Opel Tigra TwinTop gegen Peugeot 206 CC

Opel Tigra TwinTop gegen Peugeot 206 CC Opel Tigra TwinTop gegen Peugeot 206 CC

Opel Tigra TwinTop gegen Peugeot 206 CC

— 04.08.2004

Da liegt was in der Luft

Mit frischer Optik und frechem Preis fegt der TwinTop durch die Cabrio-Welt. Der Konflikt mit dem Bestseller 206 CC ist programmiert.

Viel Vergnügen zum kleinen Preis

Würde es doch mit allem immer nur bergauf gehen wie bei unseren Kleinwagen. Einst nur als billige Parkplatzsuchgeräte belächelt, gebärden sie sich heute wie respektlose Himmelsstürmer. Ganz gleich ob als Komfortkutsche (VW Polo), Lademeister (Skoda Fabia Combi) oder Rennsemmel (Renault Clio Sport) – es gibt anscheinend nichts, was sie nicht können.

Der kleine Peugeot 206+ greift seit 2001 sogar nach den Sternen: Seither nennen ihn Cabriofans in einem Atemzug mit dem Mercedes-Benz SLK. Weil er uns als CC den Luxus eines elektrisch versenkbaren Stahldaches schenkt. Auch jenen, die nicht über Zweit-Villen und Drittwagen verfügen.

Im Handumdrehen mauserte sich der Franzose zum beliebtesten Cabrio in Deutschland. Erst jetzt, ganze drei Jahre später, ist ein deutscher Autohersteller aufgewacht und will wie Peugeot viel Vergnügen zum kleinen Preis bieten. Letzteres ist wörtlich zu verstehen: Den neuen Opel Tigra TwinTop gibt es ab 16.695 Euro. Eindeutig: Da liegt was in der Luft, der Tigra wird wie ein Löwe mit dem 206 um Marktanteile kämpfen.

Automatischer Kofferraumdeckel

Die Aggressivität sieht man auf den ersten Blick: In der frechen Front mit den großen Scheinwerfern und breiten Kühlluftöffnungen steht ein grimmiges Grinsen, und die keilförmige Silhouette wirkt gespannt wie ein 100-Meter-Läufer kurz vor dem Startschuss. Aber die biedere Basis, der Corsa? Von der ist äußerlich nichts zu sehen. So macht der Opel einen besseren Eindruck als der Peugeot, den wir ja, Pardon, nicht wegen, sondern trotz seiner Optik ins Herz geschlossen haben. Das Heck wirkt zu lang und sieht mit den Bügeln und Erhebungen leider aus wie der Waschplatz unserer Ur-Oma.

Die Opel-Designer versuchten, den arttypischen langen Kofferraumdeckel mit Rückleuchten im Omnibus-Format aufzulockern. Durchaus mit Erfolg. Als noch bemerkenswerter gilt, was unter dem Deckel gelang: ein Kofferraum mit einem Volumen von sage und schreibe 440 Litern. Das gilt natürlich nur bei geschlossenem Verdeck. Hat das sein Versteck hinter den Vordersitzen aufgesucht, bleiben immerhin noch 250 Liter.

Weil die Klappen-Hydraulik ohnehin vorhanden ist, leisten sich die Opel-Leute einen Extra-Gag: Der Kofferraumdeckel schwingt auf Knopfdruck nach oben und wieder hinunter – die Automatik macht's möglich. Klingt komfortabel. Ist aber nervtötend, weil die Prozedur lange dauert und die Elektronik den Zugang zum Gepäckabteil nicht immer gewährt (Handbremse muss angezogen sein).

TwinTop verzichtet auf Notsitze im Fond

Beim Peugeot darf der Fahrer den Deckel selber zuwerfen. Er muss aber mit bescheidenen Kofferraumvolumina vorlieb nehmen: 410 beziehungsweise 175 Liter. Der Kofferraum ist zudem schlechter nutzbar als beim Opel, weil nur ein schmales horizontales Fach unter dem gefalteten Dach bleibt. Geschlossen bietet auch der 206 Ladekapazitäten (410 Liter) fast wie eine Limousine.

