Gemeinsame Plattformen von Opel und PSA

Opel und PSA: News und Infos

Was die PSA-Übernahme für Opel bedeutet

Große Unruhe bei Opel: Offenbar ist ein kräftiger Personalabbau geplant, vor allem in Eisenach. Es gab Betriebsversammlungen. Alle News und Infos zur Opel-PSA-Zukunft!

Im thüringischen Eisenach wird unter anderem der Opel Adam produziert. Noch.

(Reuters/dpa/brü/cj) Der Personalabbau bei Opel könnte deutlich stärker ausfallen als gedacht. Darüber informierte der Betriebsrat am 19. April 2018 die Belegschaft auf einer nicht öffentlichen Betriebsversammlung. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sagte im Anschluss vor Journalisten, die bisherigen Vorschläge der französischen Konzernmutter PSA sähen etwa für das Montagewerk in Eisenach lediglich den Bau einer Baureihe (ein SUV) vor. Dies wäre mit einer Halbierung der Belegschaft auf 700 bis 1000 Beschäftigte verbunden. Aktuell arbeiten in dem kleinsten Opel-Werk in Thüringen knapp 1800 Menschen. Betriebsrat und IG Metall fordern wie bisher zwei Fahrzeuge, um das Werk auszulasten. Der derzeit dort produzierte Kleinwagen Opel Adam soll zunächst weiterlaufen, während der Opel Corsa künftig ausschließlich in Spanien gebaut wird. Dem Vernehmen nach soll von drei auf zwei Schichten umgestellt werden.

"Die Belegschaft ist geschockt"

Die "Wirtschaftswoche" berichtete unter Berufung auf Teilnehmer, auf der Betriebsversammlung seien Charts mit unterschiedlichen Szenarien über einen möglichen Personalabbau gezeigt worden. Daraus gehe hervor, dass das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim im Jahr 2020 nur noch Arbeit für knapp 4000 bis 5000 Mitarbeiter haben könnte. Aktuell arbeiten in dem Entwicklungszentrum 7700 Menschen. Die Gewerkschaft wirft Opel vor, die Beschäftigten mit der Drohung von Arbeitplatzabbau unter Druck zu setzen, um in den laufenden Verhandlungen über die Auslastung der Werke Zugeständnisse zu erreichen. Die Belegschaft sei geschockt, sagte Schäfer-Klug. Ein solches Verhalten hätten die Mitarbeiter selbst unter dem früheren Eigner GM nie erlebt. Dieser hatte bereits Tausende Stellen gestrichen und Werke geschlossen, darunter das Werk in Bochum.

Lohscheller: "Erste Sanierungserfolge"

Michael Lohscheller löste im Juli 2017 Karl-Thomas Neumann an der Opel-Spitze ab.

Die IG Metall pocht darauf, dass PSA Verträge zur Auslastung der Werke einhält, die bereits mit dem früheren Opel-Eigner General Motors vereinbart wurden. Die Gewerkschaft befürchtet einen Dominoeffekt für Rüsselsheim und Kaiserslautern, sollte sich PSA in Eisenach durchsetzen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte PSA auf, bei der Übernahme gemachte Zusagen einzuhalten. Opel-Chef Michael Lohscheller dagegen verwies auf die laufenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Laut Lohscheller gebe es bereits erste Sanierungserfolge, die Erträge würden besser. Opel wolle in Deutschland investieren, doch man müsse die Kosten drücken. Teilweise seien die Opel-Werke doppelt so teuer wie die von PSA. Laut "Wirtschaftswoche" lief das erste Quartal 2018 für Opel dennoch nicht optimal: Es seien 25.000 Autos weniger als im Vorjahr verkauft worden. Als Gründe dafür habe Lohscheller den bevorstehenden EU-Ausstritt Großbritanniens und die schwächer wachsende Türkei genannt.

