Plug-in-Prius vom Tüftler

— 04.06.2008

Dieser Toyota braucht nur 2,5 Liter

Ein Prius an der Steckdose - so was kommt aus Amsterdam von einem Tüftler. Der Umbau zum "Plug-in-Hybriden" kostet 12.750 Euro und ist dem aktuellen Toyota eine Generation voraus.
ANZEIGE
Von Margret Hucko Wenn die Dunkelheit kommt, steigt die Spannung in der Prinses Marijekestraat in Amsterdam Süd. Sie liegt in einer uniformen Reihenhaussiedlung mit viel Grün, vielen Kindern, vielen frischen Ideen. Aber ohne viel Lärm darum zu machen. Nämlich: gar keinen Lärm. Lautlos rollt Sjef Peeraer mit seinem silbernen Dienstwagen in die Wohnsiedlung. Er parkt den Toyota Prius, wo er ihn immer parkt. Direkt vor seiner Tür unter einem Laternenpfahl. "Den Wagen kennt jeder in der Straße", erzählt Peeraer. Weil er außer Einkäufen oder Aktenkoffer regelmäßig noch ein gelbes Stromkabel aus dem Kofferraum packt. Dann tankt er seinen Wagen auf: Stecker rein ins Prius-Heck, zweiter Stecker in den Laternenpfahl. "Den Strom zahle selbstverständlich ich." Bedenken lächelt der Ingenieur freundlich weg. Dafür verlegte er ein Stromkabel aus seinem Haus unter Gehwegplatten. Als Agent arbeitet Peeraer für Amberjac, einer Firma in England, die sich auf Lithium-Hochleistungsbatterien für Elektrofahrzeuge spezialisiert hat. Der Plug-in-Prius ist eines ihrer Prestige-Projekte, trotzdem kein einmaliges "Bitte-nicht-anfassen"-Ausstellungsstück. Für 12.750 Euro wird jeder Serien-Prius von Amberjac in einen Plug-in verwandelt. Dafür muss die Nickel-Metall-Hydrid-Batterie aus- und eine leistungsstärkere Neun-kW-Litium-Ionen-Batterie eingebaut werden. Die Toyota-Garantie erlischt.
Autos wie der Plug-in sind die Zukunft: "In 20 Jahren fahren wir alle so"
Bis zu 50 Kilometer soll der Prius rein elektrisch fahren und so den Spritverbrauch senken. Auf weniger als 2,5 Liter im Schnitt. Wir probieren es aus. Startknopf drücken, der Elektromotor läuft lautlos. Oberhalb des Lenkrads zeigt ein Display, wann sich der Verbrennungsmotor zuschaltet. Um Tempo 50 herum ist der Benzinverbrauch gleich null. Und das 50 Kilometer lang. Auf der Autobahn schaltet sich der 78-PS-Benziner zu, der Spritverbrauch steigt an. Wo ist hier die nächste Tankstelle, um ein wenig Strom zu schnorren? Nur als Versuchsballon, denn der Hybrid braucht circa sieben Stunden, um komplett aufzuladen. An einer Total-Station verkauft Tankwart Dirk eine halbe Stunde Strom so selbstverständlich wie Zigaretten, allerdings aus dem Maschinenraum heraus. Und prophezeit: "In 20 Jahren fahren wir alle so". Hoffentlich dann auch noch zum derzeitigen Tarif. Eine Kilowattstunde kostet in Deutschland um die 18 Cent. Bei sechs kW, die der Plug-in auf 100 Kilometern verbraucht, plus 2,5 Liter Sprit, kommt der Prius auf weniger als fünf Euro. Weil das System so gut funktioniert, hat auch Toyota einen Serien-Prius mit Plug-in in Arbeit. Der kommt 2009. Es bleibt spannend.
Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko
Fahren mit Strom – da springt der Funke über. Weil Elektro-Autos unser Leben komplett auf den Kopf stellen können. Umweltzonen sterben aus, Wohnungen an Hauptstraßen gewinnen wieder an Attraktivität und jeder Häuschenbesitzer tankt in der eigenen Garage. Schöne, neue Welt. Vorausgesetzt, der Strom wird sauber erzeugt. Der Spinnovation Prius hilft, neue Batterien schneller zu erproben. Und wer für 12.750 Euro umrüstet, entwickelt mit am Morgen.
ANZEIGE
Das sagt Toyota
"Wir nehmen zur Kenntnis, dass immer mehr Plug-in-Umrüstsysteme für den Prius auf den Markt drängen. Fast alle basieren auf einem Batteriesatz aus Amerika. Dieser wurde von uns nicht geprüft. Aus diesem Grund können wir keine Aussage zur Lebensdauer und Sicherheit des Nachrüstungssystems treffen. Als Volumenhersteller müssen wir höchste Sicherheit und Haltbarkeit gewährleisten. Zur Zeit bieten wir eine achtjährige Garantie (oder 160.000 km) auf alle Hybridkomponenten inklusive Batterie-Paket. Aus unserer über zehnjährigen Erfahrung in der Massenproduktion mit über einer Million Prius wissen wir, dass unsere NiMH-Batterie die Fahrzeuglebensdauer übersteht. Im Feld wurden bis heute Laufleistungen von bis zu 600.000 Kilometer erreicht."
Technische Daten: Prius Plug-in
Vierzylinder (57 kW/78 PS) • Elektromotor (50 kW/68 PS) • Hubraum 1497 cm3 • Systemleistung 82 kW (113 PS) • max. Drehmoment (Systemleistung) 478 Nm • Vorderradantrieb • stufenloses Automatikgetriebe • Lithium-Ionen-Batterie - Einzelradaufhängung v./h.  Scheibenbremsen v./h. • Reifen 205/55 R 16 V • L/B/H 4450/ 1725/ 1490 mm • Leergewicht 1380 kg • Zuladung 345 kg • Kofferrauminhalt 410-1210 Liter • Tank 45 Liter • 0-100 km/h 10,9 Sekunden • Spitze 170 km/h • Verbrauch 2,5 l Super/100 km • Preis: 38.350 Euro.
Mehr vom Steckdosen-Prius sowie die Tops und Flops unter den vergangenen Öko-Projekten finden Sie oben in der Bildergalerie!
Mehr zum Thema

