Opel: Standort Bochum vor dem Aus

— 10.12.2012

Schicksalstag für Bochum

Das Opel-Management macht Ernst und schließt den Standort Bochum. Nach 2016 sollen dort keine neuen Autos mehr gefertigt werden.

(dpa) Im Opel-Werk Bochum laufen bald keine Autos mehr vom Band. "2016 endet die Fertigung kompletter Fahrzeuge in Bochum", sagte Opel-Interimschef Thomas Sedran am Montag der dpa in Frankfurt. Damit reagiert die Adam Opel AG auf anhaltend hohe Verluste, wie Sedran betonte: "Die Hauptgründe ... sind der dramatisch rückläufige europäische Automobilmarkt und die enormen Überkapazitäten in der gesamten europäischen Automobilindustrie." Die Opel-Beschäftigten in Bochum reagierten auf einer Belegschaftsversammlung empört und entsetzt auf die Ankündigungen.

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In dem 50 Jahre alten Werk könnten bis zu 3000 Stellen wegfallen. Das bedeute aber nicht das Aus für den Standort im Ruhrgebiet, betonte Sedran: "Opel bleibt auch zukünftig in Bochum präsent. Nicht nur mit dem Logistikzentrum, auch mit einer im Detail noch festzulegenden Komponentenfertigung." In Verhandlungen mit den Arbeitnehmern solle geprüft werden, ob eine Teilefertigung in Bochum wirtschaftlich möglich ist. In dem Werk könnte nach dpa-Informationen eine dreistellige Zahl von Jobs entstehen. Das Warenverteilzentrum mit derzeit 430 Mitarbeitern solle erhalten werden und möglicherweise künftig mehr Menschen beschäftigen, sagte Sedran: "Wir haben Ideen, wie wir es ausbauen können."

Die Geschichte des Bochumer Opel-Werks

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

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Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel kündigte Widerstand an: "Wir werden auch nach 2016 in Bochum Autos bauen."  Der Betriebsrat verlangt, angesichts der Pläne für die Produktionsstilllegung das Aus der Getriebefertigung in Bochum zu revidieren. "Wie soll ich denn zukünftig eine Komponentenproduktion einrichten, wenn ich heute schon einen wichtigen Teil schließe", sagte Einenkel der dpa. Die Getriebefertigung mit rund 300 Beschäftigten in Bochum soll nach den bisherigen Planungen 2013 schließen. Wenn Opel für das Werk eine Zukunft als Komponentenwerk plane, passe das mit der Schließung einer wichtigen Komponentenproduktion nicht zusammen, sagte Einenkel.

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Opel spricht seit Juni mit Vertretern des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Bochum und den Arbeitnehmervertretern über alternative Nutzungen des Standortes. "Wir haben ein Konzept fertig: Die Entwicklungsgesellschaft "Bochum Perspektive 2022", die die Aufgabe hat, Arbeitsplätze in Bochum und im Ruhrgebiet zu schaffen." Betriebsbedingte Kündigungen will die Adam Opel AG auch über Jobangebote in anderen deutschen Werken oder attraktive Abfindungen vermeiden.

150 Jahre Opel

Opel-Fabrikgebäude 1868
Über ein Aus für den Standort im Ruhrgebiet wird schon seit längerem spekuliert. Opel schreibt seit vielen Jahren rote Zahlen, Bochum gilt als altes Werk mit relativ hohen Lohnkosten. Die Absatzkrise in Europa hat die Lage noch verschärft. Obwohl sich der Markt in den kommenden Jahren kaum erholen dürfte, wollen Opel und die US-Mutter General Motors bis zur Mitte des Jahrzehnts die Gewinnschwelle erreichen. Dazu sollen auch die Materialkosten gesenkt und die Marke gestärkt werden.

"Entwürdigend": Zwischenfall auf der Opel-Betriebsversammlung

"Wir haben uns die Entscheidung wahrlich nicht einfach gemacht", sagte der Interimschef und Strategievorstand. "Wir haben eine unternehmerische Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern in Bochum, aber natürlich auch gegenüber insgesamt mehr als 37.400 Menschen, die derzeit für uns arbeiten", begründete Sedran die Entscheidung im Gespräch mit der dpa: "Am Ende des Tages müssen wir überlegen, was für die Gesamtheit der Werke und der Belegschaft die beste Lösung ist." Die Kapazitäten müssten an die Nachfrage angepasst werden. Opel hatte schon im Juni angekündigt, kein Nachfolgemodell für den Zafira-Tourer in Bochum zu haben, das 2017 kommen müsste. "Wir haben intensiv nach Möglichkeiten gesucht, unser Produktionsnetzwerk auszulasten. Wir mussten aber leider feststellen, dass wir in der Tat kein Fahrzeug für Bochum nach 2016 haben werden."

Opel-Werk Bochum: Stimmen zur Schließung

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FNA
11.12.2012, 22:42Uhr

@160gs: Das neueste Beispiel für die ungleiche Berichterstattung der AB war zuletzt anlässlich der Crashtestergebnisse des Euro NCAP im November 2012 zu beobachten. Die Autobild berichtete wieder einmal fast ausschliesslich und blumig über den neuen Golf VII (in Wahrheit landete dieser aber nur auf Platz 9!).
Nicht ein einziges Wort (!) war dort zu lesen daß der neue Opel Mokka in dieser Testreihe Gesamtsieger wurde (unter 15 Fabrikaten)!
Man kann eine Marke auch systematisch zerstören, indem man die guten Leistungen regelmäßig verschweigt und kleinere Unzulänglichkeiten besonders negativ hervorhebt.
Ach ja, (neuer Running-Gag): Wer ist nochmal der mit Abstand wichtigste Anzeigenkunde der Autobild? 8D

k.landfried
10.12.2012, 19:52Uhr

Es war mehr als nur ein ein großer Fehler der deutschen BuRegierung und der Landesregierungen in RLP,HE,THU, NRW, dass man in der GM Krise nicht den Kauf von Opel durch Magna plus Händler plus Mitarbeiter massiv unterstützte. Dann wäre heute Opel auf den Weltmärkten mit seinen guten Autos präsent und könnte passabel leben. Das Gefasel von nicht konkurrenzfähigen Produkten ist angesichts der Kreativität der Opel Ingenieure und der Produkt-QUALITÄT nicht mehr zu hören.
GM hat Opel buchstäblich ausgeweidet, Patente und Lizenzen und andere Technologien an sich gerissen und zugleich Opel die großen Wachstumsmärkte verschlossen: gemeiner und dilettantischer gehts nicht mehr. Detroit hat Opel NIE verstanden, sondern nur ausgebeutet!

160gs
10.12.2012, 14:16Uhr

.....und Ihr von Autobild, könnt Euch an der Nase nehmen. Auch Ihr seid daran mitschuld, dass geschlossen wird. Mit Euren unfairen und verlogenen Vergleichstest habt auch Ihr mitgeholfen, Arbeitsplätze zu vernichten.

Ich bin gespannt, ob die Kia oder Hyundai - Mitarbeiter die Pensionen der Deutschen mal bezahlen werden?

160gs
10.12.2012, 14:14Uhr

Nach Ford zieht damit auch GM Konsequenzen aus der Krise in Europa. Ford hat die Schließung von drei Werken in Belgien und Großbritannien mit 5700 Mitarbeitern angekündigt. GM-Partner Peugeot will eine Fabrik nahe Paris dichtmachen, wird daran aber von der französischen Regierung gehindert. Diese verlangt für staatliche Hilfen einen Verzicht auf massiven Stellenabbau. Experten halten europaweit 15 Automobilwerke in der Branche für überflüssig.

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