Opels aktuelle Lage und Probleme

Was sind die Kernprobleme? Opel schreibt seit Jahren hohe Verluste. In knapp zwei Jahrzehnten gingen weit mehr als 30.000 Jobs verloren, der Marktanteil in Europa schrumpfte von fast zehn auf unter sechs Prozent, zuletzt nur noch erkauft mit einer Rekordzahl von Eigenzulassungen. Die langjährige Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) wurde daher zum 1. August 2017 an das französische Unternehmen PSA (Peugeot, Citroën) verkauft. Dieses forderte von Opel binnen 100 Tagen einen Sanierungsplan. PSA-Chef Carlos Tavares warnte damals: Man dürfe keine Zeit verlieren. Wenn bei Opel nichts passiere, werde sich die Situation verschlimmern. Wie weit ist man auf dem Weg der Besserung? Tavares sagte zu den Umbauplänen: Das Management werde nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschrecken. Doch am Ende könne Opel dadurch ein gesundes Unternehmen mit eigener Investitionskraft werden, Opel bleibe ein deutsches Unternehmen. Opel-Chef Michael Lohscheller stellte im April 2018 erste kleine Verbesserungen fest, beispielsweise bei den Erträgen. Opel wolle in Deutschland investieren, doch man müsse die Kosten drücken.

Neue Opel (2018 und 2019)

Opels Zukunft: Sparplan "Pace" und Renditeziele

Was ist "Pace"? Opel will bei seinem Sanierungsprogramm "Pace" (engl. Tempo) mit einem schnellen Schwenk auf die Technologie des neuen Mutterkonzern PSA in die Gewinnzone kommen. Die Kosten pro hergestelltem Auto sollten um 700 Euro sinken, sodass bereits ab 800.000 Autos die Gewinnzone erreicht werde, kündigte der Autobauer an. "Wir werden jeden Stein umdrehen, um Kosten zu senken", versprach Opel-Chef Lohscheller. Was ist das Ziel beim Sparen und bei der Rendite? Durch eine schlankere Produktpalette, eine kostengünstigere Produktion sowie einen gemeinsamen Einkauf will Opel/Vauxhall bis 2020 jedes Jahr 1,1 Milliarden Euro an Kosten einsparen. So soll ein operativer Gewinn in Höhe von zwei Prozent des Umsatzes erreicht werden. Danach sollen es sogar 1,7 Milliarden Euro jährliche Einsparungen sein, die Rendite soll bis 2026 auf sechs Prozent steigen. Darf Opel jetzt in die weite Welt hinaus? Ja. Opel darf unter PSA-Führung neue Märkte erobern. Bis 2022 werde der Autobauer auf mehr als 20 weiteren Exportmärkten tätig sein, kündigte Lohscheller bei der Präsentation des Zukunftsplanes in Rüsselsheim an. General Motors hatte die Rüsselsheimer auf Europa beschränkt, um die eigenen Marken auf wichtigen Märkten nicht zu kanibalisieren, und Opel damit wichtiger Wachstumschancen beraubt.

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Modelle, Motoren, E-Autos

Der GM-basierte Opel Mokka dürfte vermutlich 2019 das Zeitliche segnen.

Wird die Zahl der Modelle und Plattformen eingeschränkt? Ja, sehr stark sogar. Bis 2024 soll Opel nur noch zwei statt bisher neun verschiedene Plattformen nutzen, natürlich von PSA und mit den Bezeichnungen CMP und EMP2. Ähnlich bei den Motoren und Getrieben: Vier statt zehn bis 2024 lautet hier die Zielvorgabe. Der Umstieg von GM- auf PSA-Technik soll laut Michael Lohscheller schneller vonstattengehen als bisher geplant. Bestehende Vereinbarungen will der Konzern einhalten, neue Vereinbarungen wird es aber voraussichtlich nicht geben. Welche Modelle werden betroffen sein? Fest steht: Zwei bereits geplante Modelle, die noch auf der Technik des früheren Eigners General Motors basieren, werden in den Werken Eisenach und Rüsselsheim durch neue Projekte auf PSA-Plattformen ersetzt. Anstelle des ab 2019 für Eisenach als einziges Modell geplanten Opel Mokka soll es nun ein Geländewagen mit PSA-Technik werden. Wie sieht die neue Elektro-Strategie aus? Es sind Elektrovarianten für jede Baureihe vorgesehen. Dabei spielt der noch von GM entwickelte Opel Ampera-e keine Rolle mehr. Im Jahr 2020 will Opel mit PSA-Technologie bereits vier Elektromodelle inklusive des neuen Corsa auf dem Markt haben und vier Jahre später jedes Modell auch in einer E-Variante anbieten können. Zu diesem Zeitpunkt soll es keine Fahrzeuge auf GM-Basis mehr im Programm geben.

