Porsche 911 (1993-1997)

Gebrauchtwagen Porsche 911 Gebrauchtwagen Porsche 911

Porsche 911 (1993-1997)

— 05.03.2004

Ein Renner für den Alltag

Irgendwann ist die Zeit reif für den ersten Porsche. Und es gibt kaum Einwände gegen einen gut gepflegten 911er der Baureihe 993.

Tachostand und Scheckheft

Manche Dinge im Leben passieren nicht einfach so – einige sind oft über Jahre geplant. Spontan baut kein Mensch ein Einfamilienhaus, niemand kauft aus einer Laune heraus einen Schäferhund, und wer sich für einen Porsche 911 entscheidet, kroch vermutlich schon als Kind mit dem Matchbox-Modell über den Teppich und brummte dazu den unvergleichlichen Boxer-Beat.

Spätestens nach der ersten Scheidung ist ein "echter" Elfer fällig, und der muss eventuell – Scheidungen sind teuer – ein Gebrauchtwagen sein. Zum Beispiel ein 993, der zwar vor sechs Jahren abgelöst wurde, doch für viele noch immer der letzte echte Elfer ist. Danach folgte der 996 und mit ihm die ungeliebte Wasserkühlung. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Die Suche nach dem Gebrauchtwagen-Glück beginnt am besten im Porsche-Zentrum oder bei einem Händler mit gutem Leumund. Den 993-Tacho kann jeder Mechaniker- Lehrling im ersten Jahr manipulieren, ohne Vertrauen geht also nichts. Natürlich ist ein frisches Auto mit wenig Kilometern erstrebenswert, doch noch wichtiger als die Zahl auf der Uhr ist der Allgemeinzustand.

Der Verkäufer dokumentiert seine Fürsorge im Idealfall mit einem lückenlosen Scheckheft, und zwar stets vom Porsche-Partner abgestempelt. Bei 40.000 und 80.000 Kilometern ist eine große Inspektion fällig, sie sollte entweder nachgewiesen oder im Preis berücksichtigt werden. Porsche verlangt dafür etwa 1800 Euro, notwendige Reparaturen sollten unbedingt vom Fachmann geschätzt werden.

Motor und Karosserie

Und wenn dennoch nach dem Kauf der Einsatz eines Mechanikers notwendig ist, macht sich eine Händlergarantie rasch bezahlt. Grundsätzlich ist der Elfer mechanisch kein schlechtes Auto. Doch wer ist schon frei von Fehlern? Ölverlust haben wir nicht nur an unserem Testwagen gesehen, mehrere Elfer kennen dieses Leiden.

Wesentlich schlimmer ist übertriebener Ölverbrauch. Dessen Ursprung kann meist nur eine teure Motor-Revision beseitigen, deren Kosten auch ein schönes Auto ganz schnell finanziell uninteressant machen. Unfallspuren am Elfer sind ein absolutes K.-o.-Kriterium. Wenn der Wagen einen Crash hatte, gilt nur eines: Finger weg! Karosserie-Spaltmaße sind penibel gearbeitet, die Lackstärke stets gleichmäßig. Unlackierte Schraubenköpfe, etwa an den Türen, sollten eher beruhigen und nicht verwundern.

Rasch handeln gilt es bei Rost. Ja, der Porsche ist verzinkt – und rostet dennoch. Anfällig sind Stellen, bei denen es zu Reibung am Blech kommt. Verzinken ist nicht mehr als eine Oberflächenbehandlung. Wenn die Farbe ab ist, gilt das oft auch für die Zinkschicht. Etwa bei Scheuerstellen an den Türen oder am Scheibenrahmen. Wird nach einem Steinschlag die Scheibe getauscht, achten Mechaniker stets darauf, das Blech beim Ausbau der alten Scheibe nicht zu verletzen. An dieser Stelle würde sich Rost breit machen.

