Peugeot 1007 – Opel Agila – Renault Modus

Drei Mini-Vans im Vergleich Drei Mini-Vans im Vergleich

Peugeot 1007 – Opel Agila – Renault Modus

— 06.06.2005

Hilft Peugeot uns aus der Klemme?

Zugegeben: Schiebetüren lösen Park-Probleme und erleichtern den Einstieg. Doch was kann der neue Peugeot 1007 sonst noch? Der Vergleich mit Renault Modus und Opel Agila bringt Klarheit.

Außen klein, innen pfiffig

Höher, schneller, weiter – was als olympisches Motto begann, mutiert in unserer Leistungsgesellschaft immer mehr zum unkontrollierten Größenwahn. Gegen 75 A hilft die Brust-OP, gegen mangelnde Kompetenz die große Klappe und gegen ein schwaches Selbstbewußtsein der dicke Schlitten. Motto: Was kostet die Welt? Ein Gedanke, der mir manchmal auch nicht ganz fremd ist. Und dann fährt der Herr Autotester eben lieber V8 statt 8V. Doch jetzt hat mich der "Klein, aber oho"-Virus erwischt wie eine Sommergrippe.

Ausgelöst hat diesen Wandel der Peugeot 1007, der sich hier erstmals im Test gegen Renault Modus und Opel Agila beweisen muß. Alle drei treten mit rund 70 PS starken Dieselmotoren an. Und alle drei sind absolut genial. Jeder auf seine Art. Außen klein, innen randvoll mit pfiffigen Ideen und jeder Menge Raum. Das alles zu sozialverträglichen Preisen – ja, ja, so groß kann klein sein.

Peugeot bietet auf 3,73 mal 1,66 Metern Grundfläche immerhin passable Platzverhältnisse vorn, während der Fond eher die Bezeichnung 2+2-Sitzer nahelegt und die Rundumsicht des Micro-Vans gegen null tendiert. Der Clou des kleinen Franzosen steckt aber in den zwei elektrisch betriebenen Schiebetüren (Serie). Die sorgen für coole Auftritte vor der Disco oder schmerzfreien Ein- und Ausstieg beim Kaffeekränzchen. Wenn man denn bereit ist, der Tür rund sechs Sekunden fürs Auf- oder Zusurren zu gönnen. Mich hat das – ehrlich gesagt – genervt. Mein Bitte an Peugeot: Bringt eine Version mit handbetriebenen Schiebetüren. Doch vielleicht bin ich einfach zu ungeduldig.

Schiebung im 1007

Läßt im Alter die Beweglichkeit nach (und das erwischt uns alle!), werde ich die hohe Sitzposition und den absolut freien Zugang wohl mehr zu schätzen wissen. Im Moment freue ich mich vor allem darüber, daß mein Sohn (fast vier) beim Aussteigen keine Beulen am Nachbarauto produziert. Übrigens stoppen die Automatiktüren in jeder Richtung, sobald Feindkontakt besteht.

Sorgen mache ich mir eher beim Thema Dauerhaltbarkeit und bei der Crashsicherheit. Nicht, daß wir uns falsch verstehen: Die Verarbeitung des Peugeot 1007 geht in Ordnung, auch wenn einige Passungen (noch?) nicht perfekt stimmen und die Materialien wie bei der Konkurrenz auch eher einfach ausfallen. Bedenken habe ich aber bei den frei in der unteren Führung laufenden Bowdenzügen – ob das nach drei Jahren hartem Auto-Alltag alles noch wie geschmiert läuft?

Gleiches bei der Sicherheit. Als einziger serienmäßig mit ESP (nur bei niedrigem Tempo abschaltbar) und sieben Airbags gespickt, überläßt der 1007 nichts dem Zufall. Mit fünf Sternen im EuroNCAP-Crashtest (erst der zweite Kleine nach dem Renault Modus) zeigt sich der Peugeot eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Doch was passiert bei einem Auffahrunfall, wenn sich womöglich die Führungen der Schiebetüren verbiegen? Gehen die Dinger dann noch auf, oder sitze ich wie die Maus in der Falle?

