Peugeot 306 (1993-2001)

Gebrauchtwagen Peugeot 306 Gebrauchtwagen Peugeot 306

Peugeot 306 (1993-2001)

— 29.04.2002

Bockig beim Bremsen

Erst will sie nicht, dann immer - die Bremse des 306 ist ein Mysterium. Auch der Rest bereitet Kummer.

Fahrwerk und Antrieb

Das war wohl nichts - von wegen "Rivale". So betitelte Peugeot anno 93 seinen neuen Kompaktwagen auf großformatigen Anzeigen, in Anspielung an den Klassenprimus Golf.

Heute zeigen die 306 der gesetzteren Jahrgänge bereits kräftige Zerfallserscheinungen, und zwar ausgerechnet an ihrer einstigen Domäne Fahrwerk. An der Vorderachse sind oft die Führungsgelenke und Spurstangenköpfe ausgeschlagen; an der Hinterachse bereiten die Nadellager der Hinterradschwingen Kummer. Auffällig: Dieser Fehler tritt umso häufiger auf, je schmutziger die Straßen sind - offensichtlich ein Problem der Abdichtung.

Doch das sind Peanuts gegen das Bremsen-Dilemma. Der TÜV verzeichnet überdurchschnittlich oft verschlissene Bremsscheiben, ab dem fünften Betriebsjahr nachlassende Wirkung und eine einseitig ziehende Handbremse. Dem fügen wir hinzu, dass es bei 64 Prozent der im AUTO BILD-Kummerkasten registrierten 306 zum Blockieren der Bremse kam. Nach dem Anhalten hielten die Bremsen das Auto weiter fest, obwohl der Fahrer das Pedal losgelassen hatte. Ursache sind in der Regel klemmende Radzylinder in den hinteren Trommelbremsen, auch die vorderen Scheibenbremsen können betroffen sein.

Es gibt aber noch genügend andere Ursachen, die einen 306 lahm legen können: Bei den Benzinern kommt es zum reihenweisen Versagen der Zündspule mit der integrier- ten Hochspannungsverteilung, auch die Wegfahrsperre nimmt ihren Job bisweilen zu ernst. Mitunter springt der 306 aber gar nicht erst an. Etwa, wenn an Lichtmaschine oder Anlasser die Kabel gebrochen sind und als Folge die Batterie ungenügend geladen ist.

Motor und Technik

Teuer sind auch Überhitzungen, von denen besonders der sonst so überzeugende Turbodiesel mit 90 PS betroffen ist. Ursache ist meist ein Versagen des elektrischen Kühlerlüfters, was am vor dem Kühler im Spritzwasser vor sich hin gammelnden Lüfter selbst oder defekten Thermoschaltern liegt. Dann steigt die Temperatur, und infolgedessen platzen oft die Wasserschläuche - das schlagartige Entweichen allen Kühlwassers lässt die Temperatur weiter ansteigen, was die Zylinderkopfdichtung für gewöhnlich nicht überlebt.

Vom vor zwei Jahren vorgestellten HDi sind solche Kapriolen noch nicht bekannt, aber: Was nicht ist, kann ja noch werden. Auch die Peripherie des Motors kann 306-Fahrern den Tag vermiesen. So stellte der ADAC gerissene Gaszüge fest, das gleiche passierte mit den Kupplungsseilen, und auch die Kupplung selbst zeigte Verschleiß. Weiter auf der Checkliste: ausgehängte Schalthebel, Spannungsrisse in der Windschutzscheibe, lose Scheibenwischerarme oder grundlos aufblinkende Airbag-Kontrollleuchten.

Bei so viel Bockigkeit der Technik geraten die guten Seiten des 306 schnell ins Abseits. So rechtfertigt die geschmeidige Federung einen Seitenblick über den deutschen Tellerrand, auch das Platzangebot zeigt Vorteile für den Rivalen - besonders beim geräumigen Break. Aber was hilft's, wenn die Zuverlässigkeit deutlich schlechter ist als bei anderen Peugeot - zum Beispiel beim kleinen 106. Dann ist der größere die Kummer-Nummer.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 3/93 Einführung der neuen Modellreihe mit fünf Türen in Deutschland, Motoren von 64 bis 101 PS 1/94 1,1-l-Benziner mit 60 PS, 2,0-l mit 121 PS 4/94 Einführung 306 Cabrio mit 101 und 121 PS 10/94 Vorstellung des viertürigen Stufenheck-Modells 12/94 Fahrerairbag serienmäßig für alle Modelle 5/97 Facelift und Einführung der Kombiversion Break 6/99 Einführung des 2.0 HDI mit 90 PS, Sidebags Serie 6/01 Vorstellung des Nachfolgers 307

Schwachstellen • Trommelbremse der Hinterachse neigt nicht nur zu ungleicher Wirkung zwischen linkem und rechtem Rad, die Radzylinder können auch klemmen, und dann sitzt die Bremse fest • Überhitzungen können zahlreiche Ursachen haben: defekte Lüftermotoren, gerissene Keilriemen, versagende Thermoschalter für die Lüftersteuerung oder undichte Wasserbehälter. Resultat: Die Temperatur steigt, der Motor kocht, und infolge platzen oft die Wasserschläuche • Elektrik hält etliche Störungen bereit: Zündspule, Zündkabel, Lichtmaschine, Batterie, Hauptkabel, Anlasser, Wegfahrsperre

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Peugeot 306 XR, 55 kW/75 PS, Baujahr 96. Die Preisgestaltung ist dem Durchschnitt der Kompaktklasse angemessen, Ausreißer vermeidet Peugeot sowohl nach oben als auch nach unten.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Das Risiko, bei der Hauptuntersuchung durchzufallen, liegt beim Peugeot 306 durchweg höher als beim Durchschnitt. Schuld ist unter anderem die Bremse, deren Wirkung oft nicht aus- reicht, oder Verschleiß an den Radaufhängungen. Auch die Lenkung fällt viel zu oft mit unzulässigem Spiel auf. Allerdings hat der 306 auch positive Seiten: Rost ist kein Thema, und auch die Bremsleitungen sind selten zu beanstanden." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Peugeot 306 XR (55 kW/75 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 168 Mark im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 6,7 Liter, gemessen 7,9 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (15/1000 Mark SB): 1261 Mark, Teilkasko (22/300 Mark SB): 271 Mark, Haftpflicht (16): 1748 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 350 bis 550 Mark Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 45 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2700 Mark Verlust

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