Peugeot-Citroën/Opel: Kooperation geplant

Gemeinsame Plattformen von Opel und PSA

Opel und PSA: News und Infos

Was die PSA-Übernahme für Opel bedeutet

Im Opel-Werk Rüsselsheim sinkt die Auslastung. Jetzt erwägt Opel, Partner für sein Entwicklungszentrum an Bord zu holen. News und Infos zur Opel-PSA-Zukunft!
(Reuters/dpa/brü/cj) Beim Forschungs- und Entwicklungszentrum von Opel könnten wegen einer sinkenden Auslastung Partner an Bord genommen werden. Das Zentrum in Rüsselsheim bei Frankfurt mit aktuell mehr als 7500 Mitarbeitern werde auch künftig alle Opel-Modelle entwickeln und Aufgaben für die Kompetenzzentren des neuen Mutterkonzerns PSA übernehmen, teilte Opel am 4. Juli 2018 mit. Allerdings entfielen Auftragsarbeiten des früheren Eigners General Motors (GM) für das Zentrum. Nun müsse zusammen mit den Sozialpartnern eine Lösung gefunden werden. Das im November 2017 verabschiedete Sparprogramm "Pace" könne neben "internen organisatorischen Maßnahmen [...] auch strategische Partnerschaften umfassen". Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen.
"Der Appetit der Beschäftigten im Entwicklungszentrum, möglicherweise zu einem französischen Dienstleister zu gehen, ist gleich Null", sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug am 5. Juli 2018 nach einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung in Rüsselsheim. Offensichtlich versuche die Geschäftsleitung, hinter dem Rücken der Arbeitnehmer Tatsachen zu schaffen. Vor der Versammlung hatte Schäfer-Klug erklärt, die Arbeitnehmer sähen wenig Chancen auf eine Verständigung mit dem Management. Die Sorgen seien groß, dass von Opel nicht viel übrig bleibe.

"Le Monde": Teilverkauf des Forschungszentrums

Der Grandland X soll künftig in zwei Schichten in Eisenach montiert werden – auch als Hybrid-Version.

Zuvor hatte die französische Zeitung "Le Monde" berichtet, der französische Autobauer Peugeot Citroën (PSA) denke über einen Teilverkauf des Forschungs- und Entwicklungszentrums von Opel nach. Veräußert werden könnten vier Bereiche, die insgesamt mit 500 Millionen Euro bewertet würden, berichtete das Blatt am 3. Juli 2018 unter Berufung auf ein internes PSA-Dokument. In den Bereichen arbeiteten 3980 Angestellte. Der Verkauf könnte bis Jahresende unter Dach und Fach gebracht werden. PSA sei wegen der Verkaufspläne bereits an die französischen Firmen Altran, Akka und Segula sowie die deutsche Bertrandt herangetreten und habe deren Interesse abgeklopft. PSA teilte lediglich mit, dass bislang keine Entscheidungen getroffen worden seien. 

Neue Opel (2018, 2019 und 2020)

Opel soll profitabel werden 

Der PSA-Konzern hatte Opel im vergangenen Jahr übernommen. Unter Führung der Franzosen will die Marke mit dem Blitz nach rund zwei Jahrzehnten Verluste bald wieder schwarze Zahlen schreiben. Opel-Chef Michael Lohscheller erklärte in einer Stellungnahme, dass das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim auch in Zukunft eine wichtige Rolle im PSA-Konzern übernehmen solle. Das Zentrum habe außerdem neue Kompetenzen für den gesamten Konzern zugeteilt bekommen - unter anderem für die weitere Entwicklung der Brennstoffzelle und eine Architektur für leichte Nutzfahrzeuge.

Standortgarantie bis 2025

Zuletzt hatte sich Opel mit dem PSA-Konzern auf eine Standortgarantie bis 2025 geeinigt. Demnach sollen von den rund 19.000 Beschäftigten höchstens 3700 auf freiwilliger Basis das Unternehmen verlassen. Laut Opel haben bereits 3500 Mitarbeiter entsprechende Vereinbarungen getroffen. Die übrigen sind vor betriebsbedingten Kündigungen bis einschließlich Juli 2023 geschützt.

Investitionen für sämtliche Werke und Standorte

Nach intensiven Verhandlungen sicherte Opel wichtige Investitionen und Projekte für sämtliche Werke und Standorte zu. So soll in Eisenach künftig der Geländewagen Grandland X inklusive einer Hybridversion (ab 2020) gebaut werden. In dem Thüringer Werk werde der Personalabbau auf 450 Personen begrenzt, berichtete die IG Metall. Über die Investitionen in den übrigen Standorten will Opel "zu gegebener Zeit" informieren. 

