Peugeot 206 SW gegen Skoda Fabia Combi

Peugeot 206 SW gegen Skoda Fabia Combi Peugeot 206 SW gegen Skoda Fabia Combi

Peugeot 206 SW gegen Skoda Fabia Combi

— 29.08.2002

Aller Kombi Anfang

Kleinwagen als Kombi – eine aussterbende Rasse? Ganz im Gegenteil: Peugeot und Skoda zeigen, wohin der Trend fährt.

Der Trabant selig hat schon erfolgreich vorgemacht, wie man die Luftraumhoheit über dem Kofferraum gewinnt: Die Wände an den Rückleuchten einfach senkrecht auf Dachhöhe ziehen, große Klappe rein – fertig war der vielseitige Trabi Universal. Seit VW seinen langweiligen Polo Variant nicht mehr baut, bekennen sich neben wenigen Asiaten nur noch Peugeot und Skoda zu den kurzen Kombinations-Kraftwagen.In diesem Duett spurtet der Skoda Fabia gleich los: Mit 4,2 Meter Länge übertrifft er den Peugeot 206+ schon mal um gut 19 Zentimeter.

In den Fabia passt 'nen Koffer mehr rein

Schlitzäugig-verschmitzt der Peugeot, etwas böhmisch-bieder der kompakte Fabia. Nebellicht im Skoda kostet extra.

Das sorgt für mehr Sitzplatz und ordentlichen Laderaum: mit einem Maximum von 1225 Litern kann der Fabia mal eben 89 Liter oder einen großen Reisekoffer mehr einladen. Der Peugeot gleicht dieses Manko dadurch etwas aus, dass er sich besser bepacken lässt. Seine Hecktür-Ladekante beträgt rückenfreundliche 55 Zentimeter, beim Skoda müssen sich Packer acht Zentimeter höher recken, um die Last dann wegen der Ladekante wieder 15 Zentimeter fallen zu lassen. Wer die Fracht gewichtsgünstig in Wagenmitte platzieren will, muss bei umgeklappten Rücksitzen noch eine kleine Stufe überwinden.

Voluminöse Vierzylinder-Diesel

Beide Innenausstatter spendierten anständige Verkleidungen, Peugeot sorgt mit allerlei Netzen für prima Heckordnung, bietet zudem ein Laderaum-Trennnetz, damit beim Bremsen keine Kopfnüsse nach vorn fliegen. Skoda spart sich das, hat dafür aber die bessere Werkzeug- und Reserverad-Aufbewahrung.

Doch schalten wir von der Last zur Lust, für die immer noch das vordere Wagenviertel zuständig ist. Dort stecken, wie üblich quer eingebaut, recht voluminöse Vierzylinder-Diesel, die dank Turbo-Puste 66 kW/90 PS (Peugeot) und 74 kW/100 PS (Skoda) auf die Vorderräder bringen. Klar, dass der leichtere (1170 kg zu 1220 kg) Fabia bei der Fahrdynamik gewinnt.

Am Mehrverbrauch des Peugeot trägt wohl auch der hauseigene FAP-Filter Schuld, der etwa alle 500 Kilometer mit einem speziellen Additiv frei gebrannt wird. Leider verweigern die europäischen Steuer-Leute dem supersauberen System derzeit immer noch die Einstufung nach Euro 4.

Schaltfaules Fahren heißt die Devise

Völlig rußwolkenlos also beschleunigt der 206, wobei er den Insassen deutlicher als der Skoda mitteilt: Hier schuftet ein Selbstzünder. 72 statt 70 dB (A) bei Tempo 130 sind nicht zu überhören, drei dB (A) nimmt das menschliche Ohr subjektiv fast als Lärmverdoppelung wahr. Wobei der Ton keine wirklich unangenehme Musik macht: Bei einem Italiener würden wir ihn durchaus als "sportlich" durchgehen lassen.