Neue Peugeot/Citroën/DS (bis 2020)

Peugeot 2008 IllustrationCitroën C5 IllustrationPeugeot 508 Illustration

Arbeitsplätze und Standorte

Wie soll bei der Belegschaft gespart werden? Die Lohnkosten sollen laut Opel-Boss Lohscheller über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden. So sollen zahlreiche 40-Stunden-Verträge auf die tariflich vereinbarten 35 Stunden zurückgefahren werden. Wird es Kündigungen geben? Opel beschäftigt gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall knapp 38.000 Menschen an zehn europäischen Standorten. Bis Ende 2018 sind die rund 19.000 Opel-Mitarbeiter in Deutschland vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Allerdings macht Peugeot-Chef Tavares den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bei Opel vom Erfolg der Sanierung abhängig: "Noch einmal, wir müssen sehr ehrlich sein", sagte er auf einer Branchenveranstaltung in Berlin. Letztendlich könnten Entlassungen nur in dem Ausmaß vermieden werden, in dem die Umsetzung des Restrukturierungsplans Ergebnisse zeige. Bei PSA hat Tavares die Belegschaft seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren um 20.000 auf rund 90.000 Mitarbeiter geschrumpft. PSA ist inzwischen mustergültig profitabel und die Fabriken ausgelastet. Was sagt der Betriebsrat? Die Arbeitnehmervertreter reagierten zu Beginn positiv auf die Pläne. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolgang Schäfer-Klug betonte den Unterschied zum Alt-Eigentümer GM. Dessen Konzernregal sei bezüglich alternativer Antriebe leer gewesen, Opel sei eine eigene Entwicklung untersagt worden. "Dies ist nun anders: PSA verfügt über eine klare CO2-Strategie, die Opel hilft." Im April jedoch warfen Betriebsrat und IG Metall der Konzernführung offenen Tarifbruch vor. Die geforderten Zugeständnisse seien für die Arbeitnehmer nicht annehmbar. Was bedeutet der Opel-Verkauf an PSA für die deutschen Standorte? Das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim soll künftig innerhalb des PSA-Konzerns eine Schlüsselrolle einnehmen. Und: "Alle neuen Fahrzeuge von Opel/Vauxhall werden in Rüsselsheim entwickelt", versprach Lohscheller. Für diesen Standort vorgesehene Aufgabenfelder sind zudem die Entwicklung von Brennstoffzellen, ausgewählten Assistenzsystemen und Technologien zum automatisierten Fahren. Eisenach muss nach jüngsten Informationen von Ende April anders als geplant mit großen Einschnitten rechnen. Das Komponentenwerk in Kaiserslautern soll künftig PSA-Motoren herstellen.

Zitate Tavares und Lohscheller zur Opel-Zukunft
"Früher wurde alles in Detroit entschieden, heute ist es nicht Paris, sondern das Zentrum der Entscheidungen ist Rüsselsheim." (PSA-Chef Carlos Tavares zur Rolle des vom US-Autokonzern General Motors übernommenen Herstellers Opel unter der Ägide der neuen französischen Mutter.)
"Opel bleibt eine echte und wirkliche deutsche Marke." Opel-Chef Michael Lohscheller zur Zukunft des Autobauers unter französischer Führung.

Opels bewegte Geschichte

Rüsselsheim in Hessen ist seit der Geburtsstunde 1862 Stammsitz von Opel.

Der einstmals glanzvolle Autohersteller Opel wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 von General Motors übernommen. Seit 1999 erwirtschaftete Opel unter der GM-Ägide keinen Jahresgewinn mehr. Zwei Werksschließungen, neue Milliardeninvestitionen, einem kräftigen Personalwechsel und vielen neuen Modellen (u.a. Mokka und Adam) später erholt sich der Autobauer wieder und schreibt zwischenzeitlich zumindest wieder quartalsweise schwarze Zahlen. Zum August 2017 übernahm die Peugeot/Citroën-Mutter PSA das Unternehmen samt der britischen Schwestermarke Vauxhall für rund 2,2 Milliarden Euro. Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeitern ungleich größer als Opel.

Gemeinsame Plattformen von Opel und PSA

Fotos: Werk

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