Passat, A4, C-Klasse: Kombi-Vergleich

Audi A4 Avant Mercedes C-Klasse T-Modell VW Passat Variant Audi A4 Avant Mercedes C-Klasse T-Modell VW Passat Variant

Passat, A4, C-Klasse: Kombi-Vergleich

— 23.11.2010

Passat Variant schlägt die Edelkombis

Nur ein Facelift? Oder doch ein ganz frisches Auto? Egal. Der neue VW Passat Variant muss sich vor den Edelkombis der Mittelklasse nicht verstecken. Ein Vergleich mit Mercedes C-Klasse und Audi A4.

Der neue Passat – diese Worte genügten mal, um die Autowelt der Mittelklasse neu zu erfinden. Der neue Passat! Darüber diskutierten Studienräte, Malermeister und Handelsreisende am Stammtisch. Aber diesmal fehlt es, das Ausrufezeichen. Der neue Passat? Ach ja: Mit gestrafftem Design, modernen Fahrerassistenzsystemen, aber bekannter Technik soll der Passat ab sofort die Führung seiner Klasse verteidigen. Doch die Luft ist so dünn wie nie. Statt eines Passat können sich viele Dienstwagen-Nutzer auch einen Edelfrachter wünschen – einen Kombi wie die Mercedes C-Klasse oder den Audi A4. Gegen solche Designerstückchen muss VW doch mehr auffahren als etwas Kosmetik und zusätzliche Elektronik unterm Blech, oder? Im ersten Vergleich des neuen Passat mit dem T-Modell und dem Avant muss sich zeigen, ob das VW-Rezept aufgeht.

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Unter der Haube starten die drei Turbo-Benziner mit einem Kopfan-Kopf-Rennen. Audi und VW kommen als TFSI und TSI mit einem 1.8er-Vierzylinder und 160 PS, Mercedes fährt beim 180 CGI einen 156-PS-Direkteinspritzer auf – auch der per Turbo auf Extraschub aufgepustet. Dreimal das Prinzip Downsizing, dreimal versprechen die Hersteller satten Dampf bei mickrigem Verbrauch – aber günstig ist dieses Vergnügen bei keinem: Unter 30 .000 Euro geht in diesem Vergleich gar nichts. Selbst VW übertrifft die magische Grenze mit dem Passat Variant 1.8 TSI um fast 2000 Euro. Immerhin gibt’s für so viel Geld das Comfortline-Paket, serienmäßig mit Klimaautomatik, Einparksensoren und CD-Radio. Audi liegt mit 32.600 Euro noch etwas darüber, dafür bietet die Grundausstattung nicht einmal beheizte Außenspiegel. Und sogar eine Fahrlichtautomatik lässt Audi sich extra bezahlen. Im T-Modell für wuchtige 33.975 Euro steckt zumindest alles Wichtige drin: sogar E-Sitzhöhenverstellung und Temporegler, für die Sicherheit Knieairbag und serienmäßige Reifendruckkontrolle.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Passat

Frachter mit gutem Fahrwerk: Der neue Passat federt wie eine Oberklasse-Limousine.

Im Preisvergleich geht der VW also nicht als Schnäppchen durch, zumal alle neuen Assistenzsysteme happig Aufpreis kosten (z. B. Spurhalteassistent 535 Euro, ACC 1195 Euro). Dafür punktet der Variant wieder als Meister aller Alltagsprobleme. Denn gegen so viel Platz im Fond und im Kofferraum kommen die Konkurrenten einfach nicht an. Mit 1731 Liter Fassungsvermögen deklassiert er Avant (1430 l) und T-Modell (1500 l). Der VW spielt lieber Frachter als Feingeist. Ein rustikaler Typ ist er deshalb aber nicht. In den Fahrdisziplinen liefert der Passat eine erstklassige Luxus-Vorstellung ab. Er federt dank optionalen Elektronik-Fahrwerks (1070 Euro extra) geschmeidig wie eine Oberklasselimousine, rollt weich und leise ab, die Sechsgangschaltung flutscht leichtgängig durch die Gassen, die Maschine schnurrt dezent. Schade nur, dass dem 1.8er Durchzugskraft fehlt. Die Elastizitätswerte belegen, dass der VW im sechsten Gang schwächelt und zum frühen Zurückschalten zwingt. Hier ziehen die Rivalen davon.

Der Audi läuft dabei zwar lauter, aber auch spritziger. Sein TFSI flutscht schneller durchs Drehzahlband schade, dass der Schalthebel dabei schwergängiger in die Positionen rutscht. Die Federung des A4 arbeitet stramm und wenig nachgiebig, die Lenkung reagiert direkt, die Bremsen packen anständig zu – der A4 will ein Dynamiker sein. Allerdings wirkt der Avant dadurch arg aufgeregt: Auf schlechten Straßen muss der Fahrer konzentriert mitarbeiten, zerrende Impulse durch den Vorderradantrieb ausgleichen und den mäßigen Geradeauslauf kompensieren. Beim Ausweichen irritieren leichte Lastwechsel-Heckschwenks. VW und besonders Mercedes werden in solchen Notsituationen stärker vom ESP reglementiert, wirken so fahrstabiler und beherrsch barer.

