Opel Vectra A (1988-1994)

Opel Vectra A Limousine Opel Vectra A Limousine

Opel Vectra A (1988-1994)

— 25.02.2002

Vectras Jugendsünden

Je älter der Vectra, desto größer seine Probleme: Vor allem der Rost macht dem Mittelklasse-Opel verstärkt zu schaffen.

Karosserie und Innenraum

In den nächsten Wochen geht die dritte Vectra-Generation an den Verkaufsstart. Grund genug, sich auf dem Gebrauchtwagenplatz nach einem Ur-Vectra umzusehen. Das Angebot ist reichlich, die Preise traditionell günstig, auf den ersten Blick zählen die Mittelklasse-Opel zu den Schnäppchen aus zweiter Hand. Doch prüfe, wer sich bindet, ob sich nicht was Besseres findet – das gilt für den Vectra ganz besonders.

Häufige Reparaturen können das Auto-Budget über Gebühr belasten. Denn der Vectra war stets ein braver Arbeiter, ein Kumpel für den Alltag, der den täglichen Weg zur Arbeit besser kennt als den Parkplatz vor dem Nobelhotel. Man sieht es am Zustand zahlreicher Fahrzeuge: Innenausstattung stark abgewohnt, Schalter und Sitze wackeln in ihrer Führung. Die Materialauswahl erfolgte offensichtlich unter Kostendruck, der Grundsatz "Masse vor Klasse" wurde schon am Fließband verfolgt.

Und bei der Konstruktion: Fahrwerk und Radstand wurden im Wesentlichen vom Ascona C übernommen, der damals als zuverlässiger Dauerläufer galt. Die Zeiten ändern sich, dem Vectra A stellt der TÜV ein schlechteres Zeugnis aus. Wobei hier nach dem Baujahr unterschieden werden muss. 94 und 95 gelten als weniger rostanfällig als die Fahrzeuge der Vorjahre. Hier braucht man nicht lange nach Gammel zu suchen, denn Löcher an den Radläufen oder Türen sieht selbst der Laie.

Achtung: Teile des Radlaufes liegen hinter dem Stoßfänger. Bei der Reparatur schneiden Profis den Radlauf einfach mit der Blechschere aus und schweißen ein passgenaues Blech ein. Die Teile sind billig, nur die Arbeitszeit kommt teuer.

Motor und Bremsen

An- oder durchgerostete Radläufe kommen selten allein, vielmehr zeigen sie, dass häufig mehr dahinter blüht. Etwa die Unterkante der Türen: Konnte hier kein Wasser ablaufen, gammelt der Hohlraum von innen nach außen. Eine Reparatur lohnt selten, ein Tür-Austausch kommt billiger. Geschickte Schrauber können hier noch vieles selber erledigen, denn die Konstruktion erfordert wenig Spezialwissen und -werkzeug.

Von den Bremsen allerdings sollten Hobby-Schrauber die Finger lassen. Auch wenn die Beläge der hinteren Trommelbremse leicht auszutauschen sind und das oft nötig wird. Sie verschleißen laut TÜV nämlich deutlich schneller als die Klötze an der Vorderachse. Etwas mehr Wartung als üblich sollte der Handbremse zukommen. Ihre Wirkung ist bei den Hauptuntersuchungen oft schwach und einseitig. Nicht gefährlich, aber lästig sind quietschende Bremsen, eine Alterserscheinung ausgehärteter Beläge.

Ein Mängellisten-Dauerbrenner der Prüfer ist ab dem siebten Fahrensjahr die Vorderachse. Hier muss eine Werkstatt helfen, denn die Gummilager lassen sich nur mit der Hydraulikpresse wechseln. Oft berichten unsere Leser von unrundem Motorlauf. Ein Wechsel von Zündkerzen, Verteilerkappe und -läufer bringt Besserung. Elektrik-Defekte sind ärgerlich und kommen teuer. Leuchtet die ABS-Kontrolle, liegt es oft am fehlerhaften Kontakt des Steckers am ABS-Geber. Eine Kleinigkeit – wenn man den Fehler findet.

Das gilt auch für lockere Massekabel. Teurer wird es bei streikenden Lichtmaschinen, hier hilft nur ein Austausch. Einige Baujahre haben ihre eigenen (typischen) Schwachstellen: Bei den Jahrgängen 92 und 93 blockiert oft die Handbremse, beim 94er dröhnt auffallend häufig die Auspuffanlage. Niedrige Preise machen den alten Vectra für viele zu einer ernsthaften Überlegung. Zuschlagen aber sollte nur, wer nicht auf teure Mechaniker angewiesen ist.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/88 Neueinführung des Opel Vectra A Stufenheck, ersetzt den Ascona C 3/89 Das Fließheck-Modell mit großer Heckklappe wird eingeführt 10/89 Modell 2000 16V mit 150 PS, Spoilerlippe am Kofferraumdeckel, Schwellerabdeckung und Stoßfänger mit Spoiler 11/92 Modellpflege: Opel-Blitz im Kühlergrill 2/93 Sondermodell "SPECIAL" mit Airbags, transparentes Schiebe-/Hubdach 12/95 Produktionsende, abgelöst durch Vectra B

Schwachstellen • die Vorderachse gilt nach dem siebten Jahr als anfällig, bis zum Baujahr 93 beobachten wir häufig massive Rostprobleme • Ölverlust ist meist ein Zeichen defekter Ölwannendichtungen • nach sieben Jahren zeigen sich wiederholt Funktionsstörungen an der vorderen Beleuchtungsanlage • Blinker und Warnblinkanlage werden bei allen Baujahren regelmäßig beanstandet • Auch anfällig: Fußbremse hinten sowie die Feststellbremse • das Kraftstoffpumpenrelais aus dem Baujahr 91 legte schon viele Fahrzeuge still • ein Lahm-Leger ist der Zahnriemen, der bei mangelnder Fahrzeugpflege reißen kann • Probleme an der Elektrik bereiten Steckverbindungen, lockere Massekabel und defekte Lichtmaschinen • Die Zündanlage ist im Alter launenhaft

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Opel Vectra A, 52 kW/71 PS, Baujahr 1994. Wer sparen will, kann dies auch bei den Ersatzteilen. Das Angebot an Gebrauchtware ist groß, und auch im Nachbau gibt es die wichtigsten Teile.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Opel Vectra zeigt bei unseren Hauptuntersuchungen nach neun und elf Jahren überdurchschnittlich oft Korrosion an Rahmen und tragenden Teilen. Ölverlust und Defekte an den Antriebswellen und an der Vorderachse monieren wir häufig nach dem siebten Jahr, ebenso Funktionsstörungen der hinteren Beleuchtungseinrichtung und der Blinker. Schwächen zeigen die Feststellbremse sowie die hintere Fußbremse, ebenso die Auspuffanlage." Günter Felderhoff, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Opel Vectra GL 1.6i (52 kW/71 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 173,43 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 6,4 Liter, gemessen 6,9 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (13/1000 Euro SB): 501 Euro. Teilkasko (20/300 Euro SB): 116 Euro. Haftpflicht (15): 856 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 300 Euro Wertverlust: Siebenjährige Vectra 1.6 kosten 3250 Euro, danach verlieren sie jährlich um 400 Euro

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