Peugeot 205 (1983-1996)

Gebrauchtwagen Peugeot 205 Gebrauchtwagen Peugeot 205

Peugeot 205 (1983-1996)

— 25.02.2002

Lieben und schieben

Keiner ist perfekt. Schon gar nicht der Peugeot 205. Trotzdem sind seine Fans ganz wild auf ihn.

Karosserie und Qualität

Französische Kleinwagen galten bis in die achtziger Jahre als gefährliche Liebschaften. Denn die Begeisterung junger Damen für Citroën-Enten und Baby-Löwen wie Peugeot 104 wurde stets zur teuren Leidenschaft, wenn der kleine Freund mit den ersten Rostblüten kam. Das änderte sich erst 83 mit dem Peugeot 205, dem großen Nachfolger des 104. Dank solider Rostvorsorge (sechs Jahre Garantie gegen Durchrostung) und zeitlos stimmigem Design eroberte der Franzose in 13 Jahren die Herzen von 420000 deutschen Fans. Sogar drei Jahre nach Produktionsende sind noch eine Viertelmillion kleiner Löwen bei uns unterwegs.

Doch einen Kritiker konnte der kleine Charmeur nie einwickeln: den TÜV. Dessen Prüfer registrieren seit Jahren die Anfälligkeit der Bremsanlage, die ausgeschlagene Lenkung und die undichten Motoren (TÜV Auto Report 99/AUTO BILD-Spezial). Da machte unser Testmodell vom März 91 keine Ausnahme. Der beliebte 1,9-Liter-Dieselmotor zeigte sich auf der Hebebühne von seiner öligsten Seite. Mindestens die Dichtung der Antriebswelle ist nach 214.000 Kilometern hinüber. Bei Benzinern ist öfter die Kopfdichtung fällig und nach 100.000 Kilometern die Ventildeckeldichtung leck. Spätestens wenn das Öl in Tropfen unterm Motor hängt, verweigert der Prüfer endgültig die Plakette.

Ebenfalls verlustreich sind eingerissene Achsmanschetten. Auch das Testobjekt litt an dieser Erbkrankheit: Rechts war die getriebeseitige Manschette kaputt, das Gelenkfett drückte heraus. Setzt sich dann noch Schmutz fest, kann das Gelenk festlaufen. Dann wird eine teure Welle statt einer billigen Manschette fällig. Kritisch sollten auch Lenkgelenke und Radlager inspiziert werden. Die Lager werden von AUTO BILD-Lesertestern als typische Schwachstelle genannt, ausgeschlagene Gelenke stehen meistens im TÜV-Bericht.

Motor und Technik

Schlimmer sind allerdings die Befunde an den Bremsen. Rubbelnde, riefige und verschlissene Bremsscheiben vorn sind überdurchschnittlich häufig. Hinten rostet bei seltener Nutzung das Handbremsseil fest. Ganz bitter: rostige Bremsleitungen. Die Erneuerung ist aufwendig und teuer. Beim Test-Peugeot saß der Gilb ebenfalls schon unter der Ummantelung. Angegriffen waren auch die Dieselleitungen, teilweise unsachgemäß durch Kraftstoffschläuche ersetzt. Da die Hälfte aller zugelassenen 205 Dieselmodelle sind, ein wichtiger Prüfpunkt beim Gebrauchtwagenkauf.

Dort gilt der Selbstzünder immer noch als erste Wahl. Denn die Motoren laufen sehr ruhig, sind verhältnismäßig leise und schlucken nur um die fünf Liter - ohne dabei auf Kraft aus dem Drehzahlkeller zu verzichten. Hat Peugeot beim 205 irgendeine PS-Motorisierung ausgelassen? 45, 50, 55, 60, 64, 67, 75, 80, 84, 89, 102, 120, 128 - rund zwei Dutzend Varianten gibt es. Empfehlenswert sind die kleinen Benziner (1.1, 1.4), die schon reichlich Fahrspaß bieten. Wer noch mehr Gas geben will, findet im GT (89 PS) und GTi (103 bis 128 PS) den wahren Wolf im Schafspelz. Zahlt dafür aber auch Versicherungstypklassen fast auf Audi-A8- oder BMW-7er-Niveau.

