Poker um Scania geht weiter

Poker um Scania geht weiter Poker um Scania geht weiter

Poker um Scania geht weiter

— 16.10.2006

VW stellt Weichen für die Übernahme

Der Poker um die Übernahme von Lkw-Bauer Scania geht in die entscheidende Phase. Der VW-Aufsichtsrat nimmt wichtige Weichenstellungen vor.

Der Milliardenpoker um die Übernahme des schwedischen Nutzfahrzeugkonzerns Scania geht in die entscheidende Phase. Der Aufsichtsrat des Scania-Hauptaktionärs Volkswagen traf sich am Sonntag (15.10.2006) zu einer außerordentlichen Sitzung, um wichtige Weichenstellungen vorzunehmen. "Wir werden sicherlich Empfehlungen für das weitere Vorgehen geben", sagte der stellvertretende VW-Aufsichtsratsvorsitzende und IG Metall-Chef Jürgen Peter im Vorfeld des Treffens. Auch das Kontrollgremium von Scania kam am Sonntag zusammen.

Die Rolle von VW beim Preispoker ist unklar. Die Wolfsburger haben 15,06 Prozent der Anteile an MAN gekauft.

Seit drei Wochen tobt der Übernahmekampf zwischen MAN und Scania. Der Münchener Lkw-Konzern hatte sein Angebot für Scania zuletzt von 9,6 auf etwas über zehn Milliarden Euro angehoben. Scania lehnt das Angebot jedoch als zu niedrig ab. Unklar ist die Rolle von Europas größtem Automobilkonzern. VW hatte in der vorletzten Woche 15,06 Prozent der Anteile an MAN erworben. Zuletzt hatte es aber den Anschein, dass sich die Wolfsburger auf die Seite von MAN geschlagen haben. So halten sich hartnäckig Gerüchte, dass der in der zurückliegenden Woche erfolgte Einstieg von MAN bei Scania (14,27 Prozent der Anteile) mit Billigung von VW und dessen Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder erfolgt sei.

Wahrscheinlich ist eine Übernahme von Scania durch MAN mit Unterstützung von VW

Der IG Metall-Chef sagte, er befürworte eine einvernehmliche Allianz. Treibende Kraft hinter den Bemühungen

Ferdinand Piëch hält am Plan eines europäischen Lastwagenverbundes fest.

von VW für einen europäischen Lastwagenverbund ist Peters zufolge der VW-Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Konzernchef Ferdinand Piëch. Er habe seit dem Erwerb von 34 Prozent der Stimmrechte an Scania die Vision eines in Europa führenden Nutzfahrzeugkonzerns "unter dem Dach oder neben dem Dach" von VW nie aufgegeben. Der zweite bestimmende Großaktionär bei Scania ist die Industriellenfamilie Wallenberg, die direkt und indirekt 29 Prozent der Stimmrechte hält.

Das für Experten derzeit wahrscheinlichste Szenario ist eine Übernahme von Scania durch MAN mit Unterstützung von VW. Angeblich will MAN am heutigen Montag (16.10.2006) sein Angebot, das derzeit bei 475 Schwedische Kronen je Aktie liegt, auf 500 Schwedische Kronen erhöhen. Der VW-Aufsichtsrat dürfte nach Informationen der schwedischen Tageszeitung "Dagens Industri" dieses Angebot unterstützen.

Scania könnte eine "Giftpille" zur Abwehr des MAN-Angriffs beschließen

Unwahrscheinlicher, aber ebenfalls denkbar ist, dass Scania zum Gegenangriff übergeht und seinerseits ein Angebot für MAN abgibt. Eine mit den Verhandlungen vertraute Person sagte der WELT AM SONNTAG: "Mit einer Kapitalerhöhung ließe sich das schon finanzieren." Dem Kapitalmarkt sei es gleichgültig, wer die Synergien hebe. Jedoch müsste Volkswagen als größter Anteilseigner auch in diesem Fall zustimmen. Ob die Wolfsburger angesichts der laufenden Sanierung ihrer Kernmarke VW tatsächlich über ein gemeinsames Angebot mit Scania für MAN nachdenken könnten, scheint jedoch fraglich.

Auf der Aufsichtsratssitzung von Scania könnte als Überraschungscoup eine sogenannte "Giftpille" zur Abwehr des MAN-Angriffs beschlossen werden. Nach Einschätzung der HypoVereinsbank könnte diese beispielsweise aus einer Sonderdividende in Höhe von 60 Schwedischen Kronen je Aktie bestehen. Dies würde den Kaufpreis für MAN um rund 1,2 Mrd. Euro verteuern.

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