Fahrbericht Opel Tigra TwinTop

Opel Tigra TwinTop Opel Tigra TwinTop

Opel Tigra TwinTop

— 09.07.2004

16.695 Euro – das sollte klappen!

Lange Tradition, große Pläne: Opels Klappdach-Roadster TwinTop soll die Cabrio-Szene aufmischen. Der Preis ist heiß. Der trendige Tigra auch.

Das Klappdach ist das große Plus

Bei Renault klappt es. Bei Peugeot auch. Ebenso bei Cadillac. Und bei Mercedes-Benz sowieso. Kein Zweifel: Faltdächer aus Blech sind in. Jetzt klappt es endlich auch bei Opel. In 18 Sekunden verwandelt sich der Tigra TwinTop per Knopfdruck vom Coupé zum offenen Zweisitzer. Der Verdeckschalter sitzt griffgünstig in der Tür. Wer ihn betätigt, wird zunächst enttäuscht. Es piept durchdringend. Sonst passiert nichts. Handbremse ziehen, Zündung ein, zwei Dachriegel lösen – erst dann kann der Striptease beginnen.

Für den schnellen Ampel-Quickie dürfte die Nummer ruhig schneller gehen. Trotzdem ist das Klappdach das große Plus des Oben-ohne-Opel. Denn die zweiteilige Konstruktion faltet sich so raffiniert ins Heck, dass selbst der geöffnete Tigra 250 Liter Stauvolumen bietet. Dazu kommen noch 70 Liter hinter den Sitzen. Das ist Rekord und schafft kein Mercedes-Benz SL, SLK, und selbst die viersitzigen Renault Mégane CC und Peugeot 307 CC müssen passen. Noch besser sieht es natürlich bei geschlossenem Dach aus. Dann schluckt das nur 3,92 Meter kurze Cabrio allein im Kofferraum 440 Liter. Damit ist der Tigra absolut langstrecken- und urlaubstauglich.

Schon die 90-PS-Basisversion Enjoy verfügt über Sportsitze, Lenkradhöhenverstellung, elektrische Fensterheber und elektrische Spiegelverstellung, Funkzentralverriegelung, Nebelscheinwerfer, vier Airbags sowie die Antischleuderhilfe ESP. Das alles gibt es schon ab 16.695 Euro. Eine knallharte Kampfansage an den Peugeot 206 CC, der mindestens 1805 Euro teurer ist. So gesehen, muss der TwinTop ein Erfolg werden.

Keine Schwächen beim Fahrwerk

Auch stilistisch setzt er zum überholen an. Jede Wette: Der trendige Tigra wird ein Frauenliebling. Trapezförmiger Grill und Bügelfalte in der Motorhaube buchstabieren die aktuelle Opel-Formensprache. Das Heck wirkt harmonisch. Klar erkennbar bleibt die ansteigende Linie des bis 2000 gebauten Tigra-Coupés. An den erinnern sich die Rüsselsheimer nur ungern. Sein Verkaufserfolg war bescheiden. Mit dem TwinTop soll alles anders werden.

Ein Blick ins Museum macht Mut. Offene Zweisitzer haben bei Opel nämlich eine lange Geschichte. Schon 1932 offerierte der Massenhersteller eine sportive Sonderversion des 1,8-Liter-Opel namens Moonlight Roadster. Das bildschöne Original begleitete seinen Klappdach-Nachfolger im übrigen stilvoll auf den Fotofahrten. Wie der Vorkriegsklassiker basiert auch der TwinTop auf einem Volumenmodell. Seine Plattform stammt vom Corsa. Und so fährt er sich auch. Instrumente, Lenkrad, Sitze, Schaltung – alles ist wie in Opels Einstiegsmodell. Leider auch der Sound. Für einen sportlichen Zweisitzer dürfte der 90-PS-Vierventiler – bitte schön – kerniger klingen. Stattdessen zieht er leise summend nach vorn. Die Kraftentfaltung ist phlegmatisch, aber ausreichend.

Auch das Fahrwerk zeigt keine Schwächen. Schlaglöcher erzeugen zwar spürbares Karosseriezittern, dennoch wirkt der Tigra auch auf schlechten Straßen steif genug und bietet ungetrübten Fahrspaß. Das gilt auch für den Verbrauch. Mehr als der Corsa 1.4 wird auch der Tigra dank Twinport-Technik nicht schlucken: 6,9 Liter sind ein guter Wert.

Verkaufsstart im September 2004

Schneller als 100 km/h mit offenem Dach zu fahren macht ohnehin kaum Spaß. Schon ab Tempo 80 wuseln kräftige Winde in den Haaren. Der Fahrtwind bringt aber leider auch die Gurte zum Flattern, die deshalb nervig an der Schulter zerren. Das mag noch als Marotte durchgehen, die Aufdringlichkeit des Dachholms dagegen nicht. Durch die sehr flach stehende Frontscheibe haben großgewachsene Fahrer buchstäblich ein Brett vorm Kopf. Personen über 1,85 Meter Länge sitzen trotz höhenverstellbaren Gestühls im Tigra eindeutig zu hoch, und wer nicht aufpasst, kann sich beim Ein- und Aussteigen bei der weit in den Innenraum ragenden A-Säule eine Kopfnuss abholen.

Leider setzt der TwinTop nicht die Herstellungstradition des Moonlight Roadsters fort. Der kommt von der Firma Deutsch in Köln und besticht durch hohe handwerkliche Qualität. Anders der Tigra. Er wird bei Opel-Partner Heuliez in Frankreich gefertigt. Dort sollte schleunigst die Verarbeitung verbessert werden. Der Testwagen stammte aus der Vorserienproduktion und konnte nicht überzeugen. Ungleiche Spaltmaße und schlecht entgratete Plastikteile sind auch mit dem günstigen Preis nicht zu entschuldigen.

Bis zum Verkaufsstart im September verspricht Opel, die Produktion zu perfektionieren und einwandfreie Autos auszuliefern. Glauben wir mal daran – und warten es ab. Sollte die Qualität dann stimmen, dürfte dem Tigra-Erfolg nichts im Wege stehen. Insgesamt 160.000 Roadster und Cabriolets werden dieses Jahr voraussichtlich in Deutschland neu zugelassen. Von diesem Kuchen will Opel mit dem TwinTop ein großes Stück abbeißen. Eines steht jetzt schon fest. Seinen bildschönen Vorgänger von 1932 wird er mit Sicherheit übertreffen. Der Moonlight Roadster wurde nur 51-mal gebaut.

Technische Daten Reihenvierzylinder • 4 Ventile pro Zylinder • zwei oben liegende Nockenwellen • Hubraum 1364 cm³ • Leistung 66 kW (90 PS) bei 5600/min • max. Drehmoment 125 Nm bei 4000/min • Frontantrieb • Fünfgang • Einzelradaufhängung vorn, Verbundlenker hinten • Kofferraum 250/440 l • Tank 45 l • Länge/ Breite/ Höhe 3921/1685/1364 mm • Reifen 185/60 R 15 H • Leergewicht 1235 Kilo • Zuladung 215 Kilo • Spitze 180 km/h • 0–100 km/h in 12,4 Sekunden • Euro 4 • Preis 16.695 Euro

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