Passat gegen 3er und C-Klasse

VW Passat gegen 3er BMW und Mercedes-Benz C-Klasse VW Passat gegen 3er BMW und Mercedes-Benz C-Klasse

Passat gegen 3er und C-Klasse

— 05.01.2005

Phaeton für alle

Wie schlägt sich die neue Mittelklasse aus Wolfsburg gegen die Konkurrenz von BMW und Mercedes? AUTOMOBIL TESTS mit einem ersten Vergleich.

Raum-Riese Passat bricht Rekord

Nach einigen Monaten in stürmischer See sehnt sich die Volkswagen-Flotte nach ruhigeren Gewässern. In Wolfsburg setzt man deshalb große Hoffnungen in den neuen Passat, Volkswagens hauseigenen Äquatorwind. Ab März 2005 steht die sechste Generation des Mittelklasse-Bestsellers bei den Händlern.

Erste Bilder zeigen, was man sich unter dem "Volkswagen für die bessere Fahrt durch ein bewegtes Leben" (VW-Pressetext) vorzustellen hat. Vor allem ein richtig großes Auto. Der Passat ist mit 4,77 Metern über sechs Zentimeter länger als sein Vorgänger und wirkt mit seinem riesigen Kühlergrill im Silberlook wie ein Phaeton für Normalverdiener. In Stuttgart und München guckt man in die Röhre. Die C-Klasse kommt gerade einmal auf 4,53 Meter, BMWs neuer 3er ist sogar noch einen Zentimeter kürzer.

Das bringt nicht nur Vorteile für die Passat-Passagiere, sondern auch für deren Gepäck: 565 Liter (plus 90 Liter) an Koffern, Taschen und sonstigem Zubehör für die große Fahrt schluckt das Transportabteil des Wolfsburger Reise-Riesen. Das ist absoluter Rekord. In der Mittelklasse und weit darüber hinaus. Eine Mercedes-Benz S-Klasse kommt nur auf 500 Liter.

V6-FSI mit 250 PS als Topmotor

Verantwortlich für das üppige Platzangebot ist ein kompletter technischer Neubeginn. War der Passat bislang ein "Schwestermodell" des Audi A4, stammen die Gene der neuen Generation von Golf und Bora. Damit verabschiedet sich Volkswagen von den längs eingebauten Motoren. Künftig arbeiten die Vier- und Sechszylinder wieder quer zur Fahrtrichtung. Von der neuen Einbaurichtung ist natürlich auch die Motorenpalette betroffen. Von den acht Motoren, die zum Verkaufsstart zur Verfügung stehen, ist nur der Basis-Benziner mit 102 PS eine bekannte Größe.

Darüber rangieren drei Benzin-Direkteinspritzer (FSI) mit 115, 150 und 200 PS. Ende 2005 wird außerdem ein 250 PS starker V6-FSI die Palette erweitern. Ihr Debüt in der Passat-Baureihe geben auch die drei Diesel-Triebwerke. Der kleinste Selbstzünder stammt aus dem Golf und bringt es bei 1,9 Liter Hubraum auf 105 PS. Der Top-Diesel stemmt 170 PS auf die Antriebswelle. Das Potential zum Kassenschlager hat aber der 2.0 TDI mit 140 PS. Das Pumpe-Düse-Aggregat macht bereits in Audi A4, Golf und Touran eine gute Figur und dürfte zum verkaufsstärksten Antrieb werden.

Mit dieser Motorenfülle mithalten kann nur die Mercedes-Benz C-Klasse. Beim Stuttgarter stehen gleich zehn Aggregate (Benziner: 143 bis 367 PS, Diesel 122 bis 224 PS) zur Wahl. Neu ist der C 350 – ein 272 PS starker V6-Motor. Nicht viel älter ist das Diesel-Toptriebwerk. Der neue C 320 CDI bringt es jetzt auf satte 224 PS. Deutlich abgeschlagen: der 3er BMW. Wenn der bayerische Bestseller am 5. März an den Start geht, stehen gerade einmal vier Motoren zur Verfügung. Auf der Benziner-Seite reicht das Angebot von 150 bis 258 PS (320i, 325i, 330i), einzige Wahl bei den Selbstzündern ist der 320d mit immerhin 163 PS.

