Opel Vectra Elegance 2.2

Opel Vectra Elegance 2.2 Opel Vectra Elegance 2.2

Opel Vectra Elegance 2.2

— 22.03.2002

Wende mit dem Vectra?

Nie war ein Auto wichtiger für Opel als der Vectra. Die neue Mittelklasse muss die ganze Marke zurück auf die Erfolgsspur bringen.

Neue Design-Richtung

Falls Sie jetzt gerade Musik nebenbei hören, schalten Sie die Anlage mal kurz ab. Ist jetzt alles ruhig im Raum? Okay, das ist ungefähr die Lautstärke des neuen Vectra bei Tempo 80, 100 oder auch 120 km/h im fünften Gang. Glauben Sie nicht? Kann ich mir vorstellen. Schließlich ist ein Vectra keine S-Klasse. Auch ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen. In was für einem Auto sitze ich?

Die ersten Kilometer in Opels dritter Vectra-Generation lösen bei mir wiederholt respektables Kopfnicken aus: hoher Komfort, leises Abrollen, solides Fahrgefühl. Alle Achtung! Ich könnte auch in einem Audi A4 oder einer Mercedes C-Klasse sitzen. Revolution in Rüsselsheim? Opel geht es zurzeit nicht besonders gut. Außer dem Zafira macht kein Modell die Opelaner so richtig glücklich. Marktanteile brechen weg, das Image war nie so lädiert wie heute. Kommt jetzt die Wende?

Der Vectra hat zumindest das Potenzial, sie einzuleiten. Schon optisch spricht die Limousine wesentlich mehr an als ihr Vorgänger. Die betont kantige Karosserie hält die Spannung, "zerfließt" nicht mehr. Mit den doppelstöckigen Klarglasscheinwerfern, den großen Bügeltürgriffen und dem markanten Trapezgrill mit dickem Blitz zeigt Opel erstmals seine neue Design-Linie in Großserie. Motto: Wir sind auf dem Weg nach oben.

Kopfairbags hinten serienmäßig

So wuchs der Vectra in seinen Dimensionen um eine halbe Klasse: zehn Zentimeter länger, fünf höher, neun breiter. Dazu sechs Zentimeter mehr Radstand. Letzteres kommt vor allem den Gästen im Fond zugute, die jetzt ausreichend Platz zur Verfügung haben. Außerdem sitzen sie höher als Fahrer und Beifahrer. Opel nennt dies "Theaterseating" (nach der dort ansteigenden Bestuhlung).

Ein deutlich besseres Raumgefühl als im Vorgänger habe ich hinter dem Lenkrad, das jetzt in Höhe und Reichweite verstellbar ist. Der Vectra wirkt weder zu eng noch zu groß. Er passt einfach. Auch die Auswahl der Cockpit-Materialien und deren Verarbeitung geben wenig Anlass zur Kritik. Lediglich im unteren Bereich der Tür oder an der Schaltkonsole hinterließ der Rotstift Spuren. Hier wären weichere Kunststoffe angebracht, würden so einen wertvolleren Eindruck hinterlassen. Spendabler zeigt sich Opel beim Thema Sicherheit. Neben zwei Front- und zwei Seiten-Airbags zählen sogar Kopfairbags vorn und hinten zur Serienausstattung.

Die Einstiegsmotorisierung für den neuen Vectra beginnt bei 1,8 Litern und 122 PS. Der Diesel startet mit 100 PS aus zwei Litern. Für die ersten Fahreindrücke standen der 2,2-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 147 PS sowie der ebenfalls 2,2 Liter große Diesel-Direkteinspritzer mit 125 PS bereit.

Elektrohydraulische Lenkung

Beide Motoren harmonieren gut mit der knapp 1,5 Tonnen schweren Limousine. Die Entfaltung der Leistung ist ausreichend, wobei der Diesel aufgrund seines höheren Drehmoments (280 Nm bei 1500/min) sogar etwas agiler zur Sache geht. Auf der Autobahn ist von seinem Arbeitsprinzip nichts mehr zu spüren, er läuft so leise wie noch vor einigen Jahren ein Ottomotor.

Opel gibt als Höchstgeschwindigkeit 206+ km/h an. Der Benziner bringt es auf 216 km/h. Gewünscht hätte ich mir eine etwas kürzere Übersetzung im dritten Gang, fürs häufige Abbiegen in der Stadt. Bei Geschwindigkeiten von unter 30 km/h wirkt der 2,2-Liter dann zu träge, ich möchte in den zweiten zurückschalten. Das ist unnötig, auch wenn die neuartige Seilzugschaltung recht knackig durch die Gassen geht.

Ähnlich leicht meistert der Vectra kurvenreiche Landstraßen. Die neu konstruierte elektrohydraulische Lenkung spricht gefühlvoll und direkt an, vermittelt so ein gutes Gefühl für die Vorderräder. Überhaupt hat Opel den Fahrqualitäten sehr viel Bedeutung beigemessen. Maßstab war in Sachen Handlichkeit der Ford Mondeo.

