Peugeot 406 (ab 1995)

— 02.06.2003

Kaum zu bremsen

Gebraucht lockt der Peugeot 406 mit attraktiven Preisen. Leider leistet er sich aber auch einige Mängel – allen voran eine anfällige Bremsanlage.



Motor und Bremsen

Hecke schneiden, Rasen mähen und das Auto pflegen – so sieht bei vielen Peugeot-406-Besitzern das Wochenende aus. Schön für den Gebrauchtwagenkäufer, denn zumindest der Erstbesitzer hält wenig von Tunig, sondern bringt seinen Wagen lieber regelmäßig zur Inspektion. Dass der Peugeot dennoch ein Geheimtipp ist, liegt wohl an der geringen Beliebtheit großer Autos aus Frankreich.

Etwa 8700 Euro kostet ein HDi mit 90 PS nach drei Jahren, gut einen Tausender billiger als ein vergleichbarer Passat. Doch wie der Wolfsburger erlaubt sich auch der 406 einige Schwachstellen, die schlechtere Wahl ist er aber deshalb nicht unbedingt. Der TÜV bemängelt vor allem die Wirkung der Bremsanlage auffallend oft. Muss wohl am Zulieferer liegen, denn der 406 ist weder schwer, noch zählt er zu den typischen Raser-Autos.

Neue Bremsklötze auf der Inspektionsrechnung sind alles, nur keine Seltenheit. Bemerkung am Rande: Schon bei unserem Neuwagen-Test sorgten die auffallend leistungsschwachen Bremsen für eine schlechte Punkte-Bewertung. Ärgerlich sind die ewigen Ölpfützen in der Garage, sämtliche Motoren und teilweise auch Schaltgetriebe können ihren Schmiersaft nicht immer bei sich behalten und lecken an zahlreichen Dichtstellen.

Mehr Freude bereiten die Triebwerke auf großer Fahrt, vor allem der drehmomentstarke HDi-Diesel gilt für Vielfahrer als empfehlenswert. Der temperamentvolle 2.2 HDi gönnt sich im Schnitt 6,9 Liter pro 100 Kilometer, gut genug für 1000 Kilometer Reichweite bei zivilisierter Fahrweise. Sorgsame Behandlung verlangen auch Kupplung und Getriebe. Vor allem das Schleifen beim Einparken kann der Belag der Kupplungsscheibe nicht leiden und verlangt mitunter bereits nach 50.000 Kilometern nach einem Austausch. Bei einem 110-PS-HDi benötigt der routinierte Peugeot-Partner für diese Reparatur etwa acht Stunden und verlangt dafür rund 670 Euro.

Qualität und Technik

Vor dem Ankauf funktioniert auch hier der alte Trick: Dritten Gang einlegen, Kupplung kommen lassen. Stirbt der Motor nicht ab, ist es höchste Zeit für eine Preissenkung oder eine Reparatur auf Kosten des Verkäufers. Subtiler sind da die zahlreichen Probleme der Elektronik, wie sie schon mehrere Leser an unseren Kummerkasten berichtet haben. Vor allem der Bordcomputer gilt nicht als besonders zuverlässiger Zeitgenosse. Eine seriöse Preisschätzung für die Reparatur kann nur der Marken-Mechaniker abgeben. Jedenfalls lohnt es, alle Funktionen im Stand und während der Probefahrt zu testen und bei Fehlfunktionen kritisch zu sein.

Das gilt bei den älteren 406 auch für die Klimaanlage, die bei der Probefahrt ihre Kühl- Kunst möglichst problemfrei beweisen sollte. Das Fahrwerk ist immer noch etwas weicher als bei den sportlich-straffen Mitbewerbern Audi A4 oder 3er-BMW – aber lange nicht so schwammig, wie man es von früheren Tagen der Peugeot-Historie kennt. Daher kein falscher Verdacht betreffend Stoßdämpferzustand: Präzise Funktionsprüfungen sind nur mit der "Rüttelplatte" der Hauptuntersuchungsprüfstellen (z. B. TÜV, DEKRA, GTÜ) oder beim ADAC möglich. Eine detaillierte Ankaufsüberprüfung ist durchaus empfehlenswert, denn länger als 50.000 Kilometer halten auch die Dämpfer an der Vorderachse des 406 sehr selten.

