Orakel vor dem GP von England

Großer Preis von England Großer Preis von England

Orakel vor dem GP von England

— 05.07.2002

Hört Schumi Ende der Saison auf?

Vor dem Großen Preis von England spielt Ex-Weltmeister Damon Hill Prophet und sagt Schumis baldiges Karriere-Ende voraus.

Erinnerungen an Silverstone-Unfall

"Ich habe sein Verhalten studiert, habe mir genau angesehen, wie er sich verhält. Und ich denke, dass Michael am Ende der Saison zurücktreten wird. Seine Körpersprache verrät es mir", fachsimpelt der Damon Hill im Boulevardblatt "Sun". Schumachers Ex-Rivale, nun Studio-Experte beim TV-Sender Sky, schiebt den Grund für seine ziemlich exklusive Beobachtung gleich hinterher: "Ich bin sicher, dass er nicht weiter sein Leben riskieren will."

Immer in Silverstone wird Schumacher nachhaltig an die Gefahren des Rennsports erinnert. Drei Jahre nach seinem schweren Unfall, als der Kerpener ungebremst in die Mauer raste, verdrängt der vierfache Weltmeister die trüben Gedanken ("Das vergisst man nie ganz") an das Unglück. Schumacher brach sich zwar das Bein und verlor den WM-Titel, aber er blieb am Leben. "Wenn ich im Auto sitze, sind die Erinnerungen weg", zeigt sich der souveräne WM-Spitzenreiter vor dem Großen Preis von Großbritannien am Sonntag (7. Juli 2002) furchtlos. Mit einem komfortablen 46-Punkte-Vorsprung vor Bruder Ralf im Williams-BMW, dem "schärfsten" Verfolger, ist Schumacher zur weiteren Rekordjagd auf die Insel gekommen. Mit seinem 60. Grand-Prix-Sieg könnte der 33-Jährige die Fahrer-Weltmeisterschaft schon fast endgültig für sich entscheiden. Mit einer weiteren Platzierung unter den ersten Drei – seiner 107. im 170. Formel-1-Rennen – hätte "Schumi" zudem den "Podest-Rekord" des Franzosen Alain Prost geknackt.

Ausgerechnet diese einmalige Bilanz der Superlative ist für Hill ein weiteres Indiz des nahende Karriereende. "Es ist besser jetzt aufzuhören, wo er an der absoluten Spitze ist, als morgen, wenn sowohl er als auch Ferrari nicht mehr auf diesem hohen Niveau sein werden." Hill selbst führte nach seinem WM-Titel im Jahre 1996 im Williams-Renault im Arrows und Jordan ein Schattendasein im PS-Zirkus. Auch Schumachers immer stärker werdender Teamkollege Rubens Barrichello spielt nach Hills Beobachtungen eine Rolle in Schumis Überlegungen. "Michael war immer schneller als seine Teamkollegen. Aber nun wird Barrichello immer konkurrenzfähiger und könnte Ende der Saison schneller sein." Der Brasilianer gewann das letzte Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring – vor Schumacher.

Frentzen bangt um seinen Job

Währenddessen bangt Heinz-Harald Frentzen um seinen Job bei Arrows. Drei Tage vor dem Rennen in Silverstone verlor der in einer schweren Finanzkrise steckende Rennstall einen Prozess vor dem höchsten Londoner Zivilgericht. "Wenn kein Wunder geschieht, dann ist das Unternehmen jetzt verloren. Die Firma steht vor der Liquidierung oder dem Konkurs", sagte Arrows-Anwalt Robin Potts. Schon vor einigen Monaten hatte Frentzen durch die Pleite des Prost-Teams ein Cockpit in der Formel 1 verloren.

Die Garagen in der hinteren Boxengasse blieben leer, die Rollläden geschlossen. Die Rennwagen von Frentzen und dessen Teamkollegen Enrique Bernoldi (Brasilien) können noch am Freitag von der FIA für das zehnte Saison-Rennen zugelassen werden. Der High Court stellte jedoch fest, dass das Team "seit langem zahlungsunfähig" sei. Undurchsichtig ist die Sache allemal. Der Londoner Richter stellte dem Arrows-Team kein gutes Zeugnis aus: Die Versuche des Managements, die Firma umzustrukturieren, seien "hinterhältig und unanständig, ja in Wirklichkeit geradezu unaufrichtig". Das seit 1977 an dem Rennstall beteiligte Londoner Bankhaus Morgan Grenfell verhinderte, dass Arrows-Boss Tom Walkinshaw noch ausstehende Einnahmen von der FIA an eine Getränkefirma (Red Bull) abtritt. Mit dem Geld sollte die Anschaffung neuer Motoren für die Renner finanziert werden.

Der Motorenhersteller Cosworth liefert an Arrows nämlich nur noch gegen eine Barzahlung von fünf Millionen Euro. Die Bank dagegen besteht auf Rückzahlung eines 20-Millionen-Euro-Kredits. Schon vor dem Rennen in Monte Carlo hatte Walkinshaw in allerletzter Minute einen Scheck für die Triebwerke ausgestellt und so das Aus verhindert. (autobild.de/dpa)

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