Gemeinsame Plattformen von Opel und PSA

Opel-Verkauf an Peugeot: News und Hintergründe

— 01.08.2017

Opel-Übernahme durch PSA perfekt

Die Übernahme von Opel durch die PSA-Gruppe ist abgeschlossen! Bis 2020 soll Opel wieder profitabel werden. Alle News und Infos zum Opel-Verkauf an PSA!

• Opel-Übernahme durch PSA perfekt
• Opel parkt ohne Neumann nach Paris um
Peugeot zahlt 1,3 Mrd. Euro für Opel-Autogeschäft
• Europa-Sparte der GM-Autobank geht an Peugeot
Pensionsverpflichtungen verbleiben in Teilen bei GM
• Vorläufige Bestandsgarantie für deutsche Standorte


Der bisherige Finanzchef Michael Lohscheller ist neuer Chef von Opel.

(Reuters/dpa/brü/kop/cj/lhp) Der Autobauer Opel gehört nun zum französischen PSA-Konzern. Die Verträge mit dem Verkäufer General Motors seien abgeschlossen, teilte am Opel am Dienstag (1. August 2017) in Rüsselsheim mit. Mit der Übernahme entsteht gemessen an den Absatzzahlen der nach Volkswagen zweitgrößte Autokonzern Europas mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent. Bei Opel steht jetzt eine Sanierung an, die PSA-Chef Carlos Tavares dem deutschen Management überlassen will. Die Neuaufstellung werde nicht von Paris aus gesteuert, hatte Tavares stets betont. Der Sanierungsplan werde unter Aufsicht des neuen Opel-Chefs Michael Lohscheller erstellt und soll innerhalb von 100 Tagen vorliegen. Ab 2020 soll eine Gewinnspanne von zwei Prozent erreicht werden, die bis 2026 auf sechs Prozent ansteigen soll. "Opel bleibt deutsch und Vauxhall bleibt britisch. Sie ergänzen unser bestehendes Portfolio aus den französischen Marken Peugeot, Citroën und DS Automobiles perfekt", erklärte Tavares. Es entstehe ein "europäischer Champion". Die EU-Kommission hat der seit März verhandelten Übernahme kartellrechtlich zugestimmt.

PSA zahlt 2,2 Milliarden Euro

PSA zahlt für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro. GM-Finanzvorstand Chuck Stevens hat die Kosten für den Verkauf auf 5,5 Milliarden Dollar (4,7 Mrd Euro) beziffert, weil GM noch Pensionsverpflichtungen für die Mitarbeiter übernimmt. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.

Opel soll 1,7 Milliarden im Jahr sparen

PSA-Chef Carlos Tavares will nach der Übernahme von Opel insgesamt 1,7 Milliarden Euro jährlich einsparen. "Wir glauben, dass wir mit diesem Deal die Effizienz auf ein höheres Level bringen können", sagte er in einer Telefonkonferenz. Als Beispiele nannte Tavares Mengeneffekte beim Einkauf, die Zusammenführung der Fahrzeug-Plattformen und eine effizientere Produktion. Die vollen Einspareffekte sollen 2026 wirksam werden. Tavares erneuerte seine Ansage, dass Opel seine Sanierung weitgehend selbst gestalten müsse: "Die Kehrtwende von Opel muss von den Opel-Leuten und dem Opel-Management geschaffen und umgesetzt werden." Peugeot werde sich an die schon von GM eingegangenen Verpflichtungen halten: "Gleichzeitig respektieren wir die Verpflichtungen, die GM gegenüber den Mitarbeitern von Opel/Vauxhall eingegangen ist." Die Garantien beziehen sich allerdings nur auf die schon von General Motors ausgesprochenen Zusagen und Vereinbarungen. Diese gelten zumeist bis 2020. Was danach geschieht, ist unklar.

Peugeot/Citroën-Neuheiten bis 2019

Peugeot 2008 Illustration Citroën C5 Illustration Peugeot 508 Illustration

Opel parkt ohne Neumann nach Paris um

Der abgetretene Opel-Chef Karl-Thomas Neumann darf einem Medienbericht zufolge auf eine satte Prämie beim vollzogenen Verkauf des deutschen Autobauers an die Franzosen von PSA (Peugeot, Citroën) hoffen. Nach dem sogenannten Closing stehe Neumann bis zu zwei Millionen Euro zu, schrieb der "Spiegel" am 16. Juni 2017. Die konkrete Höhe des Bonus' hänge vom Erreichen bestimmter Ergebnisziele ab und vor allem davon, dass Neumann zum Zeitpunkt des Eigentümerwechsels noch der Opel-Geschäftsführung angehöre. Der 56-Jährige hatte am 12. Juni 2017 seinen Rücktritt als Vorsitzender der Geschäftsführung erklärt.
Das ist der neue Opel-Chef
Michael Lohscheller wird neuer Opel-Chef. Erfahrungen in der Automobilbranche hat der 48-Jährige bereits reichlich gesammelt – bei Daimler, Mitsubishi Motors Europe, Volkswagen. Vor seinem Wechsel zu Opel am 1. September 2012 war er Vize-Chef und Finanzvorstand bei Volkswagen in Amerika. Finanzen, IT, Einkauf, Logistik – in mehr als 20 Jahren Berufserfahrung trug der Manager in vielen Bereichen Verantwortung, zuletzt als Finanzchef von Opel.
Geboren am 12. November 1968, studierte Lohscheller an der Hochschule Osnabrück sowie an der Universität Barcelona und schloss als Diplom-Kaufmann (FH) ab. Berufsbegleitend absolvierte er später an der Londoner Brunel University von 1993 bis 1996 ein Studium in europäischem Marketing-Management.
Bei Opel übernimmt der verheiratete Vater zweier Kinder nun die Verantwortung für 38.000 Mitarbeiter. Lohscheller selbst hatte sich in einem „Handelsblatt“-Interview vor gut einem Jahr voller Tatendrang gezeigt: „Wir schalten jetzt ganz klar auf Angriff.“

