Gemeinsame Plattformen von Opel und PSA

Opel-Verkauf an PSA: News und Infos

— 30.11.2017

Opel: PSA will 500 Millionen von GM zurück

Alle News und Infos zur Opel-Zukunft: Neu-Mutter PSA fordert von GM offenbar den halben Kaufpreis zurück – mindestens 500 Millionen Euro. GM bestätigt Gespräche.

Einem Reuters-Bericht zufolge fordert Carlos Tavares nach dem Opel-Kauf Geld von GM zurück.

(Reuters/dpa/brü/cj) Vier Monate nach dem Kauf von Opel will der französische Autokonzern PSA (Peugeot, Citroën, DS, Opel und Vauxhall) vom früheren Opel-Eigentümer GM offenbar rund die Hälfte des Kaufpreises zurück. Die Rede ist von 500 bis 800 Millionen Euro. Das zumindest berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf namentlich nicht genannte Insider. Hintergrund: GM habe die Opel-Flotte in den Verkaufsgesprächen mit Blick auf künftige CO2-Ziele als zu sauber dargestellt. Das könne angesichts der strengen Grenzwerte in der EU zu hohen Strafen führen. Während Opel und PSA jeglichen Kommentar ablehnten, bestätigte GM immerhin Gespräche über Anpassungen der Übernahmebedingungen. Dabei gehe es jedoch um Fragen der Buchhaltung und nicht um Abgasprobleme. Von Ansprüchen bezüglich von CO2-Zielen wisse man nichts. Dennoch geriet die GM-Aktie unter Druck. PSA hatte rund 1,3 Milliarden Euro für Opel bezahlt.

Täuschungsvorwurf wegen CO2-Emissionen

PSA-Chef Carlos Tavares hatte zuletzt mehrfach öffentlich die CO2-Bilanz von Opel kritisiert, wo der Flottendurchschnitt zuletzt bei 127 Gramm CO2 pro Kilometer lag. PSA kommt nach eigenen Angaben auf 101 Gramm. Von 2020 an sind 95 Gramm vorgeschrieben. Anfang November hatte Tavares zudem gesagt, dass der seit Jahren Verluste schreibende Rüsselsheimer Autobauer "in einer dramatischen Lage" sei und es derzeit nicht schaffe, das Ziel von 95 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer zu schaffen. Die EU-Kommission hatte erst vor Kurzem eine weitere Absenkung der Grenzwerte um 30 Prozent bis 2030 gefordert, um die Autobauer zu mehr Klimaschutz zu zwingen.

Das sind die Pläne von PSA zur Opel-Zukunft im Einzelnen:
• Opels aktuell größte Probleme
• Sanierungsplan "Pace" soll Kosten sparen
• Neue Modellstrategie: Aus für Mokka und Ampera-e
• Keine betriebsbedingten Kündigungen - Standorte bleiben
• Opels bewegte Geschichte

Opels aktuelle Lage und Probleme

Was sind die Kernprobleme? Opel schreibt seit Jahren hohe Verluste. In knapp zwei Jahrzehnten gingen weit mehr als 30.000 Jobs verloren, der Marktanteil in Europa schrumpfte von fast zehn auf unter sechs Prozent, zuletzt nur noch erkauft mit einer Rekordzahl von Eigenzulassungen. Die langjährige Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) wurde daher zum 1. August 2017 an das französische Unternehmen PSA (Peugeot, Citroën) verkauft. Dieses hatte Opel aufgefordert, innerhalb von 100 Tagen einen Sanierungsplan vorzulegen. PSA-Chef Carlos Tavares nahm am 9. November 2017 bei der Präsentation kein Blatt vor den Mund: "Die Situation ist dramatisch, das sollten wir ohne Umschweife auch sagen." Man dürfe keine Zeit verlieren. Wenn bei Opel nichts passiere, werde sich die Situation verschlimmern, warnte Tavares. So sei Opel zum Beispiel derzeit nicht in der Lage, die Grenzwerte für Kohlendioxid in der EU für 2021 von 95 Gramm je Kilometer einzuhalten und stünde vor Strafzahlungen. Eine weitere Verschärfung der CO2-Grenzwerte durch die EU-Kommission bis 2030 droht. Wie weit ist man auf dem Weg der Besserung? Tavares sagte zu den Umbauplänen: "Es muss ganz klar sein, dass wir nur fünf Prozent geleistet haben und jetzt 95 Prozent der Umsetzung vor uns haben." Das Management werde nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschrecken. Doch am Ende könne Opel dadurch ein gesundes Unternehmen mit eigener Investitionskraft werden. Das Management will Tavares nicht an der kurzen Leine führen, Opel bleibe ein deutsches Unternehmen: "Wir haben kein Mikro-Management mit Opel-Vauxhall vor. Opel bleibt in der Hand des Opel-Chefs und des Vorstands."

