Opel-Werke: Zukunft der deutschen Standorte

Opel-Werk Bochum

— 29.10.2012

2016 droht das Aus

Das Zittern um das Opel-Werk in Bochum geht weiter. Geschäftsführung und Arbeitnehmer verhandeln über eine gemeinsame Strategie.

(dpa) Der kriselnde Autobauer Opel muss seinen Mitarbeitern nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen über eine Sanierung nun Geld nachzahlen. Mit der November-Abrechnung werden die für Mai bis Oktober gestundeten Tariferhöhungen von je 4,3 Prozent ausgezahlt, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel am 28. Oktober 2012 bei einer IG Metall-Mitgliederversammlung mit etwa 200 Teilnehmern in Bochum. Zugleich sei eine zunächst unbefristete neue Stundung vereinbart worden, solange die Gespräche über die Sicherung der Werke liefen. Für den normalen Schichtarbeiter bringe die Nachzahlung eine vierstellige Summe, rechnete eine IG-Metallerin vor. Insgesamt soll es um rund 15 Millionen Euro gehen.

Opel-Werke: IG Metall droht GM

Eine dauerhafte Lösung für das besonders gefährdete Ruhrgebietswerk mit 3200 Opel-Beschäftigten nach Auslaufen der aktuellen Zafira-Produktion 2016 sei noch nicht erreicht worden, räumte Einenkel ein. Deswegen gingen die Gespräche jetzt weiter. Er hoffe auf eine Lösung bis zum Jahresende. "Wir haben Zeit gewonnen für weitere Verhandlungen in einem Sinne, wo alle Beschäftigten in den europäischen Werken eine Perspektive haben", sagte Einenkel der Nachrichtenagentur dpa. Das Modell Werksschließung wie bei Ford sei damit vorerst vom Tisch. Falls es eine Einigung über die Zukunft aller deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch "in einer Gesamtkonzeption aufgehen", sagte er. Das heißt: Betriebsrat und Gewerkschaft könnten auf das Geld verzichten, falls GM/Opel neue Aufträge und eine längere Beschäftigungsgarantie zusichern würden.

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Nach den bisherigen Verträgen sind die vier deutschen Opel-Werke bis 2014 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Das Unternehmen war im Juni mit dem Angebot in die Verhandlungen gegangen, seine Zusage um zwei Jahre zu verlängern – danach aber mit dem Auslaufen der aktuellen Zafira-Generation möglicherweise keine weiteren Modelle mehr in Bochum vom Band laufen zu lassen. Betriebsrat und Gewerkschaft fordern dagegen Zusagen zu Standorten und Beschäftigung über 2016 hinaus. GM möchte wegen Überkapazitäten und hoher Verluste ein Werk in Deutschland schließen.

Hintergrund: Opel und PSA kooperieren

Viel hänge in den nächsten Tagen von den Verhandlungen über eine enge Zusammenarbeit mit dem PSA-Konzern ab, sagte Einenkel. Die geplante Allianz der Opel-Mutter GM mit den Franzosen war am 26. Oktober 2012 vom Bundeskartellamt genehmigt worden. Die Hersteller wollen weltweit ihren Einkauf zusammenlegen und zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Dabei komme es für Bochum vor allem darauf an, dass der Standort weiter den Familienvan Zafira fertige, sagte Einenkel. "Wenn wir ihn nicht mehr hätten, wäre das das Aus für Bochum." Das Bochumer Werk, das den Zafira baut, ist wegen seiner hohen Kapazität von rund 150.000 Einheiten pro Jahr besonders schwer auszulasten. Die Bochumer fürchten, dass der Familienvan-Auftrag nach Auslaufen des aktuellen Zafira 2016 nach Frankreich verlagert werde könnte. Doch vorerst habe die Aussicht auf die Tarif-Nachzahlung die Gemüter beruhigt, sagte ein IG Metall-Mann.

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