Papst-Golf von VW

VW baut den Papst-Golf nach

Papst-Golf von VW

— 23.05.2005

Blech-Heilige

Papst-Golf versteigert? Macht nix, VW baut einen nach. Reliquien-Wahn von Wolfs- bis Regensburg.

Ein Nachbau für 9000 Euro

Wem die Internet-Versteigerung des VW Golf von Papst Benedikt XVI. schon wunderlich vorkam, darf jetzt getrost an seinem Verstand zweifeln: Einen identischen Golf wie das Papst-Mobil hat Helmut Brossmann bestellt, Manager der Volksmusikgruppe "Kastelruther Spatzen". Der war bei der Auktion nicht mehr zum Zuge gekommen, weil das Internet-Auktionshaus unter der Last der Gebote zusammengebrochen war.

Zum Preis von 189.000 Euro ging das "Original" nach Amerika. Dabei wollte Brossmann das Auto "unbedingt für Regensburg retten". Aus der bayerischen Domstadt kommt nämlich der ehemalige Kardinal Josef Ratzinger – deshalb könnte sich der Musikmanager nichts Schöneres vorstellen, als das Papst-Gefährt durch die Heimat zu steuern. Und natürlich den ein oder anderen Marketing-Gag zu starten.

Vorbei, das Auto ist über den großen Teich gegangen. Deshalb kontaktierte Brossmann Volkswagen. Und die Wolfsburger sicherten jetzt zu, das sechs Jahre alte Papst-Original bis aufs kleinste Ausstattungsdetail nachzubauen. Ein ähnlich alter Golf IV wird zu diesem Zweck aus dem Verkehr gezogen und so umgerüstet, daß er sich vom echten Papst-Golf nicht mehr unterscheidet. Der Musikmanager läßt sich die Aktion rund 9000 Euro kosten.

Neues aus der Reliquienforschung

Und dann? Anfang Juni soll es ein großes Fest geben, zu dem zwar nicht Papst Benedikt XVI. höchstpersönlich als Ehrengast eingeladen wird, dafür aber sein nicht ganz so prominenter Bruder. "Vielleicht taufen wir den Golf auf den Namen des früheren Domkapellmeisters und lassen die Domspatzen singen", frohlockte der Eigentümer des künftigen Papst-Golf-Doubles.

Denn der 81jährige Georg Ratzinger ist nicht nur Bruder des Papstes, sondern selbst Priester und leitete den berühmten Knabenchor von 1964 bis 1994. Sein Bruder Josef kam – noch als Kardinal – jedes Jahr für ein paar Tage zu Besuch nach Regensburg. Ob die ganze Aktion klappt, ist allerdings fraglich, denn die Gebrüder Ratzinger waren schon von der Versteigerung des Original-Golf nicht besonders angetan. Außerdem fährt Georg Ratzinger einen Mercedes-Benz.

Seit Ernennung des neuen Papstes steigt der Reliquien-Wahn ins Absurde. "Der Papst ist Stellvertreter Petri und hat einen direkten Draht nach oben – und somit eine heilbringende Wirkung, die auch dem Golf zugeschrieben werden kann", erklärt dazu Volkskundler Gunther Hirschfelder. Der Original-Golf sei eine sogenannte "Berührungsreliquie" – immerhin saß Benedikt XVI. drin und ließ sich chauffieren. Daß er im Gegensatz zum Vorgänger Johannes Paul II. bis heute keinen Führerschein hat, tut der Begeisterung dabei keinen Abbruch.

Autor: Michael Voß

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