Peugeot 206 (ab 1998)

Gebrauchtwagen Peugeot 206 Gebrauchtwagen Peugeot 206

Peugeot 206 (ab 1998)

— 28.11.2002

Wie gut ist der Europa-Meister?

Europas Meistverkaufter ist der ... nein, nicht der Golf. Es ist der Peugeot 206! Als Gebrauchter allerdings benimmt sich der Franzose nicht ganz so meisterlich.

Elektrik und Qualität

Den Nachfolger für ein erfolgreiches Auto zu bauen ist die schwierigste Aufgabe für jeden Hersteller. Doch Peugeot hat diese Herausforderung mit Auszeichnung bewältigt. Der 1998 eingeführte 206 ist ein würdiger Erbe des fast schon legendären 205. Und seit letztem Jahr sogar das meistverkaufte Auto Europas. Dennoch hat Peugeot es versäumt, den Frauenliebling auch deutlich besser aufs Alter vorzubereiten.

So nervten die ersten Produktionsmonate bis Mitte 99 mit polternden Stoßdämpfern, und der Anfang 2001 für den AUTO BILD-Supertest gekaufte 206 verwirrte mit einer ständig leuchtenden Motor-Kontrolllampe. Ignorieren, wie es ein Händler empfahl, half auch nicht – der 206 blieb anschließend liegen. Ähnliches passierte auch vielen Lesern, in unserem Kummerkasten finden sich zahlreiche Einträge zum Thema Motormanagement. Betroffen sind vor allem die Baujahre 1999 und 2000, danach bekamen die Franzosen die Elektronik allmählich in den Griff.

Dazu gehört natürlich auch die Wegfahrsperre, die selbst dem rechtmäßigen Benutzer zuweilen das Losfahren verbietet. Wobei der in einigen Fällen offensichtlich selbst schuld ist: Die Pannenwächter des ADAC haben ermittelt, dass unter bestimmten Bedingungen der Transponder-Chip aus dem Zündschlüssel herausfallen kann, was natürlich die Diebstahlsperre zu Recht als unerlaubten Zugriff interpretiert. Damit sind die Elektronik- Pannen aber noch längst nicht vollständig aufgezählt, es fehlen noch die Komfort-Extras: Radio, Fensterheber und die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung – Serie ab Présence – müssen vor dem Kauf eines gebrauchten 206 ausgiebig getestet werden.

Motor und Technik

Doch während sich solche Wehwehchen noch einigermaßen preiswert beseitigen lassen, wird ein Getriebeschaden schon teurer. Das Zahnradsortiment scheint ein Schwachpunkt des 206 zu sein, zahlreiche Leser berichten von Schäden daran. Entscheidend ist die Geräuschkulisse: Ein leichter Singsang bei langsamer Fahrt ist normal und nicht zu beseitigen, lautes Mahlen oder klemmende Gänge jedoch nicht. Allerdings kann auch das Schaltgestänge schuld sein, gelegentlich hakt es aus, dann muss der gerade eingelegte Gang für den Rest der Reise genügen.

Lästig ist auch der Verschleiß der Bremsen. Die vorderen müssen aus Kosten- und Kühlungsgründen auf ein Abschirmblech zur Radinnenseite verzichten, entsprechend viel Schmutz fördert die Abnutzung und Rostbildung – bei tiefen Rillen in der Bremsscheibe hilft nur der Austausch. Regelmäßig erneuert gehört auch der Zahnriemen. Speziell von den Dieseln ist uns schon einiges über defekte Spannrollen zu Ohren gekommen. Noch sieht es aber nicht so aus, als ob 206-Kunden diesbezüglich so viel Leid ertragen müssen wie zuletzt die VW-Fahrer.

Sonst lassen sich die erst spät (ab 2000) eingeführten Common-Rail-Diesel aber wenig Schlechtes nachsagen, von gelegentlichen Undichtigkeiten des Hochdruckteils der Einspritzung mal abgesehen. Wenn es im Motorraum nach Diesel stinkt und der Motor zum Anspringen mehrere Umdrehungen braucht, dann hat man so einen Patienten erwischt. Allerdings verlieren alle 206 mitunter auch an anderer Stelle Flüssigkeit – Motor und Getriebe zeigen bereits im jungen Alter einen Hang zu Ölverlust. Eine Eigenschaft , die erfahrenen Peugeot-Freunden vom 205 sicher zur Genüge bekannt sein düfte.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/98 Modelleinführung in Deutschland, zunächst nur drei Benziner mit 60, 75 und 89 PS 4/99 Vorstellung 206 S16 mit 135 PS, 75-PS-Motor auch mit Automatik lieferbar 3/00 Einführung 2,0-l-Common-Rail-Diesel 90 HDi mit 90 PS 7/00 1,9-l-Common-Rail-Diesel 70 HDi mit 70 PS, Seitenairbags serienmäßig 9/00 Cabrio-Neuvorstellung 206 CC 6/02 Kombiversion 206 SW

Schwachstellen Heckleuchten (rechts) bleiben öfter mal dunkel oder laufen voll Wasser. Getriebe gehört zu den Bauteilen des 206, auf die man ein Ohr haben muss – es neigt zu Geräuschen oder muss gelegentlich komplett ausgetauscht werden. Das Schaltgestänge kann aushaken. Elektronik neigt auch bei Peugeot zum Versagen, betroffen ist laut ADAC vor allem der Jahrgang 99. Dann zeigt das Motormanagement permanente Fehlermeldungen, oder die Wegfahrsperre lässt ein Anlassen gar nicht erst zu. Bremsanlage wird oft wegen unzureichender Wirkung beanstandet, an der Vorderachse gibt es Probleme mit rostenden Bremsscheiben.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Peugeot 206+ 1.4, 55 kW/75 PS, Baujahr 99. Die Ersatzteile – oft als AT erhältlich – sind durchweg moderat kalkuliert, einzig die verbaute Wasserpumpe wird wegen des hohen Lohnanteils sehr teuer.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Vom recht frischen Peugeot 206 hat der TÜV noch nicht genügend Fahrzeuge prüfen können, um eine aussagefähige Statistik zu erstellen. Aus dem AUTO BILD-Supertest, dem Kummerkasten und nicht zuletzt Werkstattkontakten ist aber bekannt, dass der 206 Probleme mit der Motorelektronik, den Bremsen und den Traggelenken der Vorderachse hat. Auch gelegentlich polternde Stoßdämpfer und wackelige Vordersitze zeigen, dass der kleine Franzose nicht zu den solidesten Kleinwagen gehört. Noch nicht." Hendrik Dieckmann, AUTO BILD-Mitarbeiter und Kfz-Mechaniker

Modellempfehlung Peugeot 206 Présence (55 kW/75 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 72 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: Werksangabe 6,6 Liter, gemessen 7,3 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (17/500 Euro SB): 835 Euro. Teilkasko (21/150 Euro SB): 125 Euro. Haftpflicht (14): 764 Euro. (Basis: Ontos-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent, 20.000 km/Jahr) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 200 bis 350 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 44 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1000 Euro Verlust

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