Technik und Getriebe

Stimmt auch der Zustand des Blechs, steht einer ausgiebigen Probefahrt nichts im Wege. Porsche-Neulinge wundern sich anfangs über die merkwürdige Sitzposition und den großen Widerstand der Kupplung. Reine Gewöhnungssache, die Feder ist eben etwas streng und erinnert daran, dass Porsche Sportwagen baut. Nicht viel strenger als anderswo sollte aber die Schaltung funktionieren. Präzise und leichtgängig, alles andere kann teuer werden.

Ob es ein Porsche mit manueller Schaltung oder der Tiptronic-Automatik sein soll, muss jeder selber entscheiden. Die Tiptronic kostet etwa vier Prozent Aufschlag und macht das Fahren im Stadtverkehr angenehmer. Technisch ist gegen die Tiptronic nichts einzuwenden. Schäden sind selten, und Porsche ist für großzügige Kulanz bei Reparaturen an scheckheftgepflegten Fahrzeugen bekannt.

Welchen nehmen? Unser Targa mit der riesigen Glasscheibe ist relativ selten. Aber keine Sorge: Sie neigt aufgrund der steifen Karosserie nicht zu Spannungsrissen und kann empfohlen werden. Verwindungssteif ist auch das Cabrio, sehr gefragt vor allem der 4S. Der Carrera ist unser Favorit; der Turbo ist toll, aber selten unter 50.000 Euro zu finden. Doch Sparen und Fahren sind bei Porsche traditionell zwei verschiedene Begriffe.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/93 Der 993 löst den 964 ab. Carrera 3.6 (272 PS) 3/94 Einführung des Carrera-Cabrios (272 PS) 9/94 Allrad für den 911: Carrera 4 und Carrera 4 Cabrio (272 PS) 2/95 Turbo mit 408 PS 8/95 Mehr Power: 3.6 Carrera, 3.6 Carrera 4, 3.6 Carrera 4S bekommen 285 PS. Neu am Start: der Targa mit 285 PS 8/96 3.6 Carrera S (285 PS) 8/97 Ablöse durch den 996. Der Porsche 911 bekommt einen wassergekühlten Boxermotor

Schwachstellen • Rost am Auspuff ist ein typisches Gebrauchtwagenleiden, das auch dem Porsche 911 nicht erspart bleibt • Ölverlust an Motor und Getriebe konnten wir an zahlreichen Fahrzeugen feststellen • Rost an der Karosserie tritt gelegentlich dann auf, wenn die Zinkschicht durch Unfall, Abrieb oder eine unsachgemäße Reparatur beschädigt wurde • Bremsen unterliegen bei Sportwagen naturgemäß einer großen Belastung, nach etwa 50.000 Kilometern sind teurere Reparaturen an beiden Achsen erforderlich • die Kupplung hat bei dieser Kraft Schwerarbeit zu verrichten – und hält mit etwas Fahrer-Geschick rund 100.000 Kilometer

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Porsche 911 Carrera 4 Cabrio, 200 kW/272 PS, Baujahr 95. Wenn Porsche-Piloten schlecht schlafen, träumen sie von Motorschäden: 37.600 Euro für die Reparatur übersteigt oft den Zeitwert.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der 911 hat selbst nach elf Jahren keinen Rost am Chassis, ebenso vergeben unsere Prüfer stets Bestnoten für Achsen und Lenkung. Störend ist allerdings der Ölverlust am Motor des 996. Die Beleuchtung ist in Einzelfällen falsch justiert, die Funktion meist zufrieden stellend. Bremsscheiben unterliegen bei den Drei- und Siebenjährigen großem Verschleiß." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland Group

Modellempfehlung Porsche 911 Carrera (210 kW/285 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 830 Euro im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: Werksangabe 11,5 Liter, gemessen 12,3 Liter (S) Versicherung: Vollkasko (36/504 Euro SB): 4435 Euro. Teilkasko (39/151 Euro SB): 737 Euro. Haftpflicht (16): 894 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion: 20.000 Kilometer, etwa 1000 bis 1800 Euro Wertverlust: Der letzte Carrera der Baureihe 993 hat seit 1998 nur 42 Prozent vom Neupreis verloren und notiert mit 39.750 Euro

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