Luxus wie elektrische Fensterheber und Schiebedach gibt es aber auch im 205. Leider von der Funktion her nicht so zuverlässig. Anlasser, Lichtmaschine und Batterie streiken gerne mal. Wenig strapazierfähig, zu weich und typisch französisch kurz sind die Sitze. Doch das fällt bei zarten Fahrerinnen seltener ins Gewicht als bei gestandenen Kerlen. Das 205-Angebot ist hierzulande durchwachsen. Zehnjährige Kat-Modelle werden um 3000 Mark gehandelt, jün-gere Ausgaben bringen knapp 10.000 Mark. Denn obwohl die Schwächen des kleinen Franzosen kein Geheimnis sind, wird er von den Fans geliebt - selbst wenn sie ihn schieben müssen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 3/83 Debüt auf dem Genfer Salon. Markteinführung in Deutschland ab Herbst: Fünftürer mit Benzinmotoren ab 11.900 Mark 8/83 1,8-Liter-Dieselmotor mit 60 PS eingeführt 4/84 Topmodell GTi mit 1,6-Liter-Motor und 103 PS: 20.380 Mark 9/84 Dreitürer eingeführt. Basis: XE (45 PS) ab 11.790 Mark 3/86 Cabrio-Version von Pininfarina (79/103 PS) ab 23.600 Mark 9/88 neue Motorengeneration TU: 1.1 (60 PS) und 1.4 (75 PS)und Modellpflege: Ausstattungsverbesserungen 9/89 alle Benziner mit G-Kat (60-120 PS), Diesel ab 9/91 mit Kat 7/96 Produktionsende. Nachfolger 206+ erst ab 10/98

Schwachstellen • Bremsscheiben sind laut TÜV Auto Report/AUTO BILD-Spezial überdurchschnittlich häufig verschlissen. Außerdem sind die Bremsleitungen rostgefährdet, auch das Handbremsseil gammelt fest. Die Bremswirkung ist oft ungleichmäßig • Ölverlust an Motor und Getriebe ist ein typischer Schwachpunkt. Ursache können undichte Ventildeckel oder Zylinderköpfe, leckende Ölwannen und kaputte Simmerringe der Antriebswelle sein • Elektrik mit Zicken: Anlasser, Lichtmaschine, Fensterheber, Batterie, Lüftermotor, Einspritzanlage • Lenkung mit Anfälligkeiten durch ausgeschlagene Gelenke und Radlager sind ein Hauptärgernis für die AUTO BILD-Lesertester • Getriebe schalten sich hakelig, und die Kupplung verschleißt schnell

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Peugeot 205 XRD, 1.9, 47 kW/64 PS, Bj. 93. Vor allem der Lohn macht die Wasserpumpe teuer. Neuer Motor? Die DAT-Tabelle gibt kein AT-Teil an, aber mit Glück findet sich Ersatz beim Schrott.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der Peugeot 205 ist ein recht zuverlässiges Stadtauto, das nur wenige gravierende Fehler hat. Dazu gehören vor allem ausgeschlagene Radlager und Lenkgelenke. Unangenehmer ist Bremsenärger mit schnell verschlissenen Scheiben, festsitzenden Handbremsseilen und rostigen Bremsleitungen. Typisch sind leider auch der Ölverlust an Motor und Getriebe sowie elektrische Pannen mit Anlasser, Lichtmaschine und Einspritzanlage. Trotzdem, vor allem der Diesel ist fast unzerstörbar und für einige 100.000 Kilometer gut, sofern der Zahnriemen gewechselt wird. Empfehlenswert sind auch die kleinen Einspritzer mit ausreichend Fahrspaß. Die alten Vergaser- und GTi-Modelle sind zu durstig." D. Stuck & M. Westphal, ACT-Teilehandel, Jork

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