Gebrauchte SUVs bis 10.000 Euro - 17.12.2010

So viel Allrad gibts für 10.000 Euro
Wenn die Straßen verschneit sind, setzen viele beim Autokauf ganz neue Prioritäten: Allradantrieb soll das Wunschauto haben. AUTO BILD stellt fünf gebrauchte 4x4 bis 10.000 Euro vor. Gebrauchte SUVs im Test

Vergleich: Japan gegen Korea, Teil 1 - 06.12.2010

Der Bruderkampf
Hyundai und Kia werden immer besser, immer beliebter. Längst machen die Aufsteiger Toyota und Co. Konkurrenz. Wer hat in Asien die besseren Argumente? Teil 1 des großen Vergleichs zwischen Japan und Korea. Asien-Vergleich

LA Auto Show 2010: Toyota RAV4 EV - 18.11.2010

Toyota-Tesla-Spross debütiert
Toyota stellt auf der Los Angeles Auto Show 2010 den Prototypen des RAV4 EV vor. Das in Kooperation mit Tesla entstehende Stromer-SUV soll 2012 auf den Markt kommen. Toyota RAV4 EV in LA

Versicherungsvergleich

Vergleichen Sie kostenlos über 180 Kfz-Tarife und sparen Sie bis zu 500 Euro!

Eingabe Ortskennzeichen: (z.B. HH für Hamburg)

Social Media

Diesen Artikel

Diesen Artikel

Artikel bewerten
Fremde Bewertungen
exzellent
4 Bewertungen