Neumann als Verfechter der Elektromobilität

Schon seit den ersten Nachrichten über den Deal gab es Gerüchte über einen Abschied Neumanns, denn es wird ihm nicht zugetraut, dass er sich PSA-Chef Carlos Tavares unterordnet. Neumann lenkte Opel seit 2013 weitgehend eigenständig und verpasste der Marke ein frisches Image. Aber auch er schaffte es nicht, das GM-Europageschäft aus den roten Zahlen zu steuern. In den vergangenen Jahren war Neumann als starker Verfechter der Elektromobilität aufgetreten, wollte Opel sogar vollständig auf diesen Antrieb umstellen und Rüsselsheim zum entscheidenden Entwicklungszentrum machen. PSA-Chef Tavares verlangt hingegen vom Opel-Management, bis 2020 wieder profitabel zu werden – bei großen Investitionen in die E-Mobilität wäre diese Vorgabe utopisch. Zur Personalie Lohscheller veröffentlichte PSA folgende Worte von Tavares: "Meine persönliche Zusammenarbeit mit Michael Lohscheller ist sehr positiv und vertrauensvoll. Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit ihm an der Neuausrichtung von Opel als eine werthaltige Marke mit deutschen Wurzeln innerhalb der PSA-Gruppe zu arbeiten". Die Zukunft des drahtigen Marathon-Läufers Neumann ist noch unklar. Der Elektroingenieur hat in seiner Laufbahn für Motorola, Continental und in mehreren Positionen für den Volkswagen-Konzern gearbeitet und würde laut FAS gerne in der Branche bleiben.

Opel Crossland X trifft Mokka X

Nutzung der GM-Patente während des Übergangs

Opel wird auch weiterhin die Patente von GM nutzen können, bis die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden. Die europäischen und britischen Pensionspläne von Opel/Vauxhall verbleiben größtenteils bei GM, ein Teil der deutschen Pensionslasten ("German Actives Plan") werden an PSA übertragen. General Motors zieht sich mit dem Verkauf von Opel aus dem lange verlustreichen Europa-Geschäft zurück und kappt damit nach 88 Jahren die Verbindung zu Opel.

Opel-Neuheiten bis 2019

PSA deutlich größer als Opel

Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeitern ungleich größer als Opel. Dort werden 38.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon mehr als 19.000 in Deutschland. Die Franzosen haben in Westeuropa einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Dort setzen sie mit 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihrer Fahrzeuge ab. Opel kommt mit knapp einer Million verkauften Autos auf 6,6 Prozent Marktanteil. Opels Hauptstandorte in Deutschland sind Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach. Das Werk in Bochum wurde Ende 2014 geschlossen.

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Opel für Käufer, die keinen Franzosen wollen

PSA-Chef Carlos Tavarez: "Beide Unternehmen ergänzen sich gut".

Peugeot will mit Opel Kunden gewinnen, die derzeit kein Interesse an französischen Autos haben. Dabei soll die Traditionsmarke mit dem Blitz als Logo als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben. 2012 hatte der französische Autobauer mit dem Löwen als Markenzeichen schon einmal eine Allianz mit der GM-Tochter angepeilt. Die kam jedoch nicht zustande, weil Peugeot selbst in die Krise geriet und mit staatlicher Hilfe gerettet werden musste. Seither ist der französische Staat mit knapp 14 Prozent beteiligt und hat ein gewichtiges Wort mitzureden. Weitere je knapp 14 Prozent liegen bei dem chinesischen Autobauer Dongfeng und der Familie Peugeot. Peugeot-Chef Carlos Tavares brachte den Konzern mit einem radikalen Sanierungskurs sowie neuen Modellen zurück in die Erfolgsspur. Der Nettogewinn verdoppelte sich 2016 fast auf 1,7 Milliarden Euro. Dazu trugen höhere Preise sowie Einsparungen bei Einkauf, Produktion und Verwaltung bei. Der Umsatz schrumpfte jedoch um ein Prozent auf 54 Milliarden Euro.

Neumann sah Beginn einer neuen Ära

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte den Zusammenschluss mit PSA als historischen Schritt bewertet und den Beginn einer neuen Ära. Seiner Ansicht nach verschafft die Übernahme dem Rüsselsheimer Autobauer neue Wachstumschancen. "Aus der Ankündigung entsteht die Chance, einen wirklichen europäischen Champion zu schaffen", hatte Neumann nach der Bekanntgabe der Übernahme in einer Botschaft an die Opel-Mitarbeiter betont. "Wir würden von der neuen Größe profitieren, aber auch von einer gemeinsamen Fahrzeugentwicklung und der Stärke zweier Unternehmen mit hoch motivierten und hoch qualifizierten Mitarbeitern."

Bewegte Opel-Geschichte

Opel wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 von General Motors übernommen. Die Adam Opel AG hat als GM-Europatochter seit 1999 keinen Gewinn in Detroit abgeliefert. Als Anfang 2013 der frühere VW-Manager Karl-Thomas Neumann das Steuer in Rüsselsheim übernahm, keimte neue Hoffnung auf. GM investierte kräftig in neue Modelle und brachte mit dem Mokka einen kleinen Geländewagen auf den Markt. Die GM-Tochter legte nach Meinung von Experten jedoch nicht schnell genug nach, um stärker vom Trend zum SUV zu profitieren. 2016 stoppte dann die Nachricht vom Brexit die Aufholjagd.

Gemeinsame Plattformen von Opel und PSA

Fotos: Werk

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PSA

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