Peugeot Citroën expandiert

Peugeot Citroën expandiert

— 04.12.2009

PSA kauft Mitsubishi

Der Autokonzern PSA Peugeot Citroën hat angekündigt, bei Mitsubishi einzusteigen. Es ist eine Zwangsehe zweier angeschlagener Hersteller, die den Branchenriesen VW und Toyota nachlaufen.

Die schwere Krise auf dem Automobilmarkt zwingt mit PSA Peugeot Citroën zwei weitere Hersteller zu einer engeren Kooperation. Die Unternehmen, die bereits bei Elektroautos zusammenarbeiten, bestätigten Verhandlungen, ohne Details zu nennen. Angeblich soll Mitsubishi sogar mit einem Verkauf der Unternehmensmehrheit an PSA einverstanden sein. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde begrüßte die Gespräche der beiden Firmen. "Auf dem Automarkt gibt es Überkapazitäten in der Welt, und im Falle von Überkapazitäten könnte es eine Konsolidierung geben", sagte sie einem französischen Fernsehsender. Mit dem geplanten Einstieg von PSA bei Mitsubishi bahnt sich ein weiteres transkontinentales Bündnis an, das den deutschen Autoherstellern weltweit Paroli bieten will. Erst vor wenigen Monaten war der französische Familienkonzern PSA noch vom Staat mit einer Milliardenspritze durch die Branchenkrise geführt worden. Jetzt will die Peugeot-Sippe die Schwächung der Konkurrenten nutzen, um mit der Machtübernahme bei Mitsubishi die Basis für einen weltumspannenden Konzern zu legen.

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Das bullige SUV Mitsubishi Outlander lieferte die Vorlage für den Peugeot 4007 und den Citroën C-Crosser.

PSA hat dabei ein erfolgreiches Vorbild im eigenen Land: Renault eilt mit Dacia, Nissan und Lada in die Weltspitze und stellt sich dabei der VW-Gruppe in den Weg. Der europäische Branchenprimus aus Wolfsburg, mit Marken wie Audi, Seat und Porsche klar vor der französischen Konkurrenz, bleibt dabei nicht untätig. VW könnte ein Fünftel von Suzuki übernehmen. Der japanische Konzern ist Spezialist für Kleinwagen, Geländewagen und Motorräder. Auch Fiat hat mit der Machtübernahme bei Chrysler die Krise genutzt, um Märkte auf anderen Kontinenten zu erobern und seine Produktpalette zu erweitern. In die Defensive sind dagegen die "alten Riesen" aus den USA und Japan von GM bis sogar Toyota geraten.

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Der Citroën C-Crosser wird mit 156 PS starkem PSA-Diesel bestückt, der nur 7,2 Liter auf 100 Kilometer (Normverbrauch) schluckt.

Anders als für VW und oder einst General Motors und Ford bedeutet der Griff nach Mitsubishi für PSA einen Kulturwechsel. Die Peugeot-Sippe war bei aller Zerstrittenheit immer darauf bedacht, im Konzern allein das Sagen zu haben und aus eigener Kraft zu wachsen. Sie hatte sich 1978 mit der Übernahme des europäischen Chrysler-Geschäfts die Finger verbrannt und dabei fast die Kontrolle über den eigenen Konzern verloren. Seitdem waren Übernahmen und Kapitalverflechtungen tabu. Stattdessen baute PSA Projektpartnerschaften mit BMW und anderen Wettbewerbern für Motoren, Komponenten und Modelltypen. Doch Analysten warnen seit langem, dass diese Strategie mit dem von der Krise beschleunigten Fusionskarussell und dem Milliarden teuren Übergang zum Elektroauto an ihre Grenze stößt. Im Juni hatte PSA bereits eine Wandelanleihe über rund eine halbe Milliarde Euro aufgelegt, um den Sprung in die abgasfreie Autozukunft zu finanzieren. Damit ist eine Schrumpfung des Anteils der Familie vorgezeichnet, die noch 30,3 Prozent der Aktien und 45 Prozent der Stimmrechte hält.

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Ein geplanter Einstieg bei Mitsubishi wird in Medien auf mehr als zwei Milliarden Euro beziffert. Er würde nach Meinung von Marktexperten zumindest teilweise mit Aktien bezahlt werden, so dass auch die Japaner PSA-Eigner würden wie Nissan bei Renault. Mitsubishi ist eigentlich keine Perle. Weltweit liegen die Japaner auf Platz 15 und sogar im eigenen Land nur auf Platz sechs. Daimler war vor neun Jahren mit 34 Prozent bei dem schlingernden Unternehmen eingestiegen, hatte viel Geld verbrannt und war am Ende 2004 frustriert ausgestiegen. Auch im ersten Geschäfts-Halbjahr 2009/10 hat Mitsubishi gut eine Viertelmilliarde Euro verloren. Und PSA verbuchte im ersten Halbjahr 2009 sogar 962 Millionen Euro Verlust.

PSA wird durch die Fusion sechstgrößter Hersteller der Welt

Vom Elektroauto Mitsubishi i-MiEV wird es - Übernahme hin oder her - ab 2010 auch eine PSA-Variante Peugeot iOn geben.

Die Meinungen über die Elefantenhochzeit sind geteilt: Für die einen ist es die Notgemeinschaft zweier Kranker, andere sehen aussichtsreiche Synergien. Mitsubishi könnte auf der Basis von PSA-Plattformen seine Modellpalette erneuern und habe einen Partner fürs E-Auto. Für PSA gingen die Expertenmeinungen auseinander. Die Commerzbank hob die Peugeot-Aktie optimistisch auf "Kaufen", doch der Wert gab in Paris leicht nach. Am Markt hieß es, Mitsubishi sei mit seiner Kompetenz bei Geländewagen und Elektroautos interessant.  Hier gibt es bereits seit Längerem eine Zusammenarbeit: PSA nutzt schon Mitsubishi-Geländewagen und baut mit den Japanern ein Werk in Russland, das 2012 eröffnet werden soll. In einem Jahr will PSA Elektroautos auf der Basis des Mitsubishi i-MiEV herausbringen. Mit Mitsubishi könnte PSA weltweit zur Nummer sechs mit der Produktion von viereinhalb Millionen Autos aufsteigen.

Autor: Roland Wildberg

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