Peugeot 807

Peugeot 807 Peugeot 807

Peugeot 807

— 06.06.2002

Die große Nummer?

Es wurde Zeit: Peugeot präsentiert den Nachfolger des kantigen, nur noch mäßig erfolgreichen 806. Der neue 807 – zumindest äußerlich ein Riesending unter den Vans.

Endlich mal wieder ein richtiger Van. Kein Micro-Van, kein Kompakt-Van, kein Sport-Van und erst recht kein Van-Coupé. Im September kommt der 807, die große Nummer von Peugeot: Mannshoch, limousinenlang und mit einem riesigen Laderaum folgt er Idealen, die Vans einst groß gemacht haben. Trotzdem haben Riesen wie er es nicht leicht – viele der modernen Verwandlungskünstler sind kompakter, raffinierter, wirtschaftlicher. Der mit Abstand meistverkaufte Van in Deutschland heißt Opel Zafira.

Vier Vans - ein Auto

Da dauert die Suche nach dem Handy etwas länger: Peugeot zählt im 807 je nach Ausstattung bis zu 58 Ablagen.

Für klassische Großraumlimousinen vom Schlage des 807 kalkulieren die Marketingstrategen ein Gesamtvolumen von 350.000 Stück in ganz Europa – also genauso viel wie in den vergangenen Jahren. Das bedeutet Stagnation, ein Unwort, vor dem Unternehmer so viel Angst haben wie Ökobauern vor Nitrofen. Für Peugeot dürften dennoch Steigerungen möglich sein – der kantige 806 verkaufte sich im letzten Jahr nur noch schleppend, selbst ein Kia Carnival fand mit 3872 Einheiten doppelt so viel Absatz wie der Peugeot.

Der neue 807 kann da wieder zum Massentransporter werden: Mit seinem modernen Gesicht gelingt ihm die gleiche forsche Ausstrahlung wie anderen neuen Mitgliedern der Peugeot-Verwandtschaft. Wer das Design trotzdem nicht mag, kann die Citroën-Variante C8 nehmen. Peugeot wird es verschmerzen, schließlich bleibt das Geld in der Familie. Unerfreulicher wäre der Schwenk zum Ulysse oder Lancia Phedra aus dem Fiat-Konzern mit der gleichen technischen Basis, dem Euro-Van.

Nutzfahrzeug-Atmosphäre adé

Der neue Van bietet nicht nur moderne Optik. Auch die (Sicherheits-)Ausstattung ist jetzt auf dem Stand der Technik: ESP ist ebenso serienmäßig wie Bremsassistent oder so genannte Curtain-Airbags, die im Ernstfall die gesamte Fensterlinie von der ersten bis zur dritten Sitzreihe zuhängen. Das teils mit Stoff bezogene Armaturenbrett mit zahllosen Ablagen wirkt wohnlich und ordentlich verarbeitet. Nüchterne Nutzfahrzeug-Atmosphäre ist passé. Schöne neue Welt.

Ein bisschen trauert der Fahrer aber alten Zeiten hinterher: Die Instrumente folgen dem Zeitgeist in die Mitte des Armaturenbretts, sind deshalb schlecht ablesbar. Wer die Kühlwassertemperatur im Auge behalten möchte, vertraut den Job am besten dem Beifahrer an. Der ist so beschäftigt und gibt Ruhe. Was die anderen, möglicherweise minderjährigen Mitfahrer treiben, verrät ein Blick in den zusätzlichen ausklappbaren Innenspiegel.

Insgesamt findet eine Großfamilie von bis zu acht Personen Platz im Peugeot – vorausgesetzt, man ordert eine Rückbank für ganz hinten. Serienmäßig gibt es in der zweiten Reihe drei Einzelsitze, die keinem Tapetenwechsel im Wege stehen. Den Umbau nimmt am besten Papi in die Hand – der Oma wären die Sitze wohl zu schwer. Das Kofferraumvolumen reicht von 324 Litern (Achtsitzer) bis hin zu maximal 2948 Litern, wenn nur zwei Sitze im Auto bleiben und bis zum Dach voll gepackt wird. Respektable Werte, trotzdem kein Zeugnis ausgefeilter Raumökonomie: Der 806 schluckte 340 bis 3300 Liter – bei 28 Zentimeter kürzerer Karosserie. Ein luftiges Raumgefühl bleibt in jedem Fall – zusammen mit den sehr bequemen Sitzen eine ideales Ambiente für lange Strecken.

Erste Wahl: 2.2-HDI-Diesel mit 128 PS

Eine manuelle Klimaanlage ist in der Basisversion "Esplanade" serienmäßig. Die teureren Versionen "Tendance" und "Platinum" regeln das Klima automatisch. Das zweifach verstellbare Lenkrad kommt dem Fahrer entgegen wie im Pkw – die meisten sitzen hinterm Steuer so entspannt wie abends bei Bier und Fußball. Wenn die komfortable Federung und das leise Rauschen des Windes dann noch die Kinder zum Dösen bringen, ist alles bestens.

Einen unhandlichen Dampfer muss man nicht befürchten. Der 807 geht für seine 4,73 Meter forsch und direkt um die Ecken – der Radstand (2,82 Meter) blieb unverändert. So weckt er fast sportliche Ambitionen, zumal Peugeot ordentlich Pferde vor den Karren spannt. Bei den Benzinern stehen mindestens 136 Pferdestärken bereit, bei den Dieseln 107. Für letztere entscheiden sich fast zwei Drittel der Van-Fahrer. Denen sei der stärkere 2.2 HDi mit 128 PS empfohlen, der nur in der Stadt durch kerniges Laufgeräusch negativ auffällt. Bei Autobahn-Tempo ist davon fast nichts mehr zu hören– dass man schnell dorthin kommt, dafür sorgen spontanes Ansprechverhalten und starker Durchzug.

Bei den ersten Testfahrten probierten wir auch die 158-PS-Version mit einem kräftigen Ottomotor, der zum Beispiel auch dem 406 Coupé temperamentvolles Leben einhaucht. Der packt bei niedrigen Drehzahlen fröhlich zu und schnurrt bei hohen so zufrieden wie die Kinder vor dem Videospiel.

Preise und Technische Daten

Vati am Steuer kommt sich vermutlich auch manchmal vor wie ein Computerkid. Ein Arsenal an elektronischen Pieptönen wacht darüber, dass er alles richtig macht – das Anschnallen nicht vergisst oder das Licht beim Aussteigen. Falsch gemacht haben auch die Peugeot-Leute etwas: Preise geben sie noch nicht preis. Die Kollegen von Citroën haben zum Glück schneller gerechnet: Der C8 2.0 beginnt bei 25.260 Euro. Dass ein Preiskrieg unter Familienmitgliedern ausbrechen wird, ist kaum zu erwarten.

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