Wohnmobil-Dauertest Pössl Summit 640

Pössl Summit 640: Wohnmobil-Dauertest

Der war spitze!

Bei den Kastenwagen ist Pössl die größte Nummer. Nach einem Testjahr mit dem Summit 640 ist klar, warum: Er ist ein richtig guter Typ.
Kastenwagen sind unglaublich beliebt. Und da ist Pössl ja bekanntlich ganz vorne dabei: Kein Wunder also, dass ein Date mit unserem Summit 640 nie leicht zu haben war. Der Typ war einfach ständig unterwegs. Von Nord nach Süd fuhr er, von Ost nach West. Genauso unterschiedlich, wie es die Himmelsrichtungen versprechen, waren auch die Ziele: die Seiser Alm etwa oder der Strand von St. Peter Ording. Der Pössl besuchte sogar die Geburtsstätte seiner Fiat-Ducato-Basis, das Werk SEVEL im italienischen Atessa, nicht weit von Pescara. Nach gut elf Monaten hatte das Wohnmobil weit über 40.000 Kilometer im Testbetrieb zurückgelegt.

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Der Ausbau punktet mit praktischen Details

Eng, doch mit Blick: Kein hoher Kühlschrank blockiert die Sicht. Clever ist die zweite Tischplatte.

Nicht zufällig war der Summit 640 so beliebt. Ein wesentlicher Punkt dabei: Die Verarbeitung seines Ausbaus überzeugte mit beachtlichem Niveau. Da können einige doppelt so teure Reisemobile nicht mithalten: Der Summit wirkt solide, der Ausbau knarzt und ächzt nicht, durchdacht ist er zudem. Pössl lässt seinen Summit, wie alle Modelle der H-Serie, beim Fertigungsspezialisten Heinrich bauen, einer Firma im bayerischen Spessart, die dieses Jahr eine neue Produktionsstätte im Odenwald dazunahm. Die Stückzahlen waren zu groß geworden. Gute Bewertungen erhielt der Ausbau für verschiedene Details: Immer wieder lobten Tester die Schlafqualität der hinteren Längseinzelbetten, die ein Mittelstück verbindet. Mancher bemängelte fehlende Fenster in den Hecktüren, viele schätzten das Raumkonzept mit dem nur halbhohen Kühlschrank, der mit 80 Litern ausreichend groß für zwei ausfällt und dennoch die Blicke nach hinten lässt. Das vermeidet optische Enge. Als enorm praktisch hat sich das Bad mit seiner Klappwand erwiesen. Samt Waschbecken schwenkt sie zur Seite und schafft so eine großzügige Dusche, die ohne Vorhang auskommt und nicht – wie ein Raumbad – den Weg durchs Auto versperrt. Gegenüber steht die große Küche; besonders der üppige, halbrunde Schrank schluckt viele Utensilien und Lebensmittel, sogar Flaschen.
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Stauraum im Heck zu schaffen, braucht viele Arbeitsschritte

Fummeliger Umbau: Wer gerade nicht schlafen will, kann viel Platz schaffen – und kommt besser ans Gas. Immer im Weg ist der Fernseher.

Ein wenig Kritik gab's auch: Ein Platz für den Müllsack fehlt dem Summit. Im Heck lässt sich mit viel Fummelei eine Menge Stauraum schaffen, wenn man Matratzen und Roste nach oben gelehnt, mit Gurten verzurrt hat und zuvor der Fernseher weggeschoben worden ist. Was besonders nervte, waren scharfkantige Aluprofile, die den Rost in Schlafstellung stützen. Hier stießen viele Hinterköpfe schmerzhaft an. Pössl hat dies in der Serie inzwischen geändert. Ebenfalls verbessert ist der Warmluftauslass im Bad, den die geöffnete Lamellentür verdeckte. Als hilfreich erwies sich der für einen Kastenwagen üppige Frischwasservorrat von 100 Litern im Heck, der sich jedoch nur mühsam von außen befüllen ließ, weil das Wasser so langsam Richtung Tank floss. Auch Diesel hat der Summit ausreichend an Bord: Mit 120 Litern sind Tankstopps oft erst nach über 1200 Kilometer Strecke nötig – ideal für Viel- und Fernreisende.