Ohnehin ist es immer wieder verblüffend, welchen Spaß am Fahren und Sparen Rudolf Diesels Idee in ihrem 110. Lebensjahr bietet. Nur unsere veraltete und ungerechte Hubraumsteuer bremst weiterhin noch den totalen Siegeszug des Selbstzünders. Leise brummelnd lässt es sich mit beiden Testwagen im fünften Gang durch die Stadt bummeln. Schon bei unter 2000 Umdrehungen lassen beide ihre Newtonmeter-Muskeln spielen, bei exakt 4000 Touren sind die Kilowatt komplett zur Stelle. Schaltfaules Fahren heißt die Devise.

Zu der im Peugeot vorn die besserausgeformten Sesselchen locken, doch leider bekommt der Beifahrer keine Sitzhöhen-Verstellung wie im Skoda. Hinten wiederum punktet der Skoda mit besserem Seitenhalt, den er beim flotten Kurvenfahren auch braucht: Sein Fahrwerk ist so narrensicher abgestimmt, dass ESP (nur für 115 PS im Elegance lieferbar) eigentlich nicht vermisst wird.

Peugeot: Lenken mit dem rechten Fuß

Die richtige Kombi-Perspektive. Dachreling beim Skoda gibt es nur gegen Aufpreis.

Der Peugeot vermittelt mehr Spaß am Kurvenräubern, weil er sich trotz des kürzlich verbesserten Fahrwerks immer noch mit dem rechten Fuß lenken lässt: Wer in der Kurve abrupt vom Gaspedal geht, bekommt einen gut kontrollierbaren Heckschwenk spendiert.

Doch wer fährt einen Kombi schon im Grenzbereich? Allemal wichtiger die Ausstattung. Hier punktet der Peugeot: Die Dachreling ist serienmäßig, das Heckfenster lässt sich separat aufklappen, ein Bordcomputer meldet allerlei Daten, und gegen moderate 170 Euro Aufpreis gibt es die ungemein praktische Wischer- und-Licht-Einschaltautomatik.

Sehr lobenswert bei beiden Testwagen: Die Außenspiegel sind beheizbar. Finster hingegen das Abblendlicht. Es blitzt störend in alle Richtungen, leuchtet nicht konzentriert auf die Fahrbahn. Wie der Test zeigt: Für gut 16.000 Euro wird in dieser Klasse jede Menge Auto geboten. Praktischer Nutzwert allemal.

Fazit und Technische Daten

Fazit Französische Elegance gegen böhmische Biederkeit, der eine frisch und frech, der andere zeitlos-konservativ. Dem modischen Peugeot fliegt automatisch meine Emotion zu, der Skoda suggeriert tschechische Wertarbeit. Die Qual der Kombiwahl kann ich keinem abnehmen. Da auch preislich kaum ein Unterschied besteht, entscheiden so sachliche Argumente wie etwa Nähe der Vertragswerkstatt.

Preise und Ausstattung

Auch wenn beim wenig souveränen Fahrwerk des 206 nachgebessert wurde, auf die elektronische Schleuderbremse ESP müssen Peugeot-Piloten weiterhin verzichten. Auch beim braveren Fabia suchen wir in der Preisliste vergeblich nach dem automatischen Aufpasser.

Wertung und Endergebnis

Wertung Wir orientieren uns am Maßstab. Heißt: Das jeweils meistverkaufte Modell in Deutschland markiert in jedem Kapitel 100 Prozent. Für diesen Vergleich bedeutet das: Maß der Dinge ist der Skoda Fabia Combi (im ersten Halbjahr 8100 Neuzulassungen, der Peugeot 206 SW bringt es erst auf knapp über 1000 Stück; er ist ja auch erst seit Mitte Mai auf dem Markt). In den jeweiligen Kapiteln zeigt sich, ob der 206 SW besser oder schlechter abschneidet als der Marktführer. So können Sie Ihren persönlichen Favoriten küren.

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