Ein eher seltener Zustand, haben die Ingenieure doch alles dafür getan, um uns bei jeder Gelegenheit an die Luft zu setzen: Zwei Entriegelungshebel am oberen Windschutzscheibenrahmen lösen und Knopf drücken – mehr braucht es nicht, um etwa 18 Sekunden später kein Dach mehr über dem Kopf zu haben. Nur der Opel hebt den (akustischen) Zeigefinger, wenn die Handbremse nicht gezogen ist. Dann ertönt nicht das Surren der Elektromotoren, sondern nur ein störrisches Piepen.

Spätestens jetzt, wenn die Autos offen vor uns stehen, sticht der gravierendste Unterschied zwischen beiden ins Auge: Während die französischen Frischluftfans zwei Notsitze in den Fond quetschten, offeriert der Opel nur eine (70 Liter große) Ablage. Klarer Vorteil also für den 206, auch wenn seine Fondplätze eher für Kleinkram als für Kinder taugen. Notfälle lassen sich mit dem Peugeot durchaus bewältigen. Wir wollen ja nicht kleinkariert sein: Wenn die Freiheit über den Köpfen grenzenlos ist, darf es an den Knien der Fondinsassen ruhig mal drücken.

Schade: Plastik-Bausätze im beiden Cockpit

Nicht zu vergessen: Wir haben es hier mit Kleinwagen zu tun, woran auch die Armaturenbretter erinnern. Es kommen die üblichen Plastik-Bausätze aus der Großserie zum Einsatz. Der Tigra-Fahrer blickt auf die Ödnis des Corsa, der CC-Lenker auf jene des 206. Immerhin gewährleistet die Technik weitgehend unproblematische Bedienung. Nur die Lenkradverstellungen könnten in beiden Fällen anpassungsfähiger sein.

Ausstattungskomfort wird nur in Frankreich groß geschrieben: Hier gibt es nicht nur die obligatorischen Fensterheber und Zentralverriegelung serienmäßig, auch Regensensor und Radio. Auf die stets aufpreispflichtige Klimaanlage sollte man nicht verzichten – bei geschlossenem Dach wird es in den Luftikussen genauso heiß wie in anderen Autos. Sommer vorausgesetzt.

Die Motoren-Daten bringen uns wenig in Wallung: Die 90 PS des Basis-Tigra dürften sich bei 1,2 Tonnen Leergewicht kaum als heißblütig entpuppen. Doch der 1,4-Liter schnurrt über die Landstraße genauso zufrieden wie sein Fahrer, dem der Wind um die Ohren rauscht. Gewiss, mit dem ebenfalls erhältlichen 125-PS-Motor wäre er flotter unterwegs. Aber nicht glücklicher. Nur dem Basis-Peugeot könnte er leichter folgen. Dessen 109 PS befähigen den Franzosen zu immerhin 193 km/h, 13 mehr als beim Opel. Theoretisch. In der Praxis verzichtet man auf Tachoanzeigen knapp an der 200er-Marke schon deshalb gern, weil dann Motor und Fahrtwind um die Wette brüllen. Im tollen Tigra bleibt es da insgesamt ruhiger.

Sportlich-straffer Tigra TwinTop

Trotzdem: Leiser als in einem gut gefütterten Stoffverdeck-Cabrio wie dem BMW 330Ci geht es hier nicht unbedingt zu. Macht aber nichts. Peugeot 206 und Opel Tigra gehören nicht auf die Autobahn. Sie sind coole Kisten zum knackigen Kurvenräubern in den Bergen.

Da darf es schon etwas stürmischer zugehen, besonders bei geöffnetem Verdeck, wenn oberhalb 100 km/h ordentlich der Wind in den Haaren zaust. Dazu passen die Losungen der Fahrwerke: Gelassen grinsend reinpfeffern ins Serpentinengeschlängel, rauskommen mit leuchtenden Augen und einer Ladung Fliegen auf den Zähnen.

Hart genug sind die Fahrwerke dafür gewiss. Besonders beim überraschend unkomfortablen Peugeot, bei dem zudem eine zähe Lenkung stört. Der ausgewogenere, sportlich straffe Opel mit gefühlvoller Lenkung reizt schon eher zum Roadster-Rennen. Auch weil seine steifere Karosserie weniger unter den einwirkenden Kräften ächzt. Der Peugeot zittert dagegen gehörig vor holperigen Strecken. Da geht der Griff nach den Sternen doch noch ein bisschen daneben.

Technische Daten und Preise

Ab 16.695 Euro lockt Opel Cabriofans. Peugeot hält mit dem "neuen" Einstiegsmodell Filou (bislang Sondermodell) dagegen.

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