Neue Opel (bis 2019)

Opels Zukunft: Sparplan "Pace" und Renditeziele

Was ist "Pace"? Opel will bei seinem Sanierungsprogramm "Pace" (engl. Tempo) mit einem schnellen Schwenk auf die Technologie des neuen Mutterkonzern PSA in die Gewinnzone kommen. Die Kosten pro hergestelltem Auto sollten um 700 Euro sinken,

Michael Lohscheller löste im Juli 2017 Karl-Thomas Neumann an der Opel-Spitze ab.

sodass bereits ab 800.000 Autos die Gewinnzone erreicht werde, kündigte der Autobauer an. "Wir werden jeden Stein umdrehen, um Kosten zu senken", versprach Opel-Chef Michael Lohscheller. Was ist das Ziel beim Sparen und bei der Rendite? Durch eine schlankere Produktpalette, eine kostengünstigere Produktion sowie einen gemeinsamen Einkauf will Opel/Vauxhall bis 2020 jedes Jahr 1,1 Milliarden Euro Kosten einsparen. So soll ein operativer Gewinn in Höhe von zwei Prozent des Umsatzes erreicht werden. Danach sollen es sogar 1,7 Milliarden Euro jährliche Einsparungen sein, die Rendite soll bis 2026 auf sechs Prozent steigen. Darf Opel jetzt in die weite Welt hinaus? Ja. Opel darf unter PSA-Führung neue Märkte erobern. Bis 2022 werde der Autobauer auf mehr als 20 weiteren Exportmärkten tätig sein, kündigte Lohscheller bei der Präsentation des Zukunftsplanes in Rüsselsheim an. Darüber hinaus werde der Gang nach China und Brasilien geprüft. "Opel wird global werden – endlich", freute sich Lohscheller. General Motors hatte die Rüsselsheimer auf Europa beschränkt, um die eigenen Marken auf wichtigen Märkten nicht zu kanibalisieren, und Opel damit wichtiger Wachstumschancen beraubt.

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Modelle, Motoren, E-Autos

Der GM-basierte Opel Mokka dürfte vermutlich 2019 das Zeitliche segnen.

Wird die Zahl der Modelle und Plattformen eingeschränkt? Ja, sehr stark sogar. Bis 2024 soll Opel nur noch zwei statt bisher neun verschiedene Plattformen nutzen, natürlich von PSA und mit den Bezeichnungen CMP und EMP2. Ähnlich bei den Motoren und Getrieben: Vier statt zehn bis 2024 lautet hier die Zielvorgabe. Der Umstieg von GM- auf PSA-Technik soll laut Michael Lohscheller schneller vonstattengehen als bisher geplant. Bestehende Vereinbarungen will der Konzern einhalten, neue Vereinbarungen wird es aber voraussichtlich nicht geben. Welche Modelle werden betroffen sein? Fest steht: Zwei bereits geplante Modelle, die noch auf der Technik des früheren Eigners General Motors basieren, werden in den Werken Eisenach und Rüsselsheim durch neue Projekte auf PSA-Plattformen ersetzt. Einer davon ist der Opel Mokka, der eigentlich ab 2019 in Eisenach als einziges Modell vom Band rollen sollte. Stattdessen soll es nun ein Geländewagen mit PSA-Technik werden. Wie sieht die neue Elektro-Strategie aus? Es sind Elektrovarianten für jede Baureihe vorgesehen. Dabei spielt der noch von GM entwickelte Opel Ampera-e keine Rolle mehr. Im Jahr 2020 will Opel mit PSA-Technologie bereits vier Elektromodelle inklusive des neuen Corsa auf dem Markt haben und vier Jahre später jedes Modell auch in einer E-Variante anbieten können. Zu diesem Zeitpunkt soll es keine Fahrzeuge auf GM-Basis mehr im Programm geben.

