gasfutritt beantwortet er mit angenehm hrbaren Lebenszeichen, wie wir sie sonst von Sdeuropern kennen.

Leider fand die erste Ausfahrt im Groraum Berlin statt, sodass wir nur die recht straffe Federung und Dmpfung zu spren bekamen. Sie lsst auf absolut sichere Straenlage auch bei Hchstgeschwindigkeit schlieen, doch darber knnen wir natrlich erst nach einem Test przise Auskunft geben. Immerhin betont Opel, sein bereits im Vectra eingefhrtes IDS (Interaktives Dynamisches Fahr-System) dem langen Radstand des Signum angepasst zu haben. Serienmig enthlt IDS alle Chips der hilfreichen Fahrwerkselektronik wie ABS mit Kurvenbrems- und Traktionskontrolle, Bremsassistent und -kraftverteilung sowie das Stabilittsprogramm ESP plus der neuesten Generation.

Fantasie im Fond

"Welches Schweinderl htten Sie denn gerne?", pflegte Robert Lembke selig seine Kandidaten stets zu fragen. Bei Bjrn-Hergen Schimpf heit es knapper: "Welche Sau ganz genau?" Lembke wrde im Fond des Signum wahrscheinlich von der neuartigen und praktischen Sitzlandschaft schwrmen. Sein Nachfolger meinte spontan schnoddrig: "Hbsches Wickelbrett habt ihr dahinten." Was die Opel-Leute fast beleidigt gucken lie, heit neudeutsch Travel Assistant, steht mit 385 Euro in der Liste und wird zwischen den hinteren Einzelsitzen verankert.

In die Fondgestaltung haben die Opelaner noch mehr Fantasie investiert: So lassen sich die beiden Einzelsitze um jeweils 130 Millimeter in der Lnge verschieben, die Lehnen knnen bis zu 30 Grad geneigt werden. Die maximale Beinfreiheit betrgt fast einen Meter. Also doch ein Mini-Maybach?

Auf jeden Fall stecken reichlich gute Ideen im Signum: zum Beispiel der zweiteilige Fensterheberschalter, der per Umschalter alle vier E-Fenster steuert, oder der zustzliche Kofferklapppen-Fernffner in der rechten Tr. Und die Dachreling (180 Euro) ist als solche kaum noch zu erkennen, klemmt der hydrogeformte Edelstahl doch wie ein Luftleitblech auf dem Dach.

Ausstattung und Technische Daten

Zur Grundausstattung ab Basispreis von 23.000 Euro gehren klassenbliche Extras wie Kopf-Airbags auf allen Pltzen, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung. Aber auch eine Dachkonsole mit vielen Ablagen verwhnt, ein Batterie-Entladeschutz wird geboten, die Vordersitze sind multivariabel. Natrlich kommen dann verlockende Ausstattungslinien Elegance, Sport und Cosmo mit Leichtmetall, Doppeltonhorn, Regensensor oder Leder hinzu.

Schade nur, dass Dinge wie Beifahrersitz-Belegungserkennung (60 Euro), Kofferraumgepcknetz (15 Euro) oder die umklappbare Beifahrerlehne (130 Euro) extra kosten. "Was bin ich?"-Moderator Bjrn-Hergen Schimpf hat der Signum im brigen sehr gut gefallen. Vielleicht gerade, weil er Maybach nicht mag?

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