Panamera trifft Yeti trifft Prius — 21.09.2009
Herr Schmidt sucht sein Glück
Autos prägen ihre Benutzer. Im Porsche Panamera sind wir andere Menschen als im Toyota Prius oder Skoda Yeti. Was machen Autos aus uns? Und warum eigentlich? Ein Selbstversuch von Bernhard Schmidt.
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LOHAS heißt Lifestyle of Health and Sustainability
Sein Durchbruch entspringt eher dem Zufall als einer klugen Strategie. Wir schreiben Ende 2003, der Irakkrieg gilt zwar als siegreich beendet, aber viele amerikanische Bürger empören sich gegen den militärischen Rundumschlag der Regierung Bush. Da taucht zum Jahreswechsel die zweite Generation dieses anderen Gefährts aus Japan auf und wird umgehend zum griffigen Symbol des Protests. Es ist ein Gegenentwurf zu dem, was Detroit bietet, wo Bushs Brüder im Geiste die Autos bauen. General Motors, Ford und Chrysler werden wegen ihrer notorischen Betonköpfigkeit indiskutabel für aufgeklärte Amerikaner – mit den bekannten Konsequenzen bis heute. Der Prius dagegen erbt die Rolle von Käfer und Bulli aus der Flower-Power-Protestzeit der Sechziger und wird zu einem Vehikel, das nur nebenbei Personen transportiert. Wichtiger ist der Transport der Botschaft: Ich mache nicht mit, was das offizielle Amerika als Ideologie verbreitet. Nun trägt der Prius seinen Stempel und sein Fahrer auch. Ich fühle mich in ihm ganz sanft, denn die Welt erwartet von mir, ein netter Mensch zu sein oder ein LOHAS, so sagen die Soziologen.LOHAS heißt Lifestyle of Health and Sustainability (gesunder und nachhaltiger Lebensstil), damit sind die wohlhabenden Großstädter gemeint, die ihre Kinder vom Ballettunterricht zum Yogakurs chauffieren und selbstverständlich nur in Biomärkten einkaufen. Entsprechend benehme ich mich. Mein Ehrgeiz gilt dem Durchschnittsverbrauch und dem Stiften von Frieden auf der Straße. Der Hybrid-Toyota flüstert in mein Ohr, dass die Welt ein höchst lebenswerter Ort ist, dass ich dafür aber ein paar meiner archaischen Triebe opfern müsse. In ihm wird der Verkehr wie von selbst zur sozialen Veranstaltung, und ich spüre das Lächeln der Bäume, wenn ich vorbeirolle. Spaß muss allerdings neu definiert werden. Den gestrigen Genuss mit Brummbrumm erlebt man in ihm nicht. Als zeitgenössischen Spaß serviert er das Betrachten der komplexen Energieströme auf dem Monitor. Kopf-Spaß statt Bauch-Spaß. Die Lautlosigkeit seines E-Antriebs ist dabei eine der Sensationen. Während Porsche Sound-Designer beschäftigt, ist der Prius schon eine Stufe weiter: Er schweigt. Allerdings fährt er nur maximal zwei Kilometer lang still elektrisch, dann kickt der unmelodische Vierzylinder ein.
"Ich spüre konzentriertes Testosteron, die Männer gucken"
"Yeti-Mantra: Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein"
Bleibt der Skoda Yeti, dieser mysteriöse Schneemensch, der mir der Liebste des Trios ist. Ich glaube, ich falle mitten in sein Beuteschema. Er ist kein Radikaler, weder ultragrün noch ultraegoistisch, er ist wie du und ich, burschikos, robust, versteht mal einen Scherz, ich kann ihn auch mal ruppiger rannehmen, er geht mit mir durch dick und dünn. Ich sehne mich höchstens ein wenig nach Schneeverwehungen, Erdrutschen oder Land unter, um dem Rest der Gemeinde mal zu zeigen, was ein echter Yeti ist. Steile Abhänge checke ich mit einer gewissen, bislang unbekannten Neugier, und ich bin traurig, weil Deutschland kein Stück Sahara besitzt. Ansonsten? PS ja, Höchstgeschwindigkeit auch. Er ist gut für den Seelenfrieden. Denn in ihm muss ich mich nicht verrenken, um aufgesetzten Rollen zu genügen. So ist es: Ich bin aus dem Stoff des Yeti gewebt. Wie der Herr, so's Gescherr. Kommentar verfassen

































Kommentare zum Artikel (13)
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Es ist doch furchtbar. Es gibt doch kaum noch eine Autozeitungsausgabe in der nicht in irgendeiner Form der Prius auftaucht.
Egal ob runtergemacht oder hochgelobt. Irgendwie scheint das ein Selbstläufer zu sein.
Ich frage mich nur warum Toyota da noch Werbemilliönchen ausgibt. Die kommen ja auch so mit der Produktion nicht hinterher, wie die inzwischen wieder langen Wartezeiten vermuten lassen.
Kann mich meinem Vorredner nicht anschliessen; Artikel interessant, flott geschrieben und beschriebenes auch noch "nachfühlbar"
Überflüssig vielleicht? ich sehs eher als das Beleuchten eines anderen Aspekts des Themas Auto.
wie jetzt - warum hat noch keiner über VW/Audi (bzw. diesesmal Skoda u. Porsche) geschimpft, wie langweilig, hässlich und überflüssig die sind? Es wird doch wohl keine Kommentatoren mit etwas mehr als nur Kindergartenniveau geben?!?!?!?!?!
Ein netter Spaß, der Artikel. Die meisten wollen es nicht wahrhaben, dass mit jedem Auto auch ein Stück eingebildeter Identität verkauft wird, die "blecherne Rüstung" im Verkehr unser Ich ersetzt. Wer kennt sie nicht, die Klisches vom Opelaner mit Hut, dem Südosteuropäer im verbastelten BMW, die "Tussi" im Fiesta. Im Verkehr machen Autos Leute. Die Individualität, die alle versprechen, bietet keiner, am ehesten noch ein seltener Oldtimer, den der Fahrer wegen persönlicher Bindung und nicht aufgrund des Wertes fährt. Ich bin ehrlich: Ein Käfer weckt bei mir mehr Sympathie, aber kein Reiskocher.