Werksangaben und Testwerte

Die Flucht nach vorn tritt der 1007 HDi 70 eher gemütlich an. Der 1,4-Liter-Diesel zerrt mit 68 PS an den Vorderrädern, tut sich mit dem hohen Gewicht schwer. Mühsam kommt die Fuhre in Schwung, der gut zur Hand liegende Schalthebel findet auf der Landstraße kaum Ruhe, auf der Autobahn brauche ich ab 130 km/h reichlich Geduld.

Das können Modus und Agila besser. Der 1,3-Liter im Opel schickt 70 angriffslustig knurrende PS ins Rennen, kommt trotz des subjektiv eher zähen Eindrucks in jeder Situation am schnellsten vom Fleck. Grund: der klare Gewichtsvorteil von rund 130 Kilo. Was stört da die nicht ganz sauber geführte Schaltung – schließlich fahre ich Micro-Van und nicht Motorsport. Was im übrigen auch niemandem empfohlen sei. Denn der kantige Agila muß ohne elektronische Straßenwacht und mit einem recht einfachen Fahrwerk auskommen. Wenn ich mit den Kids zum Stadtbummel fahre, kein Problem. Ausweichmanöver bei zügiger Fahrt sorgen aber für heftige Heckaktivitäten und mulmiges Magendrücken. Verstärkt wird das Unbehagen durch die scheinbar nur widerwillig ausgeführten Lenkkorrekturen.

Clever und agil: Renault Modus

Im modernen Modus sitzt eindeutig der kultivierteste aller drei Selbstzünder. Friedlich schnurrend nimmt der 1.5 dCi Fahrt auf, entfaltet seine 68 PS angenehm gleichmäßig, liefert anständige Fahrleistungen. Schaltung und Lenkung arbeiten ausreichend präzise – das bin ich vom Mégane nicht unbedingt gewohnt.

Ein kuschelig-komfortables Fahrwerk schon eher. Beim Glattbügeln von Schlaglochpisten zeigt der Modus echte Nehmerqualitäten, da können der hochbeinige Agila und der eher straffe 1007 absolut nicht mithalten. Die Kehrseite der Medaille: Oft sehen die Komfort-Könige beim Elchtest ganz schlecht aus. Nicht so der knuffige Renault. Das Fahrwerk bietet hohe Sicherheitsreserven und sogar so etwas wie Fahrspaß. Erst am Limit und bei provozierten Lastwechseln vermisse ich das ESP (1050 Euro).

Dafür hat der Renault jede Menge clevere Ideen an Bord. Mit zwei Handgriffen rückt die Bank von drei auf zwei Plätze zusammen und rutscht zwischen die Radhäuser nach hinten. So schafft der ohnehin geräumigste Mini-Van im Feld zusätzliche Lümmel-Länge. Auch der kinderleicht aufsteckbare Fahrradträger (ohne teure Anhängekupplung!) oder die Extraklappe am Heck (könnte ruhig weiter öffnen) sprechen für kreative Köpfe im Hause.

Kosten und Ausstattungen

Der 1007 zeigt sich hier deutlich konventioneller. Ohnehin nur mit vier Sitzen ausgestattet, begnügt er sich damit, diese zu verschieben und zu klappen. Kein schlechtes, aber auch kein sonderlich intelligentes, neues Konzept. Gleiches gilt für den Agila (Foto), der aber auf die einfachste Bedienung verweisen kann. Ein Hebelchen ziehen, schon rutscht die Sitzfläche nach vorn weg, fällt die Lehne obenauf. Ergibt eine leicht schräge Ladefläche und Platz für den nächsten Umzug.

Preise und Wertung

Ein weiteres Opel-Plus: Der Agila 1.3 CDTI startet bei verführerischen 12.075 Euro – für den Renault Modus 1.5 dCi müssen es mindestens 13.400, für den Peugeot 1007 HDi 70 sogar 14.900 Euro sein. Allein 1500 Euro sollen die elektrischen Schiebetüren verschlingen. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Peugeot 1007 HDi 70, Opel Agila 1.3 CDTI und Renault Modus 1.5 dCi. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Gerald Czajka

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