Drei Turbo-Kombis im Vergleich

Performmaster C 63 S /SKN RS 6/Mathilda Leon Cupra: Test

— 29.03.2016

Turbolader

Diese drei Kombis können nicht nur ordentlich laden, sie sind auch heftig aufgeladen. Wir machen uns auf die Suche nach dem spaßigsten Ladegerät.

Ein Seat Leon gegen Mercedes-AMG C 63 und Audi RS 6? Was wird denn das für eine Nummer? Nun, diese Geschichte geht so: Auf der Suche nach neuen Tuning-Kombis stießen wir auf Mathilda. Nein, nicht die Kleine aus der Nachbarschaft, sondern der gleichnamige Tuner. Inhaber Michael Paatz benannte seine Tuning- und Rennwagenschmiede (2016 mit TCR-Seat Leon VLN und 24h) vor einigen Jahren nach seiner Tochter. Und dieser Herr Paatz pries uns sein jüngstes Projekt, den Seat Leon Cupra RST, an. Auf unsere spaßig gemeinte Frage, ob es sein Spanier mit Gegnern jenseits der 600 oder gar 700 PS aufnehmen könne, hallte prompt ein lautes "Ja" durch den Telefonhörer.

Die brachiale Kraft holt SKN aus der Motorsteuerung

Nomen est Omen: Die 730 steht für die Leistung. Dieses Exemplar entfesselte sogar 744 Pferdchen.

Mit gemischten Gefühlen nahmen wir sein Angebot an – nicht ohne ihn noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass es sein Zweiliter-Spielzeug mit einer 612 PS starken C-Klasse von Performmaster und einem 744 PS starken RS 6 von SKN zu tun bekäme. Dagegen dürfte der 480 PS starke Seat wirklich alt aussehen, oder? Wir rechnen kurz durch: 242 PS pro Liter, drei Kilo pro PS – wow! Das könnte ja doch spannend werden. Auch Ralf Nissel von SKN ist wie Paatz kein Kind von Traurigkeit. Sein neues Werk hört auf den Namen RS 6 730. Der Zusatz steht freilich für die Power, jedenfalls die des offiziellen Kits. 5490 Euro berechnet der Tuner für die 170 Extra-PS. Der blaue Testwagen stand ab Werk schon so gut im Futter, dass die Leistungsmessung gar 744 PS ergab. Ein derartiges Plus klingt schwer nach Turboumbau. Doch SKN fasst die Mechanik nicht an. Nissel arbeitet vor allem und ausgiebig am Motormanagement, stimmt die Herstellersoftware im Kennfeldbereich ab. Dazu spendiert er dem V8 etwas mehr Drehzahl.

Der RS 6 rückt näher an die Fahrbahn bekommt breitere Reifen

Asphaltkleber: SKN sorgt mit neuem Fahrwerk und breiten Reifen für besten Fahrbahnkontakt.

Um im Stage-3-Kit die volle Mehrleistung zu mobilisieren, ist ein Wechsel der kompletten Auspuffanlage ab Turboladern unumgänglich. SKN montiert statt ihrer eine großvolumige Milltek-Klappenabgasanlage. Zwischengeflanscht sind zudem zwei 200-Zellen-Sportkats. Die Endrohre beließ SKN beim Testwagen im Originalzustand, andere Designs sind aber möglich. Die Klappen lassen sich per Fernbedienung öffnen und schließen. Zum RS 6 730-Umbau zählen außerdem ein Tieferlegungsmodul für das elektronische Serienfahrwerk (- 30 Millimeter) sowie ein neuer Radsatz. Auch hier hat Nissel nicht gekleckert, sondern geklotzt. Serie sind 20 Zoll, auch 21-Zöller sind ab Werk zu haben; Nissel ging dazu noch in die Breite. So bedient er sich bei Schmidt Revolution und bestückt beide Antriebsachsen mit 10,5 x 21-Zöllern samt 295/30er-Conti SportContact 6. Die Bremse beließ er im Serienzustand.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Die Stopper des C 63 S T-Modells von Performmaster wurden bereits ab Werk aufgerüstet. Für 4998 Euro verzögert die Vorderachse nun keramisch, die Sportabgasanlage wurde ebenfalls gleich mitbestellt. Alles Weitere steuert der Tuner bei.

Performmaster dürfte die Spoiler beim C 63 S ruhig weglassen

Der Dachspoiler des Performmaster C 63 S erhöht die Windgeräusche bei hohem Tempo erheblich.

Der Name Performmaster klingt neu in der Mercedes-Szene, dabei ist man seit 27 Jahren im Business tätig. Bislang eher im Hintergrund aktiv, geben Udo Heinzelmann und sein Team nun auch an der Tuningfront ordentlich Gas. Beim neuen Vierliter-Biturbo des C 63 S kommt das sogenannte PEC Tuningmodul zum Einsatz – eine Zusatzbox, die dem Motorsteuergerät vorgeschaltet wird. Sie versorgt die Bordelektronik mit neuen Kenndaten für unter anderem eine höhere Benzinzufuhr und mehr Ladedruck. Ergebnis: Statt 510 wüten nun 612 PS in der C-Klasse. Damit diese nicht ständig in die 250-km/h-Begrenzung donnert, ist die Vmax-Anhebung auf 310 km/h beim PEC-Modul inklusive. Doch Performmaster macht nicht nur Power, sondern auch Beine. An den Achsen rotieren schwarze Kreuzspeicher in 8,5 und 10 x 20 Zoll, besohlt mit Michelin Super Sport. Für etwas mehr Pfeffer im Auftritt sorgen ein Satz Front-Cupwings und ein Dachspoiler von Piecha. Leider geht mit dieser Maßnahme eine deutliche Zunahme der Windgeräusche einher.