Peugeot/Citroën-Neuheiten bis 2019

Peugeot 2008 Illustration Citroën C5 Illustration Peugeot 508 Illustration

Arbeitsplätze und Standorte

Wie soll bei der Belegschaft gespart werden? Die Lohnkosten sollen laut Opel-Boss Lohscheller über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden. So sollen zahlreiche 40-Stunden-Verträge auf die tariflich vereinbarten 35 Stunden zurückgefahren werden. Wird es Kündigungen geben? Opel beschäftigt gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall knapp 38.000 Menschen an zehn europäischen Standorten. Bis Ende 2018 sind die rund 19.000 Opel-Mitarbeiter in Deutschland vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Allerdings macht Peugeot-Chef Tavares den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bei Opel vom Erfolg der Sanierung abhängig: "Noch einmal, wir müssen sehr ehrlich sein", sagte er auf einer Branchenveranstaltung in Berlin. Letztendlich könnten Entlassungen nur in dem Ausmaß vermieden werden, in dem die Umsetzung des Restrukturierungsplans Ergebnisse zeige. Bei PSA hat Tavares die Belegschaft seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren um 20.000 auf rund 90.000 Mitarbeiter geschrumpft. PSA ist inzwischen mustergültig profitabel und die Fabriken ausgelastet. Was sagt der Betriebsrat? Die Arbeitnehmervertreter reagierten positiv auf die Pläne. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolgang Schäfer-Klug betonte den Unterschied zum Alt-Eigentümer GM. Dessen Konzernregal sei bezüglich alternativer Antriebe leer gewesen, Opel sei eine eigene Entwicklung untersagt worden. "Dies ist nun anders: PSA verfügt über eine klare CO2-Strategie, die Opel hilft." Die allgemeinen  Beschäftigungszusagen müssten nun in Verhandlungen für den Zeitraum bis 2020 verschriftlicht werden. Was bedeutet der Opel-Verkauf an PSA für die deutschen Standorte? Das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim soll künftig innerhalb des PSA-Konzerns eine Schlüsselrolle einnehmen. Und: "Alle neuen Fahrzeuge von Opel/Vauxhall werden in Rüsselsheim entwickelt", versprach Lohscheller. Für diesen Standort vorgesehene Aufgabenfelder sind zudem die Entwicklung von Brennstoffzellen, ausgewählten Assistenzsystemen und Technologien zum automatisierten Fahren. In Eisenach soll wie erwähnt ein neues SUV auf Basis der EMP2-Architektur (Opel Grandland X; Peugeot 3008; Citroën C5 Aircross) von PSA ab 2019 in Eisenach vom Band rollen. Das Komponentenwerk in Kaiserslautern soll künftig PSA-Motoren herstellen.
Zitate Tavares und Lohscheller zur Opel-Zukunft
"Früher wurde alles in Detroit entschieden, heute ist es nicht Paris, sondern das Zentrum der Entscheidungen ist Rüsselsheim."

(PSA-Chef Carlos Tavares zur Rolle des vom US-Autokonzern General Motors übernommenen Herstellers Opel unter der Ägide der neuen französischen Mutter.)
"Opel bleibt eine echte und wirkliche deutsche Marke."

Opel-Chef Michael Lohscheller zur Zukunft des Autobauers unter französischer Führung.

Opels bewegte Geschichte

Rüsselsheim in Hessen ist seit der Geburtsstunde 1862 Stammsitz von Opel.

Der einstmals glanzvolle Autohersteller Opel wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 von General Motors übernommen. Seit 1999 erwirtschaftete Opel unter der GM-Ägide keinen Jahresgewinn mehr. Angesichts einer drohenden GM-Insolvenz und tiefen Einschnitten will sich Opel 2009 mit staatlicher Unterstützung von der US-Mutter lösen, ein Verkauf an den österreichischen Zulieferer Magna scheitert in letzter Sekunde. Zwei Werksschließungen, neue Milliardeninvestitionen, einem kräftigen Personalwechsel und vielen neuen Modellen (u.a. Mokka und Adam) später erholt sich der Autobauer wieder und schreibt zwischenzeitlich zumindest wieder quartalsweise schwarze Zahlen. Zum 1. August 2017 übernahm die Peugeot/Citroën-Mutter PSA das Unternehmen samt der britischen Schwestermarke Vauxhall für rund 2,2 Milliarden Euro. Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeitern ungleich größer als Opel.

Gemeinsame Plattformen von Opel und PSA

Fotos: Werk

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