Stärken Schwächen
Hochwertig und solide verarbeitet Mängel an Zulieferteilen
Praktisches Schwenkbad mit Dusche ohne Vorhang Badtür muss im Fahrbetrieb offen bleiben
Bequeme, große Einzelbetten im Heck Großer Wendekreis, keine Rückfahrkamera
Gute Autarkie dank Solaranlage und großem Nicht genügend Steckdosen
Frischwassertank Umständlicher Zugang zu Gasflaschen
Viel Platz in der Küche Schlechte Wintertauglichkeit
Die Ducato-Basis mit ihrem bekannten 130-PS-Diesel und gewohnt knöchern-hakeligem Sechsganggetriebe zeigte sich auch im Pössl problemlos. Mit der optionalen, üppigen Breitbereifung 255/55 R 18 auf schwarzen ORC Alus (plus 2590 Euro) zog er satt und sicher durch Kurven, allerdings nicht leichtfüßig. Elastisch zeigte er sich nur bis knapp über 100 km/h, darüber stand das viele Gummi zu wenigen PS im Weg. Kurze Bremswege (43 Meter aus 100 km/h) sind ein Plus, der Komfort blieb dagegen im Mittelmaß stecken. Deutlich weniger progressiv, auch optisch, gab sich der Summit mit Winterreifen in Seriengröße.

Am Testende zeigen sich Altersspuren

Gegen Ende des Dauertests zogen sich, trotz aller hochwertigen Verarbeitung, einige Altersspuren durchs Auto. So hielt der Verschluss die halbrunde Küchentür nicht immer geschlossen, seitlich klapperte eine Verdunkelung, oben musste Klebeband ein Dachfenster im Zaum halten. Dass dies alles Zulieferteile sind, stimmt zwar, ärgert den Kunden, der immerhin rund 60.000 Euro ausgibt, deswegen auch nicht weniger. Für so viel Geld trug der Summit 640 immerhin eine Solaranlage auf dem Dach, die einige Tage Autarkie garantierte. Ärgerlich dagegen, dass USB-Steckdosen fehlten. Denn so spitze unser Pössl war: Selbst einer wie er hat noch ein bisschen Luft nach oben.

Wohnmobil-Dauertest Pössl Summit 640

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Technische Daten: Pössl Summit 640
Motorisierung Fiat MultiJet 130
Leistung 96 kW (130 PS) bei 3600/min
Hubraum 2287 cm3
Drehmoment 320 Nm bei 1800/min
Höchstgeschwindigkeit 152 km/h
Getriebe/Antrieb Sechsgang manuell/Vorderrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 120 l/Diesel
Länge/Breite/Höhe 6358/2050/2610 mm
Radstand/Bereifung 4035 mm/255/55 R 18
Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) 3058/442 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst) 3000/750 kg
Material Wand/Dach/Boden Stahlblech
Stärke Wand/Dach/Boden 20 mm/37 mm/20 mm
Isolierung Wand/Dach/Boden PE/PE+PS/PS
Liegefläche Heck L x B 1900 x 800, 1800 x 800 mm, plus Mittelpolster 1380 x 300 mm
Liegefläche Mitte L x B 1960 x 700 mm (Option)
Kühlschrankvolumen/Froster 80/10 l
Herd 2 Flammen
Bordbatterie 95 Ah
Frisch-/Abwassertank 100/80 l
Gasvorrat/Heizung 2 x 11 kg/Gas, Truma Combi 4
Preis/Testwagenpreis ab 43.699 Euro/ca. 58.500 Euro
Testverbrauch 11,1 l D/100 km
Ölnachfüllmenge (auf 41 033 km) 4,75 l*
Kilometerstand bei Testbeginn 8747 km
Kilometerstand bei Testende 49.780 km
*entspricht ca. 0,12 l/1000 km

Thomas Wirth

Fazit

Der Summit hat's geschafft: Er hinterließ einen richtig guten Eindruck, gab sich als problemloser und treuer Begleiter, war unkompliziert und praktisch. Unterm Strich bleibt das Bild eines hochwertig verarbeiteten Kastenwagens mit nur kleinen Mängeln im Detail. Urteil: 4,5 von fünf Punkten.

Stichworte:

Kastenwagen

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