Pkw-Markt international: Juni 2012

— 17.07.2012

Weltmärkte auf Wachstumskurs

Während der Pkw-Absatz in den USA, China, Indien und Russland im Juni 2012 brummte, fuhr Westeuropa erneut Verluste ein. Unter den Marken dominierten VW, Audi und Skoda, herbe Einbrüche gab es bei Opel und Fiat.



(dpa/jkr) Die wichtigen internationalen Märkte außerhalb Europas konnten im Juni 2012 durchweg mit zweistelligen Zuwachsraten beim Pkw-Absatz aufwarten. "Der Welt-Pkw-Markt ist weiter auf Wachstumskurs. Allein in den USA und in Japan wurden im ersten Halbjahr 2012 jeweils rund eine Million Autos mehr verkauft als im Vorjahreszeitraum. Der chinesische Markt legte um rund 500.000 Einheiten zu. Damit wird der Rückgang in Westeuropa deutlich überkompensiert", sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Der westeuropäische Pkw-Markt rangierte leicht unter Vorjahresniveau – die positive Nachfrage auf dem deutschen und britischen Markt verhinderte eine noch schlechtere Bilanz. Mit einem leichten Rückgang um zwei Prozent fiel der Juni in Westeuropa immerhin deutlich besser aus als das gesamte erste Halbjahr.

Die meistverkauften Autos in Europa

VW Passat Fiat Panda Renault Clio
In der Europäischen Union sind die Pkw-Neuzulassungen im Juni den neunten Monat in Folge geschrumpft. Die Verkäufe seien im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat um 2,8 Prozent auf 1.201.578 Fahrzeuge gesunken, teilte der europäische Branchenverband ACEA mit. Zu den größten Verlierern gehörte erneut Opel. Der Absatz von Opel- und Vauxhall-Fahrzeugen schrumpfte ähnlich wie im Vormonat um 12,2 Prozent auf 88.252 Autos. Die gebeutelten französischen Hersteller PSA (Peugeot, Citroën; minus 8,6 Prozent) und Renault (minus 3,8 Prozent) mussten ebenfalls ein starkes Verkaufsminus hinnehmen. Der italienische Hersteller Fiat hatte allerdings mit minus 18 Prozent noch einen erheblich stärkeren Rückgang zu beklagen.

Übersicht: Hier gibt es alle Hitlisten

Die deutschen Hersteller schnitten unterschiedlich ab: Volkswagen (VW) steigerte den Absatz aufgrund der Verkaufserfolge bei seiner Stammmarke VW (plus 3,4 Prozent), bei Audi (plus 7,6 Prozent) und bei Skoda (plus 5,2 Prozent) um 2,8 Prozent. Die spanische Tochter Seat hingegen verkaufte 14,5 Prozent weniger Autos. BMW beendete den Monat mit einem leichten Minus von 0,5 Prozent, Daimler verkaufte mit minus 5,7 Prozent dagegen deutlich weniger. Dabei belastete besonders der Einbruch beim Smart (minus 14,0 Prozent).

Westeuropa: Spanien und Italien mit starkem Rückgang

Abermals stabilisierend wirkten die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland (plus drei Prozent) und Großbritannien (plus drei Prozent). In Frankreich wurde ein leichter Rückgang verzeichnet (minus ein Prozent). Spanien (minus zwölf Prozent) und Italien (minus 24 Prozent) lagen erneut unter Vorjahrsniveau. Hingegen legten die Neuzulassungen in der Schweiz (plus 42 Prozent) und in den Niederlanden (plus 52 Prozent) kräftig zu. Allerdings ist dieser Zuwachs auch mit Vorzieheffekten verbunden. Im ersten Halbjahr wurden in Westeuropa knapp 6,5 Mio. Neuwagen zugelassen (minus sieben Prozent).
Internationaler Pkw-Markt Juni 2012
Juni 2012 Veränderung ggü. 2011 in Prozent Jan - Jun 2012 Veränderung ggü. 2011 in Prozent
Europa (EU27+EFTA)* 1.254.100 -1,7 6.896.300 -6,3
Westeuropa (EU15+EFTA) 1.182.400 -1,7 6.492.400 -6,9
Neue EU-Länder (EU11)* 71.600 -1,1 404.000 4,8
Russland** 272.100 10,2 1.413.800 14,3
USA** 1.281.400 22,2 7.248.900 14,9
Japan 432.600 46,8 2.525.800 56,6
Brasilien** 340.600 18,7 1.631.700 -0,4
Indien 209.000 10,7 1.474.700 12,7
China 1.107.500 15,6 6.418.800 8,7
* ohne Malta
** Light Vehicles
Einen leichten Rückgang verzeichnete der Pkw-Absatz in den neuen EU-Ländern. Der Markt lag mit 71.600 abgesetzten Neufahrzeugen leicht unter dem Vorjahr (minus ein Prozent). In Polen ging die Nachfrage um fünf Prozent zurück, während die Märkte in Ungarn (plus 18 Prozent) und Bulgarien (plus 17 Prozent) einen zweistelligen Zuwachs aufwiesen. In den ersten sechs Monaten stiegen die Pkw-Neuzulassungen in den neuen EU-Ländern um knapp fünf Prozent auf 404.000 Einheiten.