Das sind die Pläne von PSA zur Opel-Zukunft im Einzelnen:

Opels Lage und Probleme

Was sind die Kernprobleme? Opel schrieb jahrelang hohe Verluste. In knapp zwei Jahrzehnten gingen weit mehr als 30.000 Jobs verloren, der Marktanteil in Europa schrumpfte von fast zehn auf unter sechs Prozent, zuletzt nur noch erkauft mit einer Rekordzahl von Eigenzulassungen. Die langjährige Tochter des US-Konzerns GM wurde daher zum 1. August 2017 an das französische Unternehmen PSA (Peugeot, Citroën) verkauft. Dieses forderte von Opel binnen 100 Tagen einen Sanierungsplan. PSA-Chef Carlos Tavares warnte damals: Man dürfe keine Zeit verlieren. Wenn bei Opel nichts passiere, werde sich die Situation verschlimmern. Wie weit ist man auf dem Weg der Besserung? Opel ist auch unter dem neuen Eigner noch nicht so recht in Schwung gekommen. In den ersten vier Monaten lag der Marktanteil von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall nach Daten des Herstellerverbandes ACEA in Europa (EU und EFTA) bei 5,7 (Vorjahreszeitraum: 6,3) Prozent. Das ist etwa die Hälfte dessen, was der Branchenriese VW auf die Waage bringt. Mit VW konnten sich die Rüsselsheimer einst messen. Dabei haben die Franzosen Erfahrung mit Konzernumbauten: Nachdem PSA 2014 selbst noch mit Kapitalspritzen gestützt werden musste, legt das Unternehmen nach einer Rosskur inzwischen Rekordrenditen vor. PSA-Chef Carlos Tavares hatte die Umbaupläne für Opel so begründet, dass Opel am Ende ein gesundes Unternehmen mit eigener Investitionskraft werden könne.

Zukunftspläne für Opel: Sparplan "Pace" und Renditeziele

Was ist "Pace"? Opel will bei seinem Sanierungsprogramm "Pace" (engl. Tempo) mit einem schnellen Schwenk auf die Technologie des neuen Mutterkonzern PSA in die Gewinnzone kommen. Die Kosten pro hergestelltem Auto sollten um 700 Euro sinken, sodass bereits ab 800.000 Autos die Gewinnzone erreicht werde, kündigte der Autobauer an. "Wir werden jeden Stein umdrehen, um Kosten zu senken", versprach Opel-Chef Lohscheller. Was ist das Ziel beim Sparen und bei der Rendite? Durch eine schlankere Produktpalette, eine kostengünstigere Produktion sowie einen gemeinsamen Einkauf will Opel/Vauxhall bis 2020 jedes Jahr 1,1 Milliarden Euro an Kosten einsparen. So soll ein operativer Gewinn in Höhe von zwei Prozent des Umsatzes erreicht werden. Danach sollen es sogar 1,7 Milliarden Euro jährliche Einsparungen sein, die Rendite soll bis 2026 auf sechs Prozent steigen. Darf Opel jetzt weltweit agieren? Ja. Opel darf unter PSA-Führung neue Märkte erobern. Bis 2022 werde der Autobauer auf mehr als 20 weiteren Exportmärkten tätig sein, kündigte Lohscheller bei der Präsentation des Zukunftsplanes in Rüsselsheim an. General Motors hatte die Rüsselsheimer auf Europa beschränkt, um die eigenen Marken auf wichtigen Märkten nicht zu kannibalisieren, und Opel damit wichtiger Wachstumschancen beraubt.

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Modelle, Motoren, E-Autos

Der GM-basierte Opel Mokka dürfte vermutlich 2019 das Zeitliche segnen.

