Sehtest für alle

Politiker fordern Gesundheitscheck

— 12.04.2012

Sehtest für alle Autofahrer

Der befristete Führerschein könnte Autofahrern die regelmäßige Augenkontrolle bescheren. Hamburgs Innensenator Neumann fordert alle 15 Jahre einen neuen Sehtest.

Da mochte der Arzt seinen eigenen Augen kaum trauen: Als bei Bernhard Lachenmayr vor einiger Zeit der Chauffeur eines Bankbosses zum Routinecheck antrat, stellte der Professor für Augenheilkunde eine Sehschärfe von 20 bis 30 Prozent fest. "Den musste ich sofort aus dem Verkehr ziehen", erinnert sich Lachenmayr. Bei Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) war die Sehschwäche nicht so extrem. Der Politiker merkte irgendwann, dass er Schilder nicht mehr so gut erkennen konnte. Jetzt trägt der Senator am Steuer Brille. Freiwillig, denn in seinen Führerschein eintragen lassen muss er die Sehhilfe nicht.

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Hamburgs Innensenator Neumann fordert einen obligatorischen Sehtest bei jeder Füherschein-Verlängerung.

Neumann brachte das auf eine Idee: Ab 2013 wird das Führerschein-Dokument nur noch 15 Jahre lang gültig sein. "Dann muss vor jeder Verlängerung zumindest ein Sehtest gemacht werden", so Neumanns Forderung. Bislang gilt: Wer mit 18 den Seh-Check besteht, wird ein Leben lang nicht mehr kontrolliert. Dabei ist das Auge das wichtigste Organ des Autofahrers. Es nimmt 90 Prozent aller für das Fahren nötigen Informationen auf. Wer schlecht sieht, hat ein erhöhtes Unfallrisiko. Schätzungen zufolge ist mangelnde Sehleistung bei sieben Prozent aller tödlichen Unfälle die Ursache, so häufig wie Alkohol. Die eigene Einschätzung der Sehkraft und tatsächliche Messergebnisse weichen nicht selten voneinander ab. Eine Studie mit 750 Unfallfahrern zeigte, dass selbst nach einem Unfall aufgrund eingeschränkter Sehkraft viele Fahrer angaben, "sehr gut" sehen zu können.

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"Wir wollen einen verpflichtenden Gesundheitscheck", sagt Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen.

"Regelmäßige Sehtests sollten mit 50 Jahren losgehen", sagt Augenarzt Lachenmayr, der auch Vorsitzender der Verkehrskommission der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) ist. Ab 60 seien dann Kontrollen im Fünf-Jahres-Rhythmus sinnvoll. Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, will sogar mehr als nur die Augen kontrollieren: Er fordert, die Erneuerung des Führerscheins an einen Gesundheitscheck zu koppeln – und zwar nicht nur für Senioren. "Die eigene Fahrtauglichkeit falsch einzuschätzen ist keine Altersfrage", sagt Kühn. Peter Ramsauer (CSU) will von Pflicht-Tests derweil nichts wissen. "Regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen oder Sehtests sollen freiwillig bleiben", erklärt der Bundesverkehrsminister. Autofahrer werden also vorerst weiter selbst ihre Fahrtüchtigkeit einschätzen. Doch mit den politischen Kräften könnte sich das bald verändern. 2013 ist Wahljahr.

Autor: Benjamin Gehrs

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