Steigende Verkaufszahlen in den USA

In den USA stiegen die Verkäufe von Light Vehicles (Pkw und Light Trucks) im Juni um 22 Prozent auf 1,28 Millionen Einheiten an. Mit einem Zuwachs von knapp 25 Prozent steigerte sich der Pkw-Absatz überproportional auf 645.100 Einheiten. Die Verkäufe an Light Trucks legten um über 19 Prozent auf 636.300 Einheiten zu. Im ersten Halbjahr wuchs der Gesamtmarkt für Light Vehicles um fast 15 Prozent auf 7,25 Millionen Einheiten. Die deutschen Hersteller expandierten schneller als der Gesamtmarkt: Ihr Absatz erhöhte sich um knapp 21 Prozent auf 591.700 Neufahrzeuge. Insbesondere im Pkw-Bereich konnten die deutschen Hersteller mit einem Plus in Höhe von 23 Prozent auf 439.900 Neuwagen ihre Marktposition weiter ausbauen: Sie erhöhten ihren Marktanteil im Pkw-Segment um 0,5 Prozentpunkte auf 11,8 Prozent. Bei den Light Trucks steigerten die deutschen Konzernmarken ihren Absatz im ersten Halbjahr um 15 Prozent, während der gesamte Light-Truck-Markt um elf Prozent zulegte.

China fährt im Plus

Der chinesische Pkw-Markt zeigte sich im Juni überraschend robust und legte um knapp 16 Prozent auf 1,1 Mio. verkaufter Neufahrzeuge zu. Im ersten Halbjahr stieg der Pkw-Absatz um rund neun Prozent auf über 6,4 Mio. Einheiten. Ebenfalls in guter Verfassung ist der indische Pkw-Markt. Im Juni konnten insgesamt 209.000 Neuwagen abgesetzt werden (plus 11 Prozent). In den ersten sechs Monaten lag der Absatz mit knapp 1,5 Mio. Einheiten rund 13 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Japan holt auf

In Japan setzte sich auch im Juni der Aufholprozess fort. Mit 432.600 Einheiten wurden knapp 47 Prozent mehr Neuwagen verkauft als im Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Pkw-Absatz in Japan um knapp 57 Prozent auf gut 2,5 Millionen Einheiten.

Russland: Jeder fünfte Neuwagen ist ein Deutscher

Die russische Automobilkonjunktur arbeitet weiter mit hoher Drehzahl: Im Juni legten die Verkäufe von Light-Vehicles um mehr als zehn Prozent auf 272.100 Einheiten zu. Im ersten Halbjahr wuchs der Gesamtmarkt um gut 14 Prozent auf über 1,4 Mio. Neufahrzeuge. Die deutschen Hersteller erhöhten ihren Absatz um mehr als 40 Prozent. Gut jeder fünfte Neuwagen, der in Russland im ersten Halbjahr verkauft wurde, trägt ein deutsches Markenzeichen.

In Brasilien wird gedopt

Der brasilianische Markt für Light-Vehicles wuchs im Juni um knapp 19 Prozent auf 340.600 Einheiten. Einen erheblichen Beitrag hierfür leisteten die neu gestarteten staatlichen Anreizprogramme. Im ersten Halbjahr lag der Markt mit gut 1,6 Mio. Neufahrzeugen jedoch lediglich auf Vorjahresniveau.

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