Wird die Zahl der Modelle und Plattformen eingeschränkt? Sehr stark sogar. Bis 2024 soll Opel nur noch zwei statt bisher neun verschiedene Plattformen nutzen, natürlich von PSA und mit den Bezeichnungen CMP und EMP2. Ähnlich bei den Motoren und Getrieben: Vier statt zehn bis 2024 lautet hier die Zielvorgabe. Der Umstieg von GM- auf PSA-Technik soll laut Michael Lohscheller schneller vonstatten gehen als bisher geplant. Bestehende Vereinbarungen will der Konzern einhalten, neue Vereinbarungen wird es aber voraussichtlich nicht geben. Immerhin soll Opel die Entwicklung der Vierzylinder-Motoren für PSA übernehmen. Welche Opel-Modelle werden betroffen sein? Fest steht: Zwei bereits geplante Modelle, die noch auf der Technik des früheren Eigners General Motors basieren, werden in den Werken Eisenach und Rüsselsheim durch neue Projekte auf PSA-Plattformen ersetzt. Anstelle des ab 2019 für Eisenach als einziges Modell geplanten Opel Mokka soll es nun ein Geländewagen mit PSA-Technik werden. Wie sieht die neue Elektro-Strategie aus? Es sind Elektrovarianten für jede Baureihe vorgesehen. Dabei spielt der noch von GM entwickelte Opel Ampera-e keine Rolle mehr. Im Jahr 2020 will Opel mit PSA-Technologie bereits vier Elektromodelle inklusive des neuen Corsa auf dem Markt haben und vier Jahre später jedes Modell auch in einer E-Variante anbieten können. Zu diesem Zeitpunkt soll es keine Fahrzeuge auf GM-Basis mehr im Programm geben.

Neue Peugeot/Citroën/DS (bis 2020)

Peugeot 2008 IllustrationCitroën C5 IllustrationPeugeot 508 Illustration

Arbeitsplätze und Standorte

Wie soll bei der Belegschaft gespart werden? Die Lohnkosten sollen laut Opel-Boss Lohscheller über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden. So sollen zahlreiche 40-Stunden-Verträge auf die tariflich vereinbarten 35 Stunden zurückgefahren werden. Wird es Kündigungen geben? Opel beschäftigt gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall knapp 38.000 Menschen an zehn europäischen Standorten. Das am 29. Mai 2018 ausgehandelte Eckpapier sieht vor, dass sich Opel von 3700 Mitarbeitern in Deutschland trennt. Die übrigen 19.000 sind bis Juli 2023 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt, müssen allerdings bis dahin auf sämtliche Tariferhöhungen verzichten. Was sagt der Betriebsrat? Die jüngsten Spekulationen über einen Teilverkauf des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim alarmieren den Betriebsrat. Das Gremium plant kurzfristig eine Betriebsversammlung, bei der das Management Rede und Antwort stehen soll. "Ein (Aus-)Verkauf der Opel-Entwicklung würde Opel die Zukunft nehmen", kritisierten die Arbeitnehmervertreter. Was bedeutet der Opel-Verkauf an PSA für die deutschen Standorte? Das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim soll künftig innerhalb des PSA-Konzerns eine Schlüsselrolle einnehmen, verliert wegen wegfallender Aufträge von GM aber an Auslastung. Aber: "Alle neuen Fahrzeuge von Opel/Vauxhall werden in Rüsselsheim entwickelt", versprach Lohscheller. Für diesen Standort vorgesehene Aufgabenfelder sind zudem die Entwicklung von Brennstoffzellen, ausgewählten Assistenzsystemen und Technologien zum automatisierten Fahren. In Eisenach wird künftig der Grandland X produziert, ab 2020 auch als Hybridversion; hier müssen 450 Mitarbeiter gehen. Details zu den anderen deutschen Standorten will das Unternehmen "zu gegebener Zeit" veröffentlichen.

Zitate Tavares und Lohscheller zur Opel-Zukunft
"Früher wurde alles in Detroit entschieden, heute ist es nicht Paris, sondern das Zentrum der Entscheidungen ist Rüsselsheim." (PSA-Chef Carlos Tavares zur Rolle des vom US-Autokonzern General Motors übernommenen Herstellers Opel unter der Ägide der neuen französischen Mutter.)
"Opel bleibt eine echte und wirkliche deutsche Marke." Opel-Chef Michael Lohscheller zur Zukunft des Autobauers unter französischer Führung.

Opels bewegte Geschichte

Rüsselsheim in Hessen ist seit der Geburtsstunde 1862 Stammsitz von Opel.

Der einstmals glanzvolle Autohersteller Opel wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 von General Motors übernommen. Seit 1999 erwirtschaftete Opel unter der GM-Ägide keinen Jahresgewinn mehr. Zwei Werksschließungen, neue Milliardeninvestitionen, einem kräftigen Personalwechsel und vielen neuen Modellen (u.a. Mokka und Adam) später erholt sich der Autobauer wieder und schreibt zwischenzeitlich zumindest wieder quartalsweise schwarze Zahlen. Zum August 2017 übernahm die Peugeot/Citroën-Mutter PSA das Unternehmen samt der britischen Schwestermarke Vauxhall für rund 2,2 Milliarden Euro. Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeitern ungleich größer als Opel.

Gemeinsame Plattformen von Opel und PSA

Fotos: Werk

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PSA

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