Dobrindt kündigt Pkw-Vignette an

Pkw-Maut: Finanzministerium bremst Erwartungen

— 30.06.2014

Pkw-Maut zieht sich

Die von Verkehrsminister Dobrindt angekündigte Pkw-Maut lässt auf sich warten. Die EU warnt: Eine direkte Verrechnung mit der KFZ-Steuer ist nicht zulässig.

(dpa/brü) Die umstrittene Einführung einer Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen dürfte noch auf sich warten lassen. Es zeichnen längere Beratungen in der Bundesregierung ab. "Mit der raschen Erstellung eines Gesetzentwurfes ist nicht zu rechnen", sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") vom 29. Juni 2014. Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) liege noch kein Konzept vor. Sein Haus müsste aber einbezogen werden, da für Inländer ein Maut-Ausgleich über die Kfz-Steuer im Gespräch ist.

Verkehrsminister Dobrindt liebäugelt mit einer Pkw-Vignette für 100 Euro pro Jahr.

Auch warnt EU-Verkehrskommissar Siim Kallas, dass eine direkte Verrechnung von Maut und Kfz-Steuer nicht zulässig wäre. Für In- und Ausländer müssten ein gleicher Preis und eine gleiche Bezahlmethode gelten, schrieb Kallas in einem Beitrag für die "FAS". Es könne nicht sein, "dass ein inländischer Autofahrer die Maut über die Steuer automatisch rückerstattet bekommt". Generell favorisiere die EU-Kommission entfernungsabhängige Gebühren, da sie das gerechtere Instrument seien und höhere Einnahmen versprächen. Zeitabhängige Regelungen – wie die in Deutschland geplante Vignette – trügen dem Verursacher- und Nutzerprinzip dagegen kaum Rechnung. Geplant sind Vignetten, mit denen auch Fahrer aus dem Ausland für den Erhalt der Straßen zur Kasse gebeten werden sollen. Gelten müsste die Gebühr aber für alle Autos, da EU-Recht eine Diskriminierung wegen der Nationalität untersagt. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag festgeschrieben, "dass kein Fahrzeughalter in Deutschland stärker belastet wird".
"100 Euro ist eine gute Zahl": Dobrindt im AUTO BILD-Interview
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will seine Maut-Pläne bis zur parlamentarischen Sommerpause vorstellen. Der Bundestag tagt nur noch diese Woche, am 11. Juli ist die letzte Bundesratssitzung vor den Ferien. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer betonte, das Projekt sei auf einem sehr guten Weg. "Minister Dobrindt hat das Pkw-Maut-Konzept erstellt und ist in engem Kontakt mit dem Bundesfinanzminister", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (30. Juni 2014). Es gebe vertrauensvolle Gespräche. "Zu negativen Spekulationen besteht überhaupt kein Anlass."

"Die Leute wollen keine Ankündigungen mehr"

Der Autofahrerclub ACE forderte baldige Klarheit über zusätzliche Investitionen. "Die Leute wollen keine Ankündigungen mehr hören", sagte der ACE-Vorsitzende Stefan Heimlich. Es müsse konkret gesagt werden, wie jährlich 7,2 Milliarden Euro mehr aufzubringen sind. Diese Summe hatten Expertenkommissionen für Straßen, Schienen und Wasserwege bei Bund, Ländern und Kommunen berechnet. Die SPD will einen klaren Vorrang für die Sanierung bestehender Straßen durchsetzen. "Die Praxis, dass die Länder Bundesmittel für den Erhalt von Straßen umwidmen und in Neubauprojekte lenken können, muss beendet werden", sagte die SPD-Verkehrsexpertin im Bundestag, Kirsten Lühmann, der Nachrichtenagentur dpa.

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