Peugeot 2008 HybridAir: Fahrbericht

Peugeot 2008 Hybrid-Air Geiger im Peugeot 2008 Hybrid-Air Peugeot 2008 Hybrid-Air

Peugeot 2008 HybridAir (2017): Fahrbericht

— 04.07.2014

Erste Fahrt im Druckluft-Peugeot

Peugeot setzt statt auf Elektro-Hybrid auf Stickstoff und Druckluft-Technik – den "hydraulischen Hybrid". Erstes Ergebnis der stillen Revolution: der Peugeot 2008 HybridAir. Wir sind ihn gefahren!

Stille Revolution? Wenn es nach Peugeot und Citroën geht, dann klingt das Auto von morgen nicht wie ein Ufo im Landeanflug, sondern eher wie Vogelgezwitscher. Denn während alle Welt an der Elektrifizierung des Antriebs arbeitet und ihr Heil im Hybridantrieb ohne und mit Steckdosenanschluss sucht, wollen die Franzosen ihre Autos künftig mit Druckluft betreiben. Zumindest auf den ersten Metern. Denn zum elektrischen Fahren braucht man schließlich Akkus, am besten mit Lithium-Ionen-Technik. Und die sind dem PSA-Konzern zu teuer, zu aufwendig und zu kompliziert, als dass man sie gewinnbringend auch in Kleinwagen einbauen könnte. Genau dort aber müssen die Franzosen ansetzen, wenn sie ihren Flottenverbrauch senken und etwas gegen die dicke Luft in Paris tun wollen, weil genau das die Autos sind, die sie am häufigsten verkaufen.

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Peugeot 2008 HybridAir Concept Peugeot 2008 HybridAir Concept Peugeot 2008 HybridAir Concept
Deshalb sucht Projektleiter Karim Mokaddem seit vier Jahren nach einem alternativen Energieträger, ist dabei auf Stickstoff statt Strom gestoßen und hat gemeinsam mit Bosch nun eine erste Flotte von Prototypen aufgebaut, die mittlerweile regelmäßig durch den Stadtverkehr von Paris zwitschert. Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gas, wird auch dort rekuperiert. Nur dass jetzt statt des Generators eine Pumpe läuft. Sie presst Hydrauliköl in einen Stickstofftank im Mitteltunnel. Der Druck des ungiftigen und ganz natürlichen Gases, das zum Beispiel Hauptbestandteil unserer Atemluft ist, wird damit von 200 auf 350 bar erhöht. Legt die Elektronik die entsprechenden Ventile um und setzt diesen Druck wieder frei, kann man damit über das in einem geschlossenen Kreislauf bewegte Öl einen Hydraulikmotor antreiben und so gut 40 PS in die Waagschale werfen. Das reicht, um den umgerüsteten Peugeot 2008 auf bis zu 60 km/h zu beschleunigen. Oder es ist eine deutlich spürbare Unterstützung für den 82 PS starken Dreizylinder-Benziner, der vorn mit unter der Haube steckt.

Das hydraulische System besteht im Wesentlichen aus zwei Hydraulikeinheiten sowie den dazugehörigen Druckspeichern.

Zwar entspricht der gespeicherte Systemdruck nur der Energiemenge eines Schnapsglases voll Sprit und reicht deshalb nur für wenige Hundert Meter reinen Fahrbetriebs. Doch wo die Akkus eines Elektro-Hybriden frühestens nach ein paar Minuten wieder voll und so für die nächsten sauberen Kilometer bereit sind, ist der HybridAir-Tank schon binnen zehn Sekunden wieder geladen. "Kein anderes System kann den Verbrenner so schnell und so oft unterstützen", schwärmt Projektleiter Karim Mokaddem. Das zahlt sich vor allem im Stadtverkehr aus: Dort hat der Verbrenner auf den Testrunden durch die Hauptstadt in bis zu 80 Prozent der Fahrzeit Pause und der CO2-Ausstoß sinkt um 45 Prozent. Schon für den aktuellen 2008 stellt Mokaddem damit einen Normverbrauch von 2,9 Litern in Aussicht. Konstruiert man einen neuen Kleinwagen um das Konzept herum, sollen sogar die Zweiliter-Grenze fallen.Natürlich gibt es auch die HybridAir-Technologie nicht zum Nulltarif. Doch gemessen an den rein elektrischen Komponenten und vor allem den Lithium-Ionen-Akkus ist die französische Luftnummer ein Schnäppchen: "Mit dieser Technik können wir den Aufpreis für ein Hybridmodell glatt halbieren", sagt Mokaddems Kollege Eric Lalliard und ist überzeugt, dass die Technik so auch für Kleinwagen wie den Citroën C3 oder den Peugeot 208 erschwinglich wird.

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Die Idee ist verlockend, aber Umsetzung offenbar nicht ganz so einfach. Vor allem, weil es bislang an ihrer Industrialisierung mangelt: Weil diese Technologie bislang nur in Nischen fernab der Autoindustrie angewandt worden sei, gebe es keinen Zulieferer, der entsprechend große Stückzahlen liefern könne, klagt der Entwickler und erklärt damit, weshalb die Franzosen vom Start weg auch Bosch mit ins Boot geholt haben. Die haben damit zwar schon ein bisschen Erfahrung und mittlerweile auch ein paar Jahre Vorlauf. Doch ein bisschen könnten sich die vornehmlich japanischen Anbieter konventioneller Hybrid-Kleinwagen noch in Sicherheit wiegen, räumt Bosch-Mann Christian Meckert ein: "Wenn wir jetzt durchstarten, können wir in drei Jahren auf dem Markt sein." Vorher allerdings müssten PSA und Bosch noch weitere Partner ins Boot holen, sagen die Beteiligten: "Alleine bekommen wir die Revolution nicht durch."

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