Peugeot 106 (ab 1991)

Gebrauchtwagen Peugeot 106 Gebrauchtwagen Peugeot 106

Peugeot 106 (ab 1991)

— 25.02.2002

Riesig, der Kleine

Winzling mit besten Manieren: Der Peugeot 106 beweist, daß französische Kleinwagen nicht nur schick, sondern auch solide sein können.

Karosserie und Antrieb

Ein bißchen überrascht war die Fachwelt schon, als Peugeot 1991 unterhalb des erfolgreichen 205 noch ein Baby namens 106 auf die Welt brachte. Schließlich war der Neue zwar kleiner, aber kaum billiger als das Zugpferd der Peugeot-Palette. Dafür aber, wie sich später zeigen sollte, um einiges haltbarer.

Das zwei- oder viertürige Gehäuse wirkt wesentlich stabiler als von französischen Kleinwagen gewohnt. Ein Eindruck, der auch nach ein bis zwei Tachoumrundungen haftenbleibt. Außerdem scheint unser 106 ordentlich gegen Korrosion geschützt zu sein. Die nur spärlich beschichteten Blechpartien des sechsjährigen Fotomodells hatten lediglich winzige braune Stellen. Im Gegensatz dazu: Jeder sechste AUTO BILD-Lesertester bemängelt Rostbefall. Ein typisches Leiden ist in jedem Fall Feuchtigkeit im Innenraum, weil die Türgummis schnell altern, porös werden oder einreißen.

Am beliebtesten sind die sparsamen 1,0- und 1,2-Liter-Motoren mit 45 oder 60 PS. Bereits der kleinste ermöglicht der motorisierten Einkaufstasche ordentliche Fahrleistungen, beim stärkeren darf schon von Temperament gesprochen werden. Davon bietet er jedenfalls so viel, daß die Anschaffung eines stärkeren 106 zur reinen Prestigefrage wird. Ausnahme: Das Automatik-Modell XS gab es nur von 94 bis 96 und ausschließlich als 89-PS-Benziner.

Darüber rangieren die XSi-Modelle, die mit 94 oder gar 104 PS unter der Haube in die Rubrik Knallbüchsen fallen. Also Vorsicht vor diesen 106 in auffälliger Kriegsbemalung - damit ist meist schon alles über den Fahrstil des Vorbesitzers gesagt. Krasser Gegensatz dazu: die Diesel. Mit 1,4 oder 1,5 Liter Hubraum generell nicht besonders durchzugsstark, dafür sehr genügsam und einigermaßen laufruhig. Bei der Probefahrt unbedingt auf blauen Rauch achten, einige verbrauchen zuviel Öl. Ansonsten plagen den 106 nur zwei Zipperlein – die wasserscheue Elektrik und der eifrig rostende Auspuff.

Innenraum und Fahrwerk

Überraschend ist das luftige Gefühl im Kleinwagen 106. Vier normal gewachsene Mitteleuropäer kommen sich nicht ins Gehege, was aber auch an den sparsam bemessenen Sitzen liegt. Die brauchen nur wenig Platz, sind allerdings für größere Menschen zu mickrig. Großzügiger geschnitten und besser gepolstert ist das Sportgestühl der schnelleren Versionen – ohne dadurch sehr viel stabiler zu sein.

Störgeräusche verursacht die Tachowelle, die bei einigen frühen Jahrgängen durch Rattern auf sich aufmerksam macht. Doch das Gros der möglichen Pannen im 106 findet meist in aller Stille statt – wenn elektrische Fensterheber oder die Zentralverriegelung gerade mal pausieren. Kaum zu glauben übrigens, welche Lenkkräfte ein so kleines Auto benötigt. Deshalb ist die – auch in der 96er Version nicht immer serienmäßige - Servolenkung kein Luxus für gestreßte Städter. Überraschend gut ist dagegen der Federungskomfort: Trotz seines geringen Gewichts schluckt der 106 einfach alles, was den Straßenbauern so durchgeht, ohne dabei schwammig zu wirken. Auch beim Fahrverhalten benimmt sich der kleinste Peugeot überraschend erwachsen.

Über sechs Jahre ist der 106 in Deutschland präsent, da müßte eigentlich ein breites Angebot locken. Denkste – die Qualitäten des pfiffigen Franzosen haben sich längst herumgesprochen, gebraucht ist er immer knapp. Wer trotzdem mehrere zur Auswahl findet, sollte einen alten, aber noch immer aktuellen Kleinwagen-Tip beherzigen: In der Stadt zurückgelegte Kilometer zählen doppelt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/91 Neueinführung als Dreitürer mit 1,1- oder 1,4-Liter-Benziner (60, 75 oder 94 PS) • 7/92 neuer 1.0i-Spar-Motor mit 45 PS • 1/93 Einführung des Fünftürers und eines 50-PS-Diesels (Oxi-Kat) • 7/94 neue Top-Motorisierung 1,6-Liter mit 89 oder 104 PS • 11/94 neuer Diesel mit 55 PS (Oxi-Kat) • 4/96 Facelift, Fahrer-Airbag/Wegfahrsperre Serie; Einstiegsmodell Sketch (45 PS, 17100 Mark), Topversion S16 (118 PS).

Schwachstellen Ölverlust an Motor und Getriebe • Überhitzung (defekter Thermoschalter und Kühlerlüfter) • schlappe Lichtmaschinen • Zündsteuergerät ausgefallen • hoher Ölverbrauch (Diesel) • Tankentlüftung ungenügend • Tachowelle rattert • Leuchtweiten-Regulierung defekt • Wassereinbruch durch Türgummis • Auspuff durchgerostet • Federbeine poltern durch marode Gummilager.

Reparaturkosten Nach sechs Jahren gibt es kaum Ersatzteilsorgen beim kleinen Peugeot, der nächste Schrotti hilft bestimmt. Und wenn es doch mal ein Neu- oder AT-Teil sein muß, die Preise liegen im Durchschnitt sogar unter denen deutscher Kleinwagen.

Fazit und Urteil

Fazit In der modernen Kleinwagen-Clique um Corsa und Co ist der 106 der kleinste - ohne dabei aber weniger erwachsen zu sein. Denn spürbar werden seine fehlenden Zentimeter und Kilo allenfalls beim wirklich günstigen Verbrauch. Solide ist er allerdings wie ein großer. Lediglich die kapriziöse Elektrik neigt regelmäßig zu nervigen Zicken und kostet den kleinsten Peugeot damit eine noch bessere Abschlußnote.

AUTO BILD-Urteil: Empfehlenswert

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