Bis auf ein paar Aufkleber ist der Leon von Mathilda serienmäßig

Wolf im Schafspelz: Der Leon von Mathilda bleibt äußerlich im Serienlook – unterm Blech tobt ein Biest.

Inzwischen ist auch der Mathilda in der Redaktion angekommen. In Erwartung eines ultrafetten Seat eilen die Kollegen gleich zur Begrüßung. Doch was da vom Hänger rollt, ist äußerlich die blanke Serie. Höchstens die orangen Räder aus dem ab Werk erhältlichen Performance-Paket fallen ins Auge. Schön, die Sponsorenleiste oberhalb des Schwellers klingt verheißungsvoll: Pagid, KW und HJS steuern Bremsbeläge, Gewindefahrwerk und Sport-Kat bei. Ein Name fehlt jedoch: HGP. Turbo-Papst Martin Gräf höchstpersönlich legte bei diesem ursprünglich 290 PS starken Seat-Motor Hand an. Das Innenleben blieb weitgehend Serie, dafür beschäftigte er sich mit dem Turbolader, der nun sage und schreibe 2,0 Bar maximalen Druck liefert. Direkt an der Turbine sitzen der Sportkat und eine völlig neu konstruierte Sportauspuffanlage. So wie man es von HGP kennt, macht dieser Klangkörper optisch nicht auf dicke Hose, sondern erscheint im Serienlook. Doch der Sound, der den beiden ovalen Rohren entweicht, ist einfach rattenscharf. Unglaublich, dass ein Vierzylinder derart klingen kann! Allen, deren Stirn sich in Sorgenfalten legt angesichts von 242 PS Literleistung bei entsprechendem Ladedruck, sei gesagt, dass die HGP-Truppe weiß, was sie tut. Damit das Doppelkupplungsgetriebe vor der Power nicht kapituliert, erhielt es zusätzliche Lamellen, die Schaltzeiten wurden verkürzt und etwas mehr Drehzahl spendiert.

Wie sich die drei Power-Kombis fahren, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Mathilda Performmaster SKN
Modell Leon Cupra RST C 63 S T-Modell RS 6 Avant
Motorbauart R4 V8 V8
Aufladung/Ladedruck Turbo/2,0 bar Biturbo/1,4 bar Biturbo/1,9 bar
Einbaulage vorn quer vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 1984 cm³ 3982 cm³ 3993 cm³
Bohrung x Hub 82,5 x 92,8 mm 83,0 x 92,0 mm 84,5 x 89,0 mm
Verdichtung 9,3:1 10,5:1 10,1:1
Leistung kW (PS) b. 1/min 353 (480)/6300 450 (612)/5250 547 (744)/5700
Literleistung 242 PS/l 154 PS/l 186 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 605 / 3300 840 / 4000 925 / 4000
Antrieb Vorderrad Hinterrad Allrad
Getriebe 6-Gang-Doppelkupplung 7-Stufen-Automatik 8-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 380 mm/innenbel./geschl. 402 mm/innenbel./gelocht 390 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 310 mm/innenbel. 360 mm/innenbel./gelocht 356 mm/innenbel./ gelocht
Bremsenmaterial Stahl Keramik/Stahl Stahl
Radgröße vorn – hinten 8 x 19" 8,5 x 20" – 10 x 20" 10,5 x 21"
Reifengröße vorn – hinten 235/35 R 19 245/30 R 20 – 275/25 R 20 295/30 R 21
Reifentyp Dunlop SP Sport Maxx Race Michelin Pilot Super Sport Conti SportContact 6
Länge/Breite/Höhe 4543/1816/1401 mm 4771/1839/1441 mm 4979/1936/1400 mm
Radstand 2631 mm 2840 mm 2915 mm
Tankvolumen 50 l 66 l 75 l
Kofferraumvolumen 587-1470 l 490-1510 l 565-1680 l
Messwerte
0- 50 km/h 2,8 s 1,9 s 1,2 s
0-100 km/h 5,7 s 3,9 s 3,0 s
0-130 km/h 7,5 s 5,7 s 4,6 s
0-160 km/h 9,9 s 8,0 s 6,6 s
0-200 km/h 14,5 s 12,0 s 10,2 s
Vmax 298 km/h 310 km/h (abgeregelt) 330 km/h
Testwagenpreis 54.650 Euro 103.110 Euro 127.743 Euro

Kombilohn

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel hadnelt von folgenden Modellen: Mathilda Leon Cupra RST, Performmaster C63 S T-Modell und SKN RS 6 Avant (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

11.03.2016

Preis:

1,00 €

Autor:

Guido Naumann

Fazit

Sicher, rein nach der Längs- und Querdynamik heißt der Sieger natürlich SKN RS 6 – der blaue Kombi ist eine wahre Macht. Doch die Krone dieses Vergleichs erhält der Mathilda Seat. Warum? Subjektiv flasht er am meisten, rennt fast 300 Sachen, kostet im Vergleich zur Konkurrenz aber – wenn überhaupt – gerade mal die Hälfte. Auch der Performmaster macht Spaß, ist schneller als die Serie, hadert aber etwas mit dem Tuning.

Stichworte:

Kombi

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