Doch setzten die Rüsselsheimer Techniker nicht nur auf gute Handlingeigenschaften, sondern auch auf eine komfortable Abstimmung. Der Kompromiss ist gelungen. Der Vectra lässt sich flott um die Kurven scheuchen, ohne dabei zu weich zu wirken oder gar Schaukelgefühle aufkommen zu lassen. Eine härtere Auslegung hätte nur den Reisekomfort geschmälert.

Hohe Ladekante, viel dahinter

Erstmals zum Einsatz kommt bei Opel das so genannte Interaktive Dynamische Fahrsystem (IDS). Darin sind alle Kontroll- und Sicherheitsfunktionen (inklusive Lenkung) zusammengefasst.

Hauptelement ist das Stabilitätsprogramm ESP plus (für alle Versionen serienmäßig), das in kritischen Situationen nicht wie sonst üblich nur ein Rad abbremst, sondern bei Bedarf bis zu drei. Vorteile: weicheres Einsetzen der Regelfunktionen, mehr Richtungsstabilität.

Geblieben ist dem Vectra sein großer Kofferraum, dessen Volumen nach wie vor 500 Liter beträgt. Sehr angenehm: Der Deckel öffnet weit über 90 Grad, was das Beladen erleichtert und Beulen an der Stirn vermeidet. Weniger angenehm: die zirka 15 Zentimeter hohe Ladekante. Sie war nicht zu vermeiden - sagt Opel. Andernfalls hätte die Karosseriesteifigkeit gelitten - und damit auch der ruhige Fahrkomfort sowie die Crashsicherheit.

Dafür können zur Erweiterung des Laderaums die Rücksitzlehnen getrennt nach vorn umgelegt werden. Allerdings bleibt im dann entstandenen Ladeboden ein unschöner Absatz. Er ist durch die Sitzkissen bedingt, die leider nicht mit hochklappen.

Fazit und technische Daten

Fazit Der neue Vectra überzeugt auf der ganzen Linie. Besonders hervorzuheben ist sein extrem hoher Fahrkomfort, der in dieser Klasse zurzeit von der Konkurrenz nicht erreicht wird. Und mit einem Einstandspreis von 20.250 Euro ist er sogar 1000 Euro billiger als der Vorgänger - ausstattungsbereinigt wohlgemerkt. Unterm Strich ergibt sich die beruhigende Erkenntnis: Um die Zukunft der Rüsselsheimer Marke müssen wir uns wohl keine Sorgen machen.

Technische Daten Opel Vectra Elegance 2.2 Vierzylindermotor, vorn quer eingebaut • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 2198 cm3 • Leistung 108 kW (147 PS) bei 5600/min • max. Drehmoment 203 Nm bei 4000/ min • Frontantrieb • Fünfganggetriebe • Einzelradaufhängung • Scheibenbremsen • ABS • ESP plus • Reifen 215/55 R 16 • Tank 61 l • Kofferraum 500 l • Länge/Breite/Höhe 4596/1798/1460 mm • Radstand 2700 mm • Leergewicht 1395 kg • Zuladung 475 kg • Durchschnittsverbrauch 8,6 l/100 km • Höchstgeschwindigkeit 216 km/h • Preis 24.100 Euro

Serienausstattung und Extras

Serienausstattung Basismodell Kopfairbags vorn und hinten • elektrische Außenspiegel • Granitdekor innen • elektrische Fensterheber vorn • ABS • ESP plus • Traktionskontrolle • Isofix-System hinten außen • aktive Kopfstützen • Fahrersitz höheneinstellbar • Durchlademöglichkeit hinten • Rücksitzlehne geteilt umlegbar • Info-Display • Zentralverriegelung mit Fernbedienung

Mehrausstattung "Comfort" Getränkehalter vorn und hinten • Klimaanlage • Breitreifen 215/55 R 16 • Mittelarmlehne vorn • Beifahrersitz höheneinstellbar

Mehrausstattung "Elegance" Ulmenholzdekor • elektrische Fensterheber hinten • Vierspeichen-Lederlenkrad • Nebelscheinwerfer • Leichtmetallräder • Lederschaltknauf • Velours-Polster • Türgriffe in Wagenfarbe

Extras Tempomat 200 Euro • Bordcomputer 320 Euro • Fünfgangautomatik 1750 Euro • Klimaanlage 1110 Euro • Metalliclackierung 435 Euro • Lederpolster 1800 Euro • Nebelscheinwerfer 140 Euro • Parkpilot 455 Euro • Navigationssystem mit Radio und Telefon 2475 Euro • 17-Zoll-Aluräder 1000 Euro • Regensensor 130 Euro • elektrische Sitzverstellung 855 Euro • Sitzheizung vorn 215 Euro • Schiebedach elektr. 820 Euro • Xenonlicht 900 Euro







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