Ostseeautobahn

Nachbarn streiten um die Ostseeautobahn A20

Ostseeautobahn

— 19.09.2002

Nachbarn streiten um die A20

Schleswig-Holstein ist stinksauer, weil Niedersachsen aus der Planung der A20 aussteigt.

Anbindung an die A1

Niedersachsens Abkehr von den Plänen zur Ostseeautobahn A20 alarmiert Schleswig-Holstein. "Der strategische Schwenk macht mir Sorge", sagte Verkehrsminister Bernd Rohwer (SPD) dem Hamburger Abendblatt in Kiel. Die A20 müsse wie abgesprochen schnellstmöglich bis zur A1 (Hamburg-Bremen) führen. "Das ist die Voraussetzung, damit wir rasch eine privat finanzierte Elbquerung bei Glückstadt bekommen." Der CDU Verkehrsexperte Uwe Eichelberg, wurde deutlicher: "Wenn die SPD-Regierung in Niedersachsen aussteigt, kann Schleswig-Holstein sich die A20 erst mal abschminken."

Im Landeshaus in Kiel ist man "stinksauer" auf Niedersachsen und droht dem Nachbarn mit "mächtig Zoff", falls die Trasse nicht über die A26 (Hamburg-Stade) hinaus an die A1 angebunden wird. Niedersachsen bevorzugt, wie berichtet, mit Blick auf die knappe Kasse des Bundes derzeit die Küstenautobahn A22. Die Entscheidung soll Ende Oktober fallen. Vorher will Rohwer seiner niedersächsischen Kollegin Susanne Knorre noch kräftig ins Gewissen reden.

Kippt die Elbquerung?

Hinter den Kulissen wird versucht, Bündnispartner in Niedersachsen zu gewinnen. Der Landrat des Kreises Stade, Günter Armonat, weilte gestern in Kiel. "Ich war schon vor dem Gespräch mit Herrn Rohwer für die Lösung, die eine schnelle Elbquerung ermöglicht", sagte Armonat später. "Der Landkreis Stade ist der schleswig-holsteinischen Position näher als der niedersächsischen." Jenseits von Stade sieht es wohl anders aus. Die Küstenlandkreise erhoffen sich von der A22 mehr als von der A20. Und für Knorre ist die A22 ein Leitprojekt, um den geplanten Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven nach Norden anzubinden.

Das wiederum dürfte der Hafenstadt Hamburg nicht schmecken. In Schleswig-Holstein erwartet man daher Schützenhilfe aus der Metropole, um Niedersachsen wieder auf A-20-Kurs zu kriegen. Druckmittel gibt es allerdings kaum. In Schleswig-Holstein wächst deshalb die Sorge, dass die A20 erst in Niedersachsen und dann insgesamt scheitert. "Es könnte einen Domino-Effekt geben", befürchtet ein Insider. Fällt das Schluss-Stück von der A26 zur A1, würde als nächstes die Elbquerung kippen, weil sie sich bei geringerem Verkehrsaufkommen nicht mehr rechnete. Ohne Elbtunnel wiederum hätte die Trasse zwischen der A7 und der Elbe kaum Sinn.

Im Landeshaus war man sich deshalb einig, dass Niedersachsen "um fast jeden Preis" zu einer Kurskorrektur bewegt werden muss. Ein Kompromiss ist bereits vorformuliert. Demnach soll Niedersachsen sowohl die Küstenautobahn A22 wie auch die A20 beim Bund anmelden und so zumindest sicherstellen, dass die A20 in Schleswig-Holstein weitergeplant werden kann, um sie vielleicht irgendwann ganz zu bauen.

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