Abschied von Bochum

Opel-Werk Bochum

Das Ringen geht weiter

Im Bochumer Opel-Werk drohen nach dem Nein der Beschäftigten zum Sanierungsplan schon Ende 2014 die Lichter auszugehen. Doch die IG Metall will für weitere Gespräche mit dem Unternehmen kämpfen.
(dpa/cj) Nach dem Nein der Bochumer Opel-Beschäftigten zu einem Sanierungs-Tarifvertrag geht das Ringen um die Zukunft des Werks weiter. Zwar teilte die Geschäftsleitung mit, dass es keine weiteren Verhandlungen über den Tarifvertrag geben wird. Die IG Metall kündigte aber an, sich in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat und der Adam Opel AG über weitere Schritte abstimmen zu wollen. Laut NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) bemüht sich die Gewerkschaft, das Unternehmen zu weiteren Gesprächen zu bewegen.

Hintergrund: Opel-Werk in Bochum vor dem Aus

Die Belegschaft hatte am 21. März 2013 den Sanierungsplan für den angeschlagenen Autobauer mit klarer Mehrheit abgelehnt, die Adam Opel AG einen Tag später erneut den harten Kurs bekräftigt. Jetzt droht das Ende der Produktion des Zafira Tourer bereits Ende kommenden Jahres und nicht erst Ende 2016. Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky hatte angekündigt, die Fertigung in Bochum zum 1. Januar 2015 komplett einzustellen, falls es keine Einigung mit den Beschäftigten geben sollte. Bis Ende 2014 gilt in Bochum noch ein Kündigungsschutz.

Abschied von Bochum

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Die Gewerkschaftsmitglieder sprachen sich nach Angaben der IG Metall mit 76,1 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen den Tarifvertrag aus. Sie folgten damit ihrem Betriebsrat, der den Sanierungsplan abgelehnt hatte. Die Wahlbeteiligung betrug 69,3 Prozent. Mit dem zwischen Gewerkschaft und Unternehmen in mühsamen Verhandlungen erzielten Tarifvertrag sollte das Aus für die Fahrzeugproduktion um zwei Jahre verschoben werden. Nach 2016 sollten Bochum nur noch eine Teilefertigung und ein Ersatzteillager mit zusammen 1200 Arbeitsplätzen bleiben. Derzeit hat Opel dort noch 3200 direkt beim Unternehmen beschäftigte Mitarbeiter, inklusive der ausgelagerten Bereiche stehen gut 3900 Menschen auf der Gehaltsliste von Opel. Wenn nicht weiter verhandelt wird, würde Opel nach heutigem Stand 2015 nur noch rund 420 Menschen im Warenverteilzentrum beschäftigen.

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"Wir bedauern sehr, dass die Beschäftigten in Bochum ein attraktives Angebot nicht angenommen haben", erklärte der Bochumer Werksleiter Manfred Gellrich. Eine große Chance sei nun vertan. Nach der Entscheidung gegen den Deutschlandplan werde es keine weiteren Verhandlungen zum vorliegenden Tarifvertrag geben. "Das Votum ist eindeutig", kommentierte der Bezirkschef der IG Metall in NRW, Knut Giesler, das Abstimmungsergebnis. Die Gewerkschaft werde den Tarifvertrag für den Standort Bochum nicht unterschreiben. Die Zusagen des Unternehmens seien den meisten Mitarbeiter zu vage.

Die Geschichte des Bochumer Opel-Werks

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band gehen.

1979

Zum Jahresende arbeiten mehr als 20.000 Menschen im Bochumer Opel-Werk. Verschiedene Modelle aus der Serie Kadett werden bis 1991 produziert.

1991

Der Astra wird in die Produktionslinie aufgenommen, bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen "Zukunftsplan", der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie am Standort Bochum.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3300 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren. Am 10. Dezember gibt das Opel-Management bekannt, dass die Autoproduktion in Bochum ab 2016 stillgelegt wird.

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Rainer Einenkel, Opel-Betriebsratschef in Bochum, hält das angekündigte Produktions-Aus für das Traditionswerk 2014 für eine leere Drohung.

Betriebsrat und IG Metall waren sich bei der Beurteilung des Sanierungsplans nicht einig. Betriebsratschef Rainer Einenkel reichten die Zusagen für die Ersatzarbeitsplätze nicht. Außerdem drohten schon vor 2016 Entlassungen, hatte er gewarnt. Die Gewerkschaft betonte, mehr sei in den Verhandlungen nicht herauszuholen gewesen. Einenkel hält das mögliche Ende der Autoproduktion schon 2014 für eine leere Drohung. Eine Verlagerung sei "aufgrund hoher Investitionen und fehlender Fachkompetenz in anderen Werken unsinnig", hatte der Betriebsrat in einem Flugblatt erklärt. Die IG-Metall-Mitglieder an den drei Opel-Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Dudenhofen hatten den Tarifvertrag bereits mit großer Mehrheit angenommen. Ein Nein in Bochum hat darauf keine Auswirkungen.

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