Peugeot Expert 2.0 BlueHDi 150 (2016): Fahrbericht

Peugeot Expert 2.0 BlueHDi 150 (2016): Fahrbericht

— 06.06.2016

Expert(e) fürs Grobe

Peugeot hat seinen Transporter auf eine neue Basis gestellt: Der Expert fährt jetzt beinahe wie ein kleineres Auto. Fahrbericht!

Man sieht es nicht, aber man merkt es schon auf den ersten Kilometern: Die neuen Kastenwagen der beiden französischen PSA-Marken Peugeot und Citroën bauen auf der gleichen Plattform wie die aktuelle Mittelklasse-Limousine Peugeot 408 und der geräumige Familien-Van Citroën C4 Picasso auf. Nichts vom kernig ruppigen Gedröhne, mit dem manch altgediente Handwerker-Schaukel über schlechte Straßen poltert. Eher ein sanftes Gleiten wie in einem gut gefederten Pkw. Und je schwerer die Ladung hinter der Wand zum Fahrerhaus ausfällt, desto besser austariert erscheint das Fahrwerk.
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Je nach Version liegt die maximale Zuladung bei bis zu 1400 Kilogramm.

In drei statt bisher zwei Fahrzeuglängen gibt es Expert und Jumpy künftig: Die 4,60 Meter lange Kompaktversion ist zehn Zentimeter kürzer als beispielsweise ein Opel Astra Sports Tourer und wuselt besonders behände durch Innenstädte. Mit der 5,30 Meter-Version schließlich liefert das Duo extra viel Laderaum: Drei Euro-Paletten passen dann in den bis zu 6,6 m3 schluckenden Kasten hinein, die Nutzlast liegt durchweg bei bis zu 1,4 Tonnen und Gegenstände bis zu vier Meter Länge lassen sich dank einer raffinierten Klappkonstruktion des Beifahrersitzes und der Trennwand durchschieben. Mit einer Höhe von 1,90 Metern passen die Lieferwagen durch praktisch alle Tor- und Parkhauseinfahrten.

Die Franzosen unterscheiden sich durch ihre Optik

Zwillingsbruder: Der Citroën Jumpy unterscheidet sich vor allem durch seine Frontpartie vom Expert.

Außen unterscheiden sich Expert und Jumpy vor allem in der Front. Während der Peugeot eher etwas amerikanisch hemdsärmelig mit einem leichten Dodge-Touch daher kommt, wirkt der Citroën eleganter und feinfühliger. Innen im Führerhaus muss man dagegen nach den Unterschieden suchen. Die Kombiinstrumente vor dem Fahrer sind im Peugeot rund, im Citroën fanden die Designer Fünfecke mit ungleich langen Seiten und abgerundeten Ecken schöner. Ansonsten sind selbst die Abmessungen der Ablagen praktisch identisch. Was fehlt, sind Halterungen für große Getränkeflaschen. Außerdem gibt es nichts, wo man den Schlüssel rutschsicher verstauen könnte – gestartet wird per Knopfdruck.

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Der Innenraum ist durchaus funktional gestaltet. Bei einem Pkw würde man den Franzosen die üppige Verwendung von Hartplastik um die Ohren schlagen – in solch durchweg gewerblich genutzten Fahrzeugen ist das eher ein Plus: Es ist pflegeleicht, schmutzresistent und verzeiht eher Kratzer. Größere Fahrer werden in beiden Modellen nur bedingt glücklich: Der Sitz lässt sich nur in Maßen nach hinten schieben und der Neigung der Rückenlehne setzt die Zwischenwand zum Ladeabteil enge Grenzen. Dazu kommt eine zu kurze Sitzfläche. Immerhin lässt sich das Lenkrad sowohl in der Tiefe wie in der Neigung gut einstellen. Und die Pedalerie ist weit genug auseinandergezogen, dass man auch mit breiten Arbeitsschuhen ohne Hakeleien klar kommt.

Präzise Lenkung, stadttauglicher Wendekreis

Stabile Kunststoffe, die auch mal einen Kratzer verschmerzen, und eine moderne Optik innen.

Unter der Haube bieten die Franzosen ausschließlich Dieselmotoren an. Die Palette reicht vom etwas schwächlichen 1,6-Liter-Selbstzünder mit 5-Gang-Handschaltung und 75 kW/95 PS bis zum 2,0-Liter-Diesel mit 6-Gang-Automatik und 128 kW/180 PS sowie 400 Nm maximalem Drehmoment. Der DIN-Verbrauch liegt je nach Motorisierung und Fahrzeuglänge laut Peugeot zwischen 5,1 und 5,5 Liter je 100 Kilometer. Eine gute Wahl ist die 2,0-Liter-Version in der handgeschalteten 150-PS-Version. Sie kommt flott in die Puschen, erlaubt auch auf der Landstraße stressfreies Überholen und ist auf der Autobahn für 170 km/h Spitze gut. Den Spurt von 0 auf Tempo 100 gibt Peugeot mit 11 bis 14,3 Sekunden an – je nach Fahrzeuglänge. Fahren lassen sich Expert und Jumpy gleich angenehm – fast wie ein Pkw. Das griffige Lenkrad reagiert präzise und gibt eine gute Rückmeldung an den Fahrer, die in Griffweite am Armaturenbrett montierte Handschaltung funktioniert knackig und mit kurzen Wegen. Bei langen Beinen ist sie nur schnell dem Knie im Wege. Der Wendekreis beträgt bei der Kompaktversion stadttaugliche 11,6 Meter. Auch bei der Geräuschentwicklung haben die Franzosen gute Arbeit geleistet: Die Motoren werden auch bei höherem Tempo nicht nervig dominant, die Windgeräusch steigern sich erst ab Tempo 120 ganz allmählich. Auch die Entwicklung von Eigengeräuschen der großen Blechflächen haben die Ingenieure gut im Griff – man hört: nichts.

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Stolz sind sie Franzosen darauf, dass sie für ihre Arbeitstiere zahlreiche Assistenzsysteme als Option anbieten können. So gibt es gegen Aufpreis zum Beispiel ein Head-up-Display, Verkehrsschilderkennung, ein Navi, das auch die Preise der nahen Tankstellen anzeigt, Fernlichtassistent, Parkassistent, einen adaptiven Tempomaten und die Schiebetür lässt sich elektrisch öffnen, indem man mit dem Fuß unter dem Sensor im Heckstoßfänger herumfuchtelt. Was besonders die Kurierfahrer freuen wird: Expert und Jumpy schafften alle fünf Sterne beim NCAP-Crashtest.

Der Basispreis liegt bei 27.358 Euro

Preislich beginnt der Peugeot Expert bei 27.358 Euro (netto: 22.990) für die Kompaktversion in der Basisausstattung. Wer seinen hart schuftenden Arbeitnehmern mehr Komfort und Annehmlichkeiten bieten will, der ist bei der langen Premium-Version aber auch mit 37.104 Euro (netto: 31.180) dabei. Zu haben sind Expert und Jumpy ab Juni 2016. Außer als Kastenwagen wird es ihn als Doppelkabine mit fünf oder sechs Sitzplätzen geben, als Plattform-Fahrgestell für eigene Umbauten und als Kombi mit bis zu neun Sitzplätzen. Eigentlich ist das Duo übrigens ein Trio. Auf der gleichen Basis wie Expert und Jumpy entsteht auch der Toyota Proace.

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Autor: Jürgen Wolff

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