Nichts hält ewig, auch nicht die Auspuffanlage. Zwar ist sie für französische Verhältnisse nahezu langlebig, doch nach fünf Jahren ist zumindest ein Hauptschalldämpfer fällig. Wer bei einem älteren 406 auch an Sicherheit denkt, sollte auf die Sidebags achten. Sie sind nicht bei allen Ausstattungen und erst ab dem Modelljahr 1998 an Bord.

Beim Thema Sicherheit fällt die schlechte TÜV-Beurteilung der Beleuchtungsanlage auf. Vor allem die Funktion der Scheinwerfer und Heckleuchten wird hier beanstandet. Da nach der ersten HU die Beurteilung wieder im grünen Bereich ist, scheint es sich nur um schlechte Qualität des Erstausrüsters zu handeln – und nicht um ein Leiden im Schaltkreis. Welchen nehmen? Eine Frage des Geschmacks. Das Coupé ist wohl der schickste 406 und lockt ab 10.000 Euro. Der Kombi ist Pragmatiker und punktet mit 1741 Lade-Litern. Eine schlechte Wahl sind sie alle nicht – sofern die Pflege stimmte.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/95 Neueinführung der Limousine. Motorauswahl: 1.8 16V (81 kW/110 PS), 2.0 16V (97 kW/132 PS) 2/96 1.6 mit 65 kW/89 PS, 1.9 DT (66 kW/90 PS) und 2.1 DT (80 kW/109 PS) erweitern die Motorenpalette 1/97 Einführung des Kombi (Break). Basiert technisch auf der Limousine und ist 17 cm länger 7/97 Start für das 406 Coupé 10/98 Mit dem 2.0 HDi (80 kW/109 PS) kommt der erste Diesel-Direkteinspritzer mit FAB-Partikelfilter in den 406

Schwachstellen • die Batterie quittierte schon bei zahlreichen Leser- Autos nach drei Jahren den Dienst. Bei dieser Gelegenheit auch gleich die Lichtmaschine prüfen, denn auch diese gilt als nicht unproblematisch • die Bremsen sind nicht besonders haltbar, diese Aussage gilt auch für die Kupplung und das Schaltgetriebe • der undichte Antriebsstrang sorgt nicht nur für schlechte TÜV-Noten, er verursacht auch Spuren am Garagenboden • defekte Glühlampen löschen sämtliche Scheinwerfer und Heckleuchten aus – mit dem zweiten Satz Lampen wird es aber besser • gelegentlich stört beständiges Klappern im Innenraum

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Peugeot 406 2.0, 97 kW/132 PS, Baujahr 99. Schrauber haben beim Benziner bessere Karten als beim HDi: Kleinere Arbeiten können hier noch selbst gemacht werden, der HDi ist wesentlich komplizierter.

Reparaturkosten Peugeot 406 2.0, 97kW/132 PS, Bj. 1999
Kotflügel vorn, lackiert 300 Euro
Scheinwerfer komplett 270 Euro
Bremsscheiben vorn (Satz) 170 Euro
Bremsklötze vorn (Satz) 110 Euro
Getriebe 2800 Euro
Motor ohne Anbauteile (AT) 3600 Euro
Lichtmaschine 140 Euro
Anlasser (AT) 290 Euro
Wasserpumpe (AT) 320 Euro
Nachschalldämpfer 380 Euro

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Mittlerweile hat der Peugeot 406 bereits zwei Hauptuntersuchungen hinter sich, wobei er nach fünf Jahren besser als der Durchschnitt aller gleichaltrigen Fahrzeuge ist; nach drei Jahren aber schlechter als die meisten Autos in diesem Jahrgang. Vor allem die Wirkung der Fußbremse fällt unseren Prüfern immer wieder negativ auf, beim Ölverlust zeigt sich der Peugeot in allen Jahrgängen wenig umweltfreundlich und leckt häufig." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Peugeot 406 Break 2.0 HDi (80 kW/109 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 276 Euro im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 5,8 Liter, gemessen 7,9 Liter (Diesel) Versicherung: Vollkasko (23/500 Euro SB): 1394 Euro. Teilkasko (26/150 Euro SB): 182 Euro. Haftpflicht (22): 1241 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 250 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 38 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2000 Euro Verlust

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