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Harmonisch: Der kultivierte Motor des C 180 passt gut zum Fahrgefühl der C-Klasse.

Schlechte Wegstrecken meistert der Mercedes mit Gelassenheit. Straffer abgestimmt als der Passat, wird die C-Klasse aber nie aufdringlich stoßig. Die geschwindigkeitsgeregelte Lenkung arbeitet feinfühliger als im Audi, Antriebseinflüsse sind dem hinterradgetriebenen T-Modell ja sowieso fremd. Speziell beim mäßigen Beschleunigen fällt der Übergang zwischen stärkerer und weniger kräftiger Servounterstützung kaum auf — anders als im Audi. So schnürt die C-Klasse schwerelos und stressfrei über wellige Straßen – typisch Mercedes eben. Zum Fahrgefühl passt der kultivierte Motor. Vibrationen oder Lärmausbrüche kennt der CGI nicht. Er ist das Basismodell der Baureihe, und doch gibt er einem nicht das Gefühl des Verzichtenmüssens. Bis auf einen Punkt: Sieger dieses Vergleichs wird der (fast) neue Passat.
Fahrzeugdaten Audi Mercedes VW
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette Kette
Hubraum 1798 cm³ 1796 cm³ 1798 cm³
kW (PS) bei 1/min 118 (160)/4500 115 (156)/5000 118 (160)/4500
Nm bei 1/min 250/1500 250/1600 250/1500
Vmax 218 km/h 218 km/h 218 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Hinterradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung Dunlop SP Sport 01 Continental SportContact 3 Continental SportContact 3
Reifengröße 225/50 R 17 V 225/45 R 17 V 235/45 R 17 W
Radgröße 7,5 x 17" 7,5 x 17" 7,5 x 17"
Abgas CO2 169 g/km 164 g/km 160 g/km
Verbrauch* 9,6/5,8/7,2 l 9,7/5,5/7,0 l 9,6/5,3/6,9 l
Tankinhalt 65 l/Super 66 l/ Super 70 l Super
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 72 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1300/750 kg 1800/750 kg 1500/750 kg
Kofferraum 490–1430 l 485–1500 l 603–1731 l
Länge/Breite/Höhe 4703/1826/1436 mm 4596/1770/1459 mm 4771/1820/1516 mm
Preis (wird bewertet) 32.600 Euro** 36.212 Euro*** 31.995 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **17"-Bereifung für 850 Euro; ***inklusive Parameterlenkung für 238 Euro; **** inklusive 17"-Bereifung für 700 Euro und DCC-Fahrwerk für 1070 Euro
Messwerte Audi Mercedes VW
Beschleunigung
0–50 km/h 3,1 s 2,9 s 2,9 s
0–100 km/h 9,0 s 8,9 s 8,9 s
0–130 km/h 14,2 s 14,4 s 14,1 s
Elastizität
60–100 km/h 8,3 s (4. Gang) 8,7 s (4. Gang) 9,4 s (4. Gang)
80–120 km/h 15,0 s (6. Gang) 16,4 s (6. Gang) 19,7 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1576/464 kg 1586/499 kg 1592/518 kg
Gewichtsverteilung v./h. 55/45 % 51/49 % 55/45 %
Wendekreis links/rechts 11,7/11,6 m 10,7/10,9 m 11,3/11,5 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,8 m 37,0 m 37,3 m
aus 100 km/h warm 36,7 m 36,7 m 37,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 57 dB (A) 57 dB (A) 58 dB (A)
bei 100 km/h 64 dB (A) 64 dB (A) 64 dB (A)
bei 130 km/h 69 dB (A) 71 dB (A) 70 dB (A)
Testverbrauch – CO2 7,8 l S – 185 g/km 7,8 l S – 185 g/km 7,9 l S – 188 g/km
Reichweite 830 km 840 km 880 km
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Der Passat gewinnt diesen ersten Vergleich. Keine Überraschung, schließlich ist der Raumriese unterm Blech ganz der Alte geblieben. Seine Alltagsqualitäten hat VW weiter verfeinert, seine Fahreigenschaften nochmals verbessert. Dazu kommen nun auch Technik-Fans auf ihre Kosten (wenn auch gegen Aufpreis, Assistenz kostet extra). Der A4 stolpert über seine Sportlichkeit, der teure und sichere Mercedes verheddert sich in der Preisgestaltung. Aber auch das ist keine Überraschung.

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