Schickes und modernes Interieur

Mächtig aufgerüstet haben die Wolfsburger vor allem bei der Ausstattung. Vorbild bei Materialwahl, Gestaltung des Innenraums und technischen Finessen war der Phaeton. So dürfen sich Passat-Kunden in allen Modellen auf eine elektronische Parkbremse freuen. Zusätzlich hat der klassische Zündschlüssel ausgedient. Nach dem Vorbild von Renault mußte er einem kleinen Sender weichen, der vor dem Start einfach in ein Schubfach rechts vom Lenkrad gesteckt wird.

Bei BMW abgeschaut haben sich die VW-Entwickler das dem Fahrer zugeneigte Cockpit mit seiner wuchtigen Mittelkonsole. Das standardmäßig graue Interieur läßt sich je nach Geschmack und Geldbeutel in vier Ausstattungslinien und vier davon unabhängigen Farbwelten einrichten. Edelholz- und schicke Aluminiumapplikationen inklusive. Wer es sich leisten kann, darf sich noch mehr Hightech-Spielzeug des großen Bruders Phaeton ins Auto holen. So gibt es gegen Aufpreis eine zugfreiarbeitende Zweizonen-Klimaanlage, mitlenkende Bi-Xenon-Scheinwerfer, Freisprechanlage mit Bluetooth-Schnittstelle und einen Radar-Tempomaten, der die Distanz zum vorausfahrenden Fahrzeug automatisch regelt.

Vergleichbar schick und modern ist nur der 3er aus München. Auch im BMW werden die Motoren künftig per Knopfdruck zum Leben erweckt, gegen Aufpreis bekommt man sogar die aus dem 5er bekannte Aktivlenkung und das berühmt-berüchtigte iDrive-Bediensystem für die Bordelektronik samt separatem Bildschirm ins Auto gebaut.

Zukünftige Modellvarianten

An teuren Elektronik-Spielereien herrscht auch in der C-Klasse kein Mangel. Gestartet wird schon längst mit bartlosem Schlüssel, und wer will, kann sich seinen Benz mit kratzfestem Nano-Lack überziehen lassen. Lediglich bei der Innenraum-Gestaltung kann die C-Klasse nicht mehr ganz mit der modern eingerichteten Konkurrenz mithalten. Einschränkungen bei der Modellvielfalt kennt ein C-Klasse-Kunde nicht. Kombi, Sportcoupé und CLK sind bekannte Größen im Programm. Hier zahlt sich das "hohe" Alter des Mercedes-Benz aus.

Bei Volkswagen und BMW lassen die entsprechenden Ableger von Passat und 3er noch eine Weile auf sich warten. Der Variant, die vielgefragte Kombi-Version der Wolfsburger, wird voraussichtlich schon ab Ende Juli/Anfang August bei den Händlern stehen. Etwa zwei Monate später wird auch BMWs Touring-3er in den Verkaufsräumen erwartet. Eine Handbreit länger als die Limousine, und doch mehr sportlicher Allrounder als Packesel. Mitte 2006 folgt das Coupé, Ende des Jahres das Cabrio.

Nicht ganz so klar sind die Pläne der Entwickler vom Mittellandkanal. Ein Van auf Passat-Basis steht ebenso in den Sternen wie ein optisch auffälliger Allrad-Ableger im Stil des Audi A6 Allroad.

Technische Daten und Fazit

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Jochen Knecht Der Passat ist ein echter Raum-Riese und mit gehobener Ausstattung auch für Kunden der oberen Mittelklasse interessant. Der neue 3er kann da wegen des noch zu kleinen Motorenangebots nicht mithalten. Mercedes-Benz-Kunden bleibt nur das Warten auf die nächste C-Klasse-Generation.

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