Porsche 911 (1989-1993)

Gebrauchtwagen Porsche 911 (964) Gebrauchtwagen Porsche 911 (964)

Porsche 911 (1989-1993)

— 25.02.2002

Rasend in den Ruin?

Traumwagen Porsche 911. Eine Liebesbeziehung, bei der besser der Verstand Regie führen sollte.

Unterhalt und Leistung

Das erste Mal vergisst du nie. Wer einmal im Porsche 911 das Gaspedal streicheln durfte, erinnert sich zeitlebens an das Tosen des Boxers, seine unbändige Kraft und fast unendliche Leistungsreserven. Ein Traum auf Rädern - doch der kann rasend schnell in den Ruin führen. Auch wenn es Elfer aus den Achtzigern bereits für 25.000 Mark gibt. Doch darunter verstecken sich reichlich schlecht reparierte Unfallautos und billig flottgemachte Fünfthand-Wagen. Wer dabei nicht kühlen Kopf bewahrt, sitzt rasch in einer Investitionsruine.

Dabei ist der Unterhalt das kleinste Übel. Ein 89er mit 217/231 PS (mit/ohne Kat) kostet laut HDI-Tarif (Basis: 100 Prozent in Berlin) rund 1000 Mark Haftpflicht im Jahr. Teilkasko noch mal so viel. Teurer sind neuere Modelle, wie der 911 (Typ 964) mit 250 PS. Für einen 93er werden bei gleichem Tarif 1600 Mark in der Haftpflicht und knapp 2000 bei der Teilkasko fällig. Vollkasko-Typen sind mit fast 8000 Mark dabei. Spätestens dann empfiehlt sich ein Umzug aufs Land mit günstigeren Regionalklassen.

Eine Klasse für sich bleibt der 911 auf jeden Fall. Echte Fans lassen nur die luftgekühlten Versionen bis 97 gelten. Danach kam der "Lenor"-Porsche, Typ 996. Besser - aber leider weich gespült. Was aber nicht bedeuten soll, dass die Stuttgarter seitdem unter Leistungsmangel litten. Das ist bei preislich erschwinglichen Modellen um die Zehnjahresgrenze und ein paar PS wenigern kaum anders. Heiser und mächtig zugleich klingt der Boxer mit sechs Zylindern, egal ob 217/231, 250 (964) oder 272/285 (993) Pferde im Heck nach vorn stürmen. Mit Turbo werden in den jeweiligen Jahrgangsklassen sogar 300, 360 oder 408 PS mobil. Aber wer will an der Ampel schon um ein paar Zehntelsekunden feilschen?

Technik und Verarbeitung

Der Fahrspaß hält in jedem Fall auch jenseits fünfstelliger km-Stände an. Allerdings kann bis Baujahr 82/83 die Steuerkette klappern (Kettenspanner). Und das Zweimassenschwungrad kapitulierte öfter beim Typ 964. Ab 93 änderte Porsche die Bauart. Nur am Ölverlust des Boxers hat sich nicht viel gebessert. Besonders nach Vollgasfahrten haben sich ältere Modelle oft gründlich nass gemacht. Das Abdichten des zweigeteilten Kurbelgehäuses ist aufwendig, teuer und nicht immer von Dauer.

Das trifft auch auf die Bremsen zu, die voll gefordert sind, wenn der Pferdestall gezügelt werden muss. Das frisst Scheiben und Beläge für knapp 1400 Mark pro Satz. Auch die Kupplung will schwer getreten sein, viele Stadtfahrten führen auf Dauer zu dicken Oberschenkeln. Ihr Verschleiß ist, bedingt durch die Sportkräfte, sehr hoch. Bleiben noch die Wärmetauscher. Wie bei Porsches Volkswagen, dem Käfer, neigen sie zur Durchrostung. Beim Stückpreis von 1000 bis über 2000 Mark (964) merkt der Fahrer schnell, wie teuer Heizen sein kann.

Die Tücke des Elfers spüren Hobbypiloten erst im Grenzbereich. Heckschleuder lautet der Titel für ein Fahrverhalten, das in schnellen Kurven zum Abflug führt. Doch das ist ein Extrem, oft haben die Fahrer mehr Respekt vor der Biege, als der 911er an Tempo zulassen würde. Bevor es dazu kommen kann, gilt es, ein gutes Stück zu finden. Möglichst mit Scheckheft und wenig Vorbesitzern. Solide Exemplare aus den achtziger Jahren kosten mindestens 30.000 Mark und liegen locker 5000 Mark über Schwackepreisen, doch dafür steht auch nicht sofort der erste Werkstatttermin an.

Der 964 ab 1989 ist wegen höherer Anfälligkeit und deftiger Ersatzteilpreise zwar weniger zu empfehlen, doch dafür als Gebrauchtwagen in erschwingliche Regionen abgerutscht. Rostsensible Modelle vor 76 gehören in Liebhaberhände, aus der Zeit bis 89 gelten 911er bereits als alltagstaugliche Sportwagen. Nur: Mit höherer Kilometerleistung wächst auch das Verschleißpotential, z.B. durch Steinschlagschäden auf den Scheinwerfern, der Windschutzscheibe und der Haube. Kein Wunder, ungeliebt war der Zuffenhausener nie und wandert oft durch zahlreiche Hände. Je weniger, um so besser. Doch zwei Drittel aller je gebauten Porsche 911 fahren heute noch herum - und bringen nicht nur Männer zum Träumen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/63 Premiere auf der IAA als Nachfolger des 356: 1991 cm3 mit 130 PS, Luftkühlung, 210 km/h. Preis: 21.900 Mark 10/74 erster Turbo (3.0/260 PS) mit 250 km/h für 65.800 Mark 8/76 beidseitig feuerverzinkte Bleche als Serienstandard 9/81 Cabrio-Vorstellung auf der IAA. Preis ab 64.500 Mark 8/83 911 Carrera: 3.2/231 PS, 247 km/h. Preis um 70.000 Mark 2/85 Katalysator als Extra lieferbar 4/89 neuer 911 (Typ 964) zuerst nur als Carrera 4 mit Allradantrieb ab 115.000 Mark 8/89 911 (964): 3.6/250 PS, 260 km/h. Preis ab 103.500 Mark 8/93 911 (993): 3.6/272 PS, 270 km/h. Preis ab 125.760 Mark 8/97 911 (996): 3.4/300 PS, 280 km/h. Preis ab 132.950 Mark 9/01 Facelift an Frontschnauze, mehr Leistung: 3.6/320 PS

Schwachstellen • Ölverlust am Motor ist typisch für den 911. Besonders nach Vollgasfahrten und bei älteren Modellen auffällig • Bremsscheiben haben auch bei Fahrern ohne Sportgeist nur eine kurze Haltbarkeit • Auspuffanlagen sind vor allem bei günstigen Angeboten aus den Achtzigern hin • Zweimassenschwungrad mit Ausfällen ist vor allem ein Problem beim Typ 964. Auch die erstmals sehr umfangreiche Elektronik gilt bei diesem Elfer teilweise als anfällig • Steuerketten können rasseln, wenn der Kettenspanner nachlässt (bis Bj. 82/83) oder jenseits fünfstelliger Laufleistung die Kette allmählich ausleiert

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Porsche 911 (964), 184 kW/250 PS, Bj. 90. Die Sportlichkeit hat ihren Preis, besonders wenn im Alter die große Motorrevision ansteht. Aber auch Bremsscheiben und -beläge wollen angespart sein.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der Porsche 911 ist der Sportwagen schlechthin. Solide Verarbeitung, gute Alltagstauglichkeit und ausreichend Leistungsreserven lassen diesen Klassiker nie alt aussehen. Da die Besitzer ihr Sportgerät überdurchschnittlich pflegen, sind Mängel selten. Rost ist seit Vollverzinkung ab 76 kein Thema, es sei denn, Unfallschäden wurden unfachmännisch repariert. Relativ hoch ist der Verschleiß an Kupplung und Bremsen. Auch die Dichtigkeit von Auspuff und Motor sind zu prüfen. Ölverlust ist vor allem bei älteren Modellen typisch. Schon der Elfer bis 89 und gut 200 PS hat genug Power. Die Nachfolger (964/993) sind zwar stärker, doch dafür auch teurer in Anschaffung und Unterhalt." Dirk Tietjen